Bundesverdienstorden : Sie gibt sogar Hühnern Namen

Die Hunde freuen sich mindestens genauso sehr wie Nadine Gronek selbst, wenn sie die Vierbeiner besucht.
Die Hunde freuen sich mindestens genauso sehr wie Nadine Gronek selbst, wenn sie die Vierbeiner besucht.

Nadine Gronek erhält am Montag den Bundesverdienstorden für ihr Engagement im Tierschutz

svz.de von
06. März 2016, 09:00 Uhr

Der Tierschutzhof in Klein Sien bekommt in diesen Tagen mehr Aufmerksamkeit als sonst. Täglich schlagen Journalisten und Kamerateams hier auf. Die Hunde begrüßen alle Gäste gleichermaßen begeistert, genau wie Nadine Gronek, die den Hof 2003 gründete.

Am Montag wird die 37-Jährige von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt. „Ich freue mich“, sagt Nadine Gronek und kann noch gar nicht so recht glauben, dass ihr diese Anerkennung zu Teil wird. Bei der Frage, wie sie die Nachricht aufgenommen hat, muss sie lachen. „Ich habe gedacht, das wäre Werbung!“


Insgesamt mehr als 1000 Tiere gerettet


Einen Hof in dieser Größe hatte Nadine Gronek zu Beginn jedoch nicht geplant. „Ich bin damals der Liebe wegen hergezogen“, erinnert sich die 37-Jährige.

Sie habe sich bei Tierheimen beworben, „aber mich wollte keiner haben“. Deshalb habe sie eine Tierpension eröffnen wollen, in der sie Hunde betreut.

Als sie sich von ihrem Freund trennte, stand sie vor der Wahl: In Mecklenburg Vorpommern bleiben, oder zurück nach Essen gehen. Sie beschloss, die Tierpension zu eröffnen und sagt heute: „Ich habe die beste Entscheidung meines Lebens getroffen.“

In Klein Sien fand sie einen Hof, der alles bot, was nötig ist, um Tieren ein gutes Umfeld zu bieten. Doch die Hundepension nahm schnell deutlich größere Ausmaße an. „Überall brauchten Tiere Hilfe“, erzählt Nadine Gronek. So nahm sie Not leidende Pferde, in ihre Obhut, kümmert sich um Katzen und gibt Tieren ein Zuhause, die von ihren Besitzern so schlecht behandelt wurden, dass das Veterinäramt einschritt. In den vergangenen Jahren rettete sie mehr als 1000 Tiere. 2005 richtete sie hier die erste Welpenklappe des Landes ein.

„Ich helfe immer gern“, sagt Gronek und fügt an: „Ich glaube, die Ämter sind auch recht froh, dass sie mich haben.“

Um auch ungewöhnlichen Gästen wie Kängurus oder Stinktieren gerecht zu werden, besucht die gelernte Tierpflegerin regelmäßig Lehrgänge, um sich das nötige Wissen anzueignen.


Finanzen bereiten ihr Sorgen


„Im Moment habe ich wirklich Probleme“, gibt sie offen zu. Die 37-Jährige ist auf Futter-, Sach- und Geldspenden angewiesen, um den Hof am Leben zu halten. Unterstützung bekommt sie bei ihrer Arbeit von der Tierschutzorganisation „Die Tierwohltäter“. Doch in den Wintermonaten wird es eng. Dann fallen deutlich mehr Kosten an, als Geld in die Kasse kommt. Im Sommer vermiete sie Ferienwohnungen und es gebe Kinderferienlager. „Die Einnahmen kommen zu 100 Prozent dem Hof zugute.“

Von diesem Geld zehrt sie in der kalten Jahreszeit und hofft, dass die Ehrung für eine positive Entwicklung sorgt. So können Tierfreunde nicht nur spenden, sondern auch Tierpaten werden. Darüber hinaus werden die Tiere an neue Besitzer vermittelt – auch wenn der Abschied ihr dann schwer fällt. Denn hier hat jedes der mehr als 200 Tiere einen Namen – „selbst die Hühner“, sagt sie.


Kinder an Tierschutz heranführen


In Zukunft will sie noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, um Tierleid von vornherein zu verhindern. Hier setzt sie bei den Jüngsten an. „Ich finde es toll, dass wir oft von Kindern besucht werden. Das macht mir sehr viel Spaß.“




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