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Bützower Zeitung

20. Oktober 2017 | 07:25 Uhr

Bützow : Sensationsfund im Ellernbruch

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Originalpfeifen der Friese-Orgel der Stiftskirche aufgetaucht / Fast wären sie in der Winzer-Orgel der reformierten Kirche eingebaut worden

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Das ist eine kleine Sensation: Gestern tauchten fünf Originalpfeifen der Friese-Orgel der Bützower Stiftskirche auf. Das Besondere: Sie sollten eigentlich in der Winzer-Orgel der reformierten Kirche im Ellernbruch eingebaut werden. Doch dann stellte Orgelbaumeister Andreas Arnold fest, dass sie zur größeren Orgel in der benachbarten Stiftskirche gehören.

Pastorin Christin Oberlin von der evangelisch-reformierten Gemeinde ist ganz begeistert. Sie ahnte gar nicht, was sie da seit Dezember 2016 aufbewahrte. Denn damals gelangten die fünf Pfeifen in ihren Besitz. Dabei erfuhr sie auch, dass ein Lehrer vor über zwei Jahrzehnten seinen Schülern die Pfeifen abgenommen hatte, die damit spielten. „Er wollte sie der Kirche zurückgeben, hatte es aber vergessen“, so Christin Oberlin. Kurz vor seinem Tod beauftragte er seine Tochter, die Orgelpfeifen der reformierten Kirche zu übergeben.

„Es war schon ein kleines Weihnachtsgeschenk“, sagt die Pastorin. Denn kurz vorher war die Winzer-Orgel umfangreich restauriert und im April 2016 mit einem festlichen Gottesdienst wieder in Betrieb genommen worden. In der Wendezeit hatten Unbekannte die 1862 gebaute Orgel mutwillig zerstört. Schon damals seien einige der Originalpfeifen gar nicht mehr vorhanden gewesen. „Im Ersten Weltkrieg wurden Pfeifen für Munition eingeschmolzen“, sagt Arnold. Daher sei das Auftauchen der Pfeifen nach so vielen Jahren ein Glücksfall.

Der Orgelbaumeister war gestern nach Bützow gekommen, um der Winzer-Orgel eine Prüfung zu unterziehen. Das passiert einmal jährlich, um das Klangbild der Königin der Instrumente zu kontrollieren. „Es gibt drei Faktoren, die zu Problemen führen können: starke Verschmutzung durch von der Decke fallenden Putz oder tote Fliegen, durch Holzwürmer oder Marderbisse oder unzureichende Pflege“, sagt Andreas Arnold.

Ein Jahr nach dem Einbau scheppert das Instrument beim Anspielen. Arnold betritt die Orgel. „Eine der Pfeifen könnte locker sitzen“, erklärt er. Bei rund 400 Einzelstücken aufgeteilt in sechs Reihen eine Spurensuche. Trotzdem findet er die lockere Pfeife und zieht sie fest.

Neben der Funktionsprüfung wird die Orgel auch gestimmt. Dafür hat der Baumeister sogenannte Stimmhörner, die auf die Pfeifen gesetzt werden. Durch sanftes Zusammendrücken oder Ausweiten der Oberkante verändert sich die Tonhöhe. „Allerdings minimal. Als Beispiel: Der Ton A1 liegt bei einer Orgelpfeife bei 440 Hertz. Das Stimmen verändert etwa ein bis eineinhalb Hertz“, erklärt Arnold.

Am Ende stimmt wieder das gesamte Klangbild. Was der Experte aber nicht realisierte: Den geplanten Einbau der fünf Originalpfeifen. Denn die passten gar nicht in die dafür vorgesehenen Öffnungen. „Die Bauform hat nicht gestimmt. Und durch Vergleiche mit anderen Bauarten konnte ich sie der Friese-Orgel der Stiftskirche zuordnen“, sagt Arnold. Dort werden sie nun vermutlich wieder ihren Platz finden. Das Spannende: Die Friese-Orgel ist gerade komplett auseinandergebaut, soll im September umfassend gereinigt werden. Sie stammt übrigens aus dem Jahr 1877, ist somit ein wenig jünger als die Winzer-Orgel.

Pastorin Christin Oberlin trägt die überraschende Wendung mit Fassung: „Ich freue mich für die andere Orgel.“

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