Bützow : Sorge um die Heimat im Heimatmuseum

Das Krumme Haus: Die Stadt Bützow will das Heimatmuseum modernisieren. Auf wenig Gegenliebe stößt jedoch, dafür der Sprache Englisch Einzug zu gewähren.
Das Krumme Haus: Die Stadt Bützow will das Heimatmuseum modernisieren. Auf wenig Gegenliebe stößt jedoch, dafür der Sprache Englisch Einzug zu gewähren.

Zwei Leser monieren, dass zur Neugestaltung des Krummen Hauses englische statt plattdeutsche Begriffe genutzt werden

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17. Februar 2018, 12:00 Uhr

In der gestrigen Ausgabe haben wir von den Plänen berichtet, dass dem Krummen Haus in Bützow möglicherweise eine inhaltliche Neugestaltung bevorsteht. Zumindest wird dies momentan seitens der Stadt beraten, um im Rahmen des Projektes „Stadtgefährten“ an 150 000 Euro Fördergeld der Kulturstiftung vom Bund zu gelangen. Die Verwaltung schlug dafür „Heimat – lost and found“ als Titel vor.

Aufgrund des englischen Titels wandte sich der Wendorfer Heinz Hornburg an die Redaktion. Vor 20 Jahren habe er an der Gestaltung des Stadtmuseums mitgewirkt, vieles sei noch heute so wie früher. Auch Stadtführungen habe er in Bützow angeboten. Heinz Hornburg findet, dass eine Neugestaltung dem Museum tatsächlich gut täte. „Und es ist erfreulich, dass so viel Geld dafür da zu sein scheint“, sagt er. Dennoch ist er aufgebracht. „Muss man künftig Englisch können, um ins Heimatmuseum zu kommen?“

Plattdeutsch sei typisch für Mecklenburg, nicht Englisch. Mit Wolfgang Hohmann gebe es in der Region doch einen Fachmann in Sachen Plattdeutsch. „Solche Persönlichkeiten gehen in Bützow unter. Man weiß gar nicht, was man hat“, moniert Heinz Hornburg. Er ist der Meinung, Menschen wie Wolfgang Hohmann hätten für eine Neugestaltung des Heimatmuseums einbezogen werden müssen, um tatsächlich von einem Heimatmuseum sprechen zu können.

Es gehe auf die Stadt zurück, dass nun auf Englisch zurückgegriffen werde. Und das stört den Wendorfer. „Wir sind nicht dort. Wir sind in MV und das ist unsere Heimat. Die Leute müssen sich mit Heimat identifizieren können, erst dann sind sie zuhause.“ Und das gehe nicht auf Englisch. „Wir rücken doch nicht in den Weltmittelpunkt, wenn wir englische Begriffe drüberschreiben.“

Mit dieser Kritik steht Heinz Hornburg nicht allein dar. Auch Frauke Hinkler aus Klein Raden äußerte per Leserbrief ihre Kritik. „Ich finde es toll, dass sich Bützow sehr für das Heimatmuseum engagiert und vielleicht sogar zwei zusätzliche Stellen schaffen kann und möchte“, schreibt sie zu den positiven Aspekten. „Stirnrunzeln“ habe ihr jedoch der Titel „lost and found“ verschafft. Sie fragt, ob die Ausstellung tatsächlich so heißen muss. Englisch ins Heimatmuseum aufzunehmen, gefällt Frauke Hinkler nicht. „Ich spreche einigermaßen gut Englisch, habe auch irgendwann in der Schule einmal Russisch gelernt, aber wir wohnen in M/V und sprechen Deutsch. Wollen wir wirklich zulassen, dass ständig in unseren Alltag die Anglizismen Einzug halten?“ Ihre Vorschläge als Alternative: „Warum als Name nicht „Verloren und wieder/gefunden“ oder „Fundbüro aus der Zeit von…bis“?“

Die Klein Radenerin merkt an, dass viele Mecklenburger ausgewandert seien. Diejenigen würden sich die Ausstellung aber nicht ansehen, „ die ist für uns in unserer Heimat. Vielleicht kann man darüber einmal nachdenken.“

Frauke Hinkler fürchtet, dass – sofern die Pläne in die Tat umgesetzt werden – nicht mehr alle von einem Museumsbesuch profitieren. „Ich würde mich freuen, wenn wir unsere Bodenständigkeit und Heimatliebe auch so ausdrücken würden, dass sie jeder von uns versteht und wir unsere eigene Sprache nicht ganz vergessen.“

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