Tarnow : Sie wecken die Fantasie der Kinder

Die Tarnower Erzieherinnen Doris Christen (hinten links) und Petra Wunder (hinten rechts) nutzen die Adventszeit und bedanken sich bei ihren Vorlesepaten Adelheid Boenigk (2. von links) und Gudrun Hoßmann (2. von rechts) für ihr Engagement.
Die Tarnower Erzieherinnen Doris Christen (hinten links) und Petra Wunder (hinten rechts) nutzen die Adventszeit und bedanken sich bei ihren Vorlesepaten Adelheid Boenigk (2. von links) und Gudrun Hoßmann (2. von rechts) für ihr Engagement.

SVZ-Aktion „Wir öffnen Türchen“: Adelheid Boenigk und Gudrun Hoßmann entführen Kinder in Tarnow wöchentlich in die Welt der Märchen

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13. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Einst waren es 20 Vorlesepaten, die an der Kindertagesstätte „Gänseblümchen“ in Tarnow angefangen haben. Jede Woche hat den Kindern einer von ihnen Geschichten vorgelesen. Mit der Zeit wurden es immer weniger. Heute sind noch Adelheid Boenigk und Gudrun Hoßmann als regelmäßige Vorleser übrig geblieben. Sie machen es, weil sie immer etwas von den Kindern zurückbekommen. „Wenn einer von uns um die Ecke kommt, laufen die Kleinen schon zur Fensterscheibe und lachen uns an“, erzählt Gudrun Hoßmann. Dafür fährt sie jedes Mal von Bützow nach Tarnow, Adelheid Boenigk reist von Zibühl an.

Für dieses besondere Engagement wollen sich die beiden Erzieherinnen Petra Wunder und Doris Christen bei ihren Vorlesepaten bedanken. Im Zuge unserer Aktion öffneten sie für die zwei Damen ein Türchen und überraschten sie mit Pralinen. „Es ist immer eine kurze, intensive Zeit, die die Vorlesepaten mit den Kindern verbringen. Wir sind sehr dankbar, dass sie sich die Zeit nehmen“, sagt Doris Christen.

Immer abwechselnd komme eine der Damen einmal die Woche für eine halbe Stunde in die Kindertagesstätte und lese aus den verschiedensten Büchern vor. „Viele Geschichten, die die Kinder hören wollen, kenne ich nicht. Dafür lese ich ihnen aber auch mal aus alten Märchen vor. Hin und wieder kann ich den Kindern dann mal einen alten Begriff erklären“, erzählt Gudrun Hoßmann.

Die Bützowerin sieht in der Tarnower Kita ein ganz besonderes Flair. Die Kinder seien hier wissbegierig und offen. Daher finde sie es schön, dass es beispielsweise auch Ausflüge in den Wald gebe. „Die Kleinen wissen, was ein Pilz oder ein Blaubeerstrauch ist. Diese Naturverbundenheit ist sehr selten geworden heutzutage“, sagt die 69-Jährige.

Adelheid Boenigk schätzt vor allem die Freundlichkeit der Kinder. „Oft ist es so, dass die Kinder fragen, ob sie mir die Tasche abnehmen können. Einen Jungen werde ich nie vergessen, weil er so höflich und zuvorkommend war. Er hat mir zum Sitzen sogar ein Kissen angeboten“, erzählt die 70-jährige Zibühlerin. Manchmal habe sie Tränen in den Augen, wenn sie ihrem Mann später die Geschichten von den Kindern erzähle. Sie selbst sei schon immer eine Leseratte gewesen. Das zog sich durch ihr Leben. Vorher hat sie auch schon ehrenamtlich Pflegebedürftigen vorgelesen.

In einem sind sich die beiden Frauen einig. Das Vorlesen ist wichtig für die Kinder. „Es bringt ihnen viel für die Schule später und fördert schon jetzt ihre Lesekompetenz“, sagt Gudrun Hoßmann. Aber in der halben Stunde, in der sie den Kindern vorlesen, tragen sie auch ein Stück Verantwortung. Als Erzieherinnen sehen sich die Vorlesepaten trotzdem nicht, dazu gehöre noch sehr viel mehr.

Die Idee der Kita wollen sie gerne weiterführen. Dass auch sie einmal mit dem Vorlesen aufhören, kommt für Adelheid Boenigk und Gudrun Hoßmann nicht in Frage. „Wir werden solange lesen, bis uns die Stimme versagt.“

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