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Bützower Zeitung

18. Oktober 2017 | 15:13 Uhr

Rühn : Sie bewahren das alte Handwerk

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Fred Willamowski betreibt eine Stuhlflechterei und zeigte sich in Rühn. Über 4000 Besucher kamen zum Klostermarkt.

von
erstellt am 08.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Angefangen hat alles mit einem Biedermeierstuhl. Den fand Fred Willamowski in Satow im Sperrmüll. Das ist über 20 Jahre her. Heute repariert er Stühle und ist einer der wenigen Handwerker, die sich noch mit der Stuhlflechterei beschäftigen. Der Rostocker, mit einer Werkstatt in Friedrichshof am Hohen Sprenzer See, war einer von 73 Kunsthandwerkern und Händlern, die sich beim Rühner Klostermarkt am zurückliegenden Wochenende präsentierten. Rund 4100 Besucher strömten an beiden Tagen wieder auf das Klostergelände.

„Altes Handwerk gehört in alte Gemäuer“, begründet Fred Willamowski seine Teilnahme am Klostermarkt. Und noch ein zweiter Aspekt spricht für Rühn. „Hier kann ich noch mein Handwerk vorführen“, erklärt Willamowski. Und so bleiben immer wieder Besucher stehen, erklären, dass sie da mal ein Stuhl hätten und fragen, was eine Reparatur kosten würde. Willamowski geht ganz offen damit um, nennt Preise und erklärt sie auch. „Für eine Sitzfläche brauche ich je nach Größe bis zu elf Stunden“, sagt der 47-Jährige. Er verarbeitet dabei Stuhlflechtrohr aus Rattanpflanzen. Das Material kommt unter anderem aus Indonesien und Malaysia. Bei allem setzt er auf Qualität. „Ich stehe für mein Produkt“, sagt Fred Willamowski. Seit 23 Jahren. Zunächst im Nebenerwerb ist er nun seit 2008 als selbständiger Handwerker auf dem Markt.

Von der Pike auf gelernt hat Anneli Fritzsche aus Güstrow ihr Handwerk. 1962 begann sie den Beruf der Weberin in der Rehakunst in Bützow zu erlernen, war dort viele Jahre tätig. „Seit 1982 bin ich nun selbständig“, erzählt die 69-Jährige. In Rühn steht seit vielen Jahren ein rund 300 Jahre alter Webstuhl. Den hat Fritzsche mitgebracht. „Für meine Arbeiten ist er nicht mehr effektiv genug“, erklärt die Güstrowerin. Doch zum Klostermarkt in Rühn bringt sie ihn jedes Jahr immer wieder in Bewegung, zeigt Besuchern, wie das Handwerk funktioniert und was sie selbst herstellt.

Seit sechs Jahren kehrt auch Octavia Kliemt aus Hamburg im Frühjahr nach Rühn zurück. Auch sie möchte die Besucher an ihre Wurzeln zurückführen. Sie erzählt Märchen und Geschichten für Kinder ebenso für Erwachsene, aus verschiedenen Ländern der Welt. „Ich habe hier schon richtige Stammbesucher“, sagt Kliemt. Und sie sei beeindruckt, was der Klosterverein hier macht, wie es Stück für Stück schöner wird, sagt die Hamburgerin.

Die Vielfalt an Angeboten auch für die Kinder schätzt Gordon Szabo am mittelalterlichen Treiben auf dem Klostergelände. Gerade hat Töchterchen Sophie auf dem Pferd eines Kreuzritters Platz genommen. „Wir sind jedes Jahr hier, es macht immer wieder viel Spaß“, erklärt der Familienvater aus Schönwolde.

Ganz anders Kerstin Lange. Die Rostockerin ist zum ersten Mal in Rühn: „Wir sind durch Zufall hier vorbeigekommen. Es ist sehr gut und sehr interessant“, sagt Lange.

Und diese Neugier der Besucher ist es auch, die Fred Willamowski wichtig ist. Zeigen zu können, was man macht, ein lebendiger Markt. Und schon wieder erkundigt sich ein junger Mann aus Wismar: Er habe schon seit langem ein paar Stühle zu stehen, die aufgearbeitet werden müssten. „Sie sehen, es gibt immer was zu tun“, sagt Willamowski.

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