Bauvorhaben : Stadt sagt Ja zum Pflegeheim II

Das Überschwemmungsgebiet nördlich der Wismarschen Straße: Neben dem Pflegeheim in der Villa Rose will Volker Hefftler ein weiteres Heim bauen lassen. Die Stadt hat am Montag die Weichen dafür gestellt.     
Das Überschwemmungsgebiet nördlich der Wismarschen Straße: Neben dem Pflegeheim in der Villa Rose will Volker Hefftler ein weiteres Heim bauen lassen. Die Stadt hat am Montag die Weichen dafür gestellt.  

Politiker stimmen mehrheitlich für weitere Einrichtung am Schloss. Karsten Thiemann kritisiert die Bebauung des Biotops.

svz.de von
21. Februar 2018, 05:00 Uhr

Grünes Licht für die weitere Planung des Bauvorhabens „Pflegeheim Am Schloss-Haus II“ hat die Bützower Stadtvertretung am Montag gegeben. Mehrheitlich stimmten die Kommunalpolitiker Bützows dafür, die Entwürfe für den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan auszulegen.

Volker Hefftler plant, an der Wismarschen Straße ein weiteres Pflegeheim mit 80 Plätzen sowie Gemeinschafts- und Sozialräumen an der nördlichen Seite der Straße zu bauen. In der Nähe steht Heim I mit 50 Plätzen. Mit dem Beschluss will die Stadt Bützow die städtebauliche Entwicklung der Kommune steuern, mit der Änderung des Bebauungsplans wird die konkrete Umsetzung festgesetzt.

Gegen den geplanten Standort des zweiten Pflegeheims von Volker Hefftler auf einem Biotop in Bützow haben Karsten Thiemann, Mathias Wolschon und Veronica Wolschon (alle CDU) gestimmt. Thiemann führte eine Reihe von Gegenargumenten zu einer Bebauung an:

  • das Verdrängen bedrohter Arten, die teils sogar auf der Roten Liste stehen
  • trotz eines drohenden Totalverlusts des Biotops wurden nur zwei weitere Standorte geprüft
  • Bewohner eines Pflegeheims seien nicht mehr so mobil im Gegensatz zu ambulant versorgten Senioren, deshalb könne das Heim auch woanders hin
  • Behörden, Verbände und Bürger widersprächen den geplanten Ausgleichsmaßnahmen
  • vor allem der BUND habe seine massiven Bedenken „fachlich qualifiziert“ dargelegt
  • das Risiko der Verdrängung im Bereich des Moorkörpers im Umfeld der Baumaßnahme sei nicht beachtet worden
  • die Folgen für den Wasserfluss- und -aufstau seien flussaufwärts der Wiese in den Unterlagen nicht dargestellt
  • die Verwaltung habe die Stadtvertreter nicht in vollem Umfang informiert
  • Beim Personal gebe es jetzt schon einen Verdrängungs-Wettbewerb unter den elf bestehenden und geplanten Pflegeeinrichtungen in der Region
  • das Stadtbild leide: „Wird man jetzt mit dem Ensemble aus Stiftskirche, Schlossplatz, der restaurierten Villa Rose und dem vorgelagerten Niedermoor neben dem Bützower See begrüßt“, werde in Zukunft ein langgestreckter Baukörper ohne Auflockerungen die Sicht versperren.

Eine Diskussion auf diese Liste an Gegenargumenten entstand trotz aufmerksam zuhörender Bürger nicht. Bei der Abstimmung sprachen sich 15 Stadtvertreter für die Änderungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplan aus. Mathias Thiemann und Veronika Wolschon (beide CDU) stimmten dagegen, Wolfgang Wehrmann (EB) enthielt sich der Stimme. Bleibt abzuwarten, ob der Landkreis die Ausnahmegenehmigung zum Bauen im Überschwemmungsgebiet erteilt (siehe Beitrag unten).

Kommentar von Frank Liebetanz: Risiken abwägen
Schäden wegen Hochwasser gibt es nicht nur an Elbe, Rhein und Oder, wie man meinen könnte. Im Sommer 2014 standen viele Keller und so manche Wohnung in Münster unter Wasser, als die sonst kleine Aa anschwoll. 2016 trat, ebenfalls nach einem Starkregen, die eher unbedeutende Bocholter Aa im Westmünsterland über die Ufer. Meteorologen warnen davor, dass solche Fälle in Zukunft öfter eintreten werden. Und was macht die Stadt Bützow? Sie will ein Überschwemmungsgebiet, ein Niedermoor zwischen zwei Gräben in der unmittelbaren Nähe zur Warnow, bebauen lassen. Dabei, so heißt es, gebe es genügend andere Flächen, die die Verwaltung hätte untersuchen lassen können. Das Interesse des Investors ist klar: Kurze Wege zwischen den Pflegeheimen in einheitlichem Weiß, eine ansprechende Lage. Er muss allerdings tiefer in die Tasche greifen, weil das Gebäude eine Riesen-Wanne gegen das Eindringen von Wasser braucht. Die Gebäude-Versicherung dürfte ebenfalls teurer werden. Risiken abwägen und im Zweifelsfall woanders bauen, sollte die Devise sein. Das ist bei diesem Biotop auch wegen massiv bedrohter Tierarten zu empfehlen. Meine Hoffnung: Der Landkreis Rostock legt ein Veto ein.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen