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Bützower Zeitung

19. November 2017 | 09:45 Uhr

Bröbberow : Sind die Testanlagen zulässig?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Windkraftanlagen in Bröbberow: Anwohner diskutieren auf Bürgerversammlung

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Kommen die zwei beantragten Testanlagen bei Bröbberow oder nicht? Um die Gerüchteküche einzudämmen und die Anwohner auf denselben Wissenstand zu bringen, organisierte Bröbberows Bürgermeister Steffen Marklein am Mittwochabend eine Bürgerversammlung. Mit dabei: die Investoren.

Aufgeteilt in zwei Lager und moderiert vom Bürgermeister, lieferten sich die 50 Anwohner, Vertreter verschiedener Ämter und Behörden sowie die Investoren ein zweistündiges Frage-Antwort-Spiel. Marklein warf selbst einige Fragen per Projektor an die Wand und auch die Zuhörer hatten Informationsbedarf.

Ein häufig angesprochenes Thema war der Naturschutz. „Wie stehen Sie zum Helgoländer Papier?“, fragte Anwohner Dr. Tom Reimer. Als Biologe befasst er sich auch mit Vögeln und kennt das entsprechende Dokument. Darin werden Mindestabstände von Windenergieanlagen zu Vogellebensräumen und Brutplätzen empfohlen. Im Helgoländer Papier werden Abstände von 1000 bis 1500 Meter genannt. Die vom Amt für Raumordnung und Landesplanung ausgewählte Fläche wäre damit laut Reimer „hinfällig“.

Der Amtsleiter des Umweltamtes vom Landkreis Rostock, Roger Hewelt, wies darauf hin, dass das Helgoländer Papier allerdings keine rechtliche Relevanz hat. Es habe aber in der Diskussion um Windkraftanlagen zum Nachdenken angestoßen. „Wir gehen den Fakten nach. Die Frage ist nun: Wie gehen wir mit den Dingen um, die wir wissen?“, so Hewelt. Dazu gehören Schlafgewässer von Gänsen, Habitate von Rotmilanen sowie Storchen, Rohrdommeln und Seeadlern. „Das alles fließt in die Beurteilung mit ein“, sagte Hewelt. Auch Matthias Plehn vom Amt für Raumordnung und Landesplanung erklärte, dass geschützte Biotope einen Bau von vornherein ausschließen. „Es sind sehr strenge Kriterien, die gerade einmal von zwei Prozent der Flächen im Landkreis erfüllt werden“, sagte Plehn.

Marklein sieht beim Naturschutz neue Verbündete. „Ich nehme die Leute beim Wort. Schließlich müssen wir unsere Landschaft pfleglich behandeln“, sagte er. Ob die Flächen aber unter naturschutzrechtlichen Aspekten relevant sind, konnten abschließend weder Hewelt noch André Winkler vom Planungsbüro „ZweIngenieure“ sagen. Er sagte, dass sich entsprechende Fachleute der Firma mit der Thematik auseinandersetzen würden.

Unbeantwortet blieb die Frage, welchen Nutzen der Aufbau der Testanlagen für die Gemeinde hätte. Zwar würden 100 Prozent der Gewerbesteuer in die Gemeinde fließen, da es sich aber um Testanlagen handelt, werfen sie somit keinen Gewinn ab. „Die Investoren haben uns keine Anreize bieten können“, resümierte Marklein.

Generell bewertet der Bürgermeister den Abend aber als Erfolg: „Der Grundtenor, dass alles im Prinzip bereits geregelt wäre, ist rausgenommen. Das Projekt wurde vorgestellt, der Ton blieb friedlich.“

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