Bützow : Sie macht den Tag zum schönsten

Von diesem Schreibtisch aus schließt Cathleen Delph Ehen. Sie ist Standesbeamtin in Bützow und hat seither 52 Paare glücklich vermählt.
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Von diesem Schreibtisch aus schließt Cathleen Delph Ehen. Sie ist Standesbeamtin in Bützow und hat seither 52 Paare glücklich vermählt.

Cathleen Delph ist Standesbeamtin in Bützow und hat bislang 52 Ehen geschlossen. Im Schnitt heiraten in Bützow 70 Paare jährlich

svz.de von
09. April 2017, 21:00 Uhr

Der schönste Tag des Lebens ist der, an dem geheiratet wird, so heißt es. Im Amt Bützow-Land hatten im vergangenen Jahr 70 Paare einen solchen Tag. 140 Männer und Frauen gaben sich das Ja-Wort. Dass es auch tatsächlich der schönste Tag des Lebens wird, dazu trägt Cathleen Delph ihren Teil bei. Sie ist Standesbeamtin und traut verliebte Paare.

Seit fast genau drei Jahren ist Cathleen Delph eine von drei Standesbeamtinnen im Rathaus. Bislang hat sie 52 Ehen geschlossen. Das weiß die 27-Jährige ganz genau, denn sie zählt mit. Ob diese Aufgabe auch mal langweilig wird? Nein, betont die Steinhagenerin. „Es ist immer noch schön, eine der tollsten Aufgaben der Welt.“ Jede Eheschließung sei anders, so anders wie die Paare. Auch die Reden sind individuell und auf das Paar zugeschnitten. Die Folge: „Ich bin vor jeder Eheschließung aufgeregt. Denn man weiß nie, was passiert. Das wird keine Routine.“ Oft lasse sie sich von der Atmosphäre packen, da rolle auch mal bei der Standesbeamtin eine Träne.

Nicht selten versteht sich Cathleen Delph mit den Paaren so gut, dass sie nach der Eheschließung auch zum Sektempfang eingeladen wird. „Viele sagen, dass es schön war und bedanken sich.“ Nach ihrer Premiere, als die 27-Jährige erstmals vor zwei Frauen stand, bekam sie hinterher sogar noch eine Mail mit dankbaren Worten. An diesem Tag war die Steinhagenerin noch aufgeregter als sonst. Aufgeregter denn je war sie auch bei der allerersten Eheschließung. Noch heute beschäftigt sie ein Versprecher. „Es ärgert mich, weil ich es damals versaut habe.“ Da das verliebte Paar mindestens genauso aufgeregt war, habe es den kleinen Ausrutscher jedoch gar nicht mitbekommen. Einen richtigen Fauxpas habe es aber noch nie gegeben. „Ich habe bisher alle verheiratet bekommen“, sagt die 27-Jährige.

Als gebürtige Bützowerin kennt Cathleen Delph viele Menschen, die sie traut – was gar nicht so gut sei. „Man ist dann noch aufgeregter, weil die Leute höhere Erwartungen haben. Es ist eine Herausforderung.“

Einmal half Cathleen Delph im Standesamt Güstrow aus. „Die beiden Partner waren jeweils schon einmal verheirat“, erinnert sie sich. Sie sei etwas voreingenommen gewesen, nach dem Motto „na, die kennen sich ja bereits aus“. Nach dem offiziellen Part gaben sich die beiden dann aber eine herzliche Liebeserklärung. „Da habe ich geweint und alle Vorurteile waren weg. Sie hatten sich einfach nur im zweiten Anlauf gefunden.“

An eine weitere Eheschließung muss die 27-Jährige ganz unweigerlich denken. Denn das Paar hatte sich überlegt, dass ihr Hund die Ringe bringen sollte. „Es war eine Katastrophe“, blickt sie zurück. Der Hund sei an Herrchen und Frauchen vorbeigelaufen und habe dann auch noch die Ringe unter den Schreibtisch befördert. „Hochschwanger bin ich dann unter den Tisch gekrabbelt.“ Zumindest steht fest, dass diese Trauung in Erinnerung bleibt.

Geheiratet werden kann im Amt Bützow-Land übrigens im Ratssaal des Rathauses, in der Miniaturstadt sowie im Gutshaus Moisall. Möglicherweise kann in Zukunft auch wieder im Rühner Kloster geheiratet werden. Dafür bedarf es laut Cathleen Delph aber Gesprächen mit dem neuen Pächter.

Der Erfahrung von Cathleen Delph nach sind es vor allem Paare bis etwa 40 Jahre, die größere Hochzeiten ausrichten. Ältere, die oft auch bereits gemeinsame Kinder haben, würden den kleinen Rahmen bevorzugen. Auch das schlichte Zusammenschreiben sei keine Seltenheit. Über das durchschnittliche Heiratsalter hier bei uns gibt es laut Stadtverwaltung keine Statistik.

Für den Rest des Jahres sind bislang 53 weitere Eheschließungen angemeldet, wie von der Stadt zu erfahren war. Über die Jahre gesehen sei die Anzahl bei 70 etwa gleichbleibend. Mit Ausnahme von 2015, dem Jahr des Tornados. Von einer auffallend geringeren Zahl von 42 Eheschließungen ist die Rede. „Die Stadt war verwüstet, da kamen viele gar nicht auf die Idee zu heiraten“, erklärt Cathleen Delph.

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