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Bützow : Sozialministerin auf Stippvisite in Kita

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Stefanie Drese macht bei Informationstour durch MV Halt in Kita der Lebenshilfe

Auf ihrer Informationstour durch Mecklenburg-Vorpommern machte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) gestern Halt in Bützow. Gemeinsam mit der Dezernentin für Finanzen und Soziales des Landkreises Rostock, Anja Kerl (die parallel auch Landrat Sebastian Constien vertrat), dem Landtagsabgeordneten Philipp da Cunha (SPD) und Bützows Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) wurde die Integrative Kindertagesstätte der Lebenshilfe in Bützow unter die Lupe genommen.

Von Kita-Leiterin Gabriele Belosa, Karsten Geike, Geschäftsführer der Bützower Lebenshilfe, sowie Verwaltungsleiterin Kerstin Freymann wurden die Gäste mit auf Erkundungstour durch die Einrichtung im Rühner Landweg genommen. Belosa stellte die Räumlichkeiten vor, ehe es in einige Gruppen ging. Von Berührungsängsten war keine Spur. Die Sozialministerin gesellte sich zu den Kindern, suchte das Gespräch und spielte mit den Knirpsen. Auch da Cunha und Kerl gingen auch Tuchfühlung mit den Kindern. Bürgermeister Christian Grüschow hatte dafür zeitweise keine Hände frei – denn der Sohnemann sprang ihm prompt auf den Arm. Wann ist der Papa während der Arbeitszeit schon mal zum Greifen nah?

Nach der Erkundungstour durch die Einrichtung ging es gemeinsam an den runden Tisch. Karsten Geike ergriff das Wort, bedankte sich für das Erscheinen der Ministerin und stellte den Träger vor. „Wir sind ein leidenschaftlicher Kita-Träger“, sagte er. Er stellte auch die weiteren Einrichtungen vor, die unter Trägerschaft der Lebenshilfe stehen.

Aber Geike kam nicht umhin, auch kritische Äußerungen zu tätigen. Schließlich war nun eine Entscheidungsträgerin mit offenem Ohr direkt vor Ort. So erklärte der Geschäftsführer, dass die frühkindlichen Hilfen wichtiger denn je sind. Die Zahl verhaltensauffälliger Kinder nehme zu. „Der richtige Zeitpunkt der Förderung darf nicht verpasst werden“, mahnt Geike. Irgendwann sei der Punkt gekommen, wo kaum noch Korrekturen möglich seien.

Stefanie Drese zeigte sich dankbar, dass Karsten Geike gleich offen sprach. Schließlich sei sie genau aus diesem Weg auf Tour durch MV, „um ein Gefühl für die Praxis zu bekommen, um zu erfahren, wo Schwerpunkte sind, um draufzugucken“. Welche Defizite es genau gibt, wollte sie wissen. Gabriele Belosa: „Verhaltensauffällige Kinder, oft aus bildungsfernen Elternhäusern, belasten die Erzieher.“ Auffällige Kinder bedürften einer zusätzlichen Aufmerksamkeit, die mit den bestehenden personellen Gerüsten kaum zu leisten sind. Und wenn später, nachdem das Kind auch in der Schule Probleme bekommt, behauptet werde, dass alle Seiten versagt hätten, würde es die Erzieher besonders treffen. Dabei gehe es laut der Kita-Leiterin nicht um behinderte Kinder. Für die sei der entsprechende Schlüssel da. „Die verhaltensauffälligen Kinder sind das Problem. Sie sind oftmals fit im Kopf.“

Grüschow bekräftigte dies und erklärte, dass es auch in der Gemeinde-Kita Zunahmen dieser Art zu verzeichnen gibt. Auch Kinder ausländischer Herkunft würden besondere Herausforderungen bedeuten. Und da vom Landkreis keine Förderung kam, wurde auf städtische Kosten eine neunte Kraft angestellt. Er bat darum, die Richtlinien alsbald zu überdenken. Für den inkludierten Hort gäbe es gar keine Richtlinien, führte Karsten Geike den Gedanken fort. „Die Anforderungen wachsen“, so Geike. „Und das zu Lasten der Mitarbeiter, es führt zum Verschleiß.“

Auch die Ausbildung von Erziehern wurde thematisiert. Die duale Ausbildung sei nach Meinung alle Beteiligten falsch gewichtet. Statt zwei Jahre lang in vielen Bereichen hineinzuschnuppern, sollte lieber weniger „geguckt“ und mehr auf Spezialisierung geachtet werden. „Das wäre überdenkenswert“, bekräftigte Gabriele Belosa. Kerstin Freymann ergänzte, dass eine Spezialisierung nach Altersgruppen sinnvoll sei. „Heute sollen Erzieher alles können, aber das funktioniert so nicht.“ „Das nehme ich für Birgit Hesse mit“, antwortete Drese. Dies sei nicht ihr Fachressort, aber sie werde diese Gedanken der Bildungsministerin vortragen. „Das klingt nachvollziehbar, sich drei Jahre zu spezialisieren“, sagte die Sozialministerin.

Außerdem regte Karsten Geike an, einmal jährlich einen runden Tisch mit Kita-Trägern und der Politik ins Leben zu rufen. Denn über den normalen Verwaltungsweg könne nie so unkompliziert über die reellen Probleme berichtet werden, wie im direkten Gespräch. „Man könnte aus dem Alltag heraus berichten.“ Momentan würden eher „juristische Gedanken“ den Ausschlag geben.

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