Dendrochronologie : Sensation in der Stiftskirche

Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass der Altarprospekt der Bützower Stiftskirche aus dem Jahr 1520 stammt und damit der älteste aus ganz MV ist. Außerdem fand Restaurator Heiko Brander (l.) viele goldene Farbelemente im Prospekt. Diese hält er skizzenartig fest. Pastorin Johanna Levetzow ist begeistert.  Fotos: Christian Jäger
1 von 2
Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass der Altarprospekt der Bützower Stiftskirche aus dem Jahr 1520 stammt und damit der älteste aus ganz MV ist. Außerdem fand Restaurator Heiko Brander (l.) viele goldene Farbelemente im Prospekt. Diese hält er skizzenartig fest. Pastorin Johanna Levetzow ist begeistert. Fotos: Christian Jäger

Untersuchungen haben ergeben: Bützow hat den ältesten Orgelprospekt Mecklenburg-Vorpommerns

svz.de von
29. September 2017, 05:00 Uhr

Sensation in der Bützower Stiftskirche: Dendrochronologische Untersuchungen von Dr. Tilo Schöfbeck haben ergeben, dass der Orgelprospekt der Friese-Orgel aus dem Jahr 1520 stammt. Damit ist der Prospekt der älteste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der das Holz untersucht wird. Anhand der Jahresringe können Häuser, Kirchen oder eben auch Prospekte genau datiert werden. Alle Zahlen von vorher schwankten und waren nicht abschließend gesichert. Doch nun steht das Alter des Prospekts fest.

Mittlerweile wurde die Orgel gründlich gereinigt. Mehr als 2000 Pfeifen wurden dafür ausgebaut und gesäubert, genau wie die Register und das Innenleben der Orgel. „Seit knapp zwei Wochen wird alles wieder zusammengesetzt und kleine, technische Korrekturen vorgenommen“, sagt Friedemann Schwarzenberg von der Orgelbaufirma Wegscheider aus Dresden, die mit den Arbeiten betraut ist.

Friedemann Schwarzenberg war bereits vor 20 Jahren mit derselben Orgel beschäftigt. Von 1997 bis 1999 wurden in der Stiftskirche ebenfalls Restaurierungsarbeiten an der Orgel durchgeführt. Das Ergebnis: Der Dresdner kennt die Friese-Orgel wie seine eigene Westentasche. „Jede Orgel ist individuell“, sagt er. Es gebe Besonderheiten, die immer einmalig sind. Und diese präge man sich ein. „Ich kenne jeden Winkel einer solchen Orgel.“

Ab Mitte Oktober kommen die Orgelbauer wieder, um sich an die Klang-Arbeiten zu machen. In Fachkreisen heißt das: Nachintonieren. Auseinandergenommen wurde die Orgel im Zuge vieler Arbeiten (SVZ berichtete). Und die Reinigung der Orgel wurde zum einen aufgrund des angefallenen Drecks nötig, zum anderen aber auch aufgrund der Verdreckungen im Zuge des Tornados von 2015. In diesem Zusammenhang seien auch gleich die Untersuchungen in Auftrag gegeben worden, so Architekt Hartmut Böhnke, der seit Jahren mit den Arbeiten an und in der Stiftskirche betraut ist. Während der Untersuchungen tauchten viele unbekannte Farbgebungen am Prospekt, also der sichtbaren Fassade der Orgel, auf. Er sei überrascht gewesen, wie viel Gold auftauchte, sagte Restaurator Heiko Brandner.

Nicht nur an der Orgel wird gewerkelt. Restauriert werden soll außerdem ein Untersatz eines Altars aus dem Jahr 1503. „Predella“ lautet der Fachbegriff dafür, erklärt Pastorin Johanna Levetzow. Der Altaruntersatz aus vorreformatorischer Zeit trägt einen Bilderzyklus auf der Front, der die Passionsgeschichte Jesu aufzeigt. Die Bemalungen sind sehr filigran ausgeführt. „Die Gesichter sprechen richtig“, so Johanna Levetzow. Umso ärgerlicher, dass es einige mutwillige Beschädigungen gibt. Einige Augen wurden beispielsweise zerkratzt. Aber auch die Aufbewahrung dieses Relikts verlief nicht fachgerecht. Der Untersatz habe stiefmütterlich in der Ecke gestanden, so die Pastorin. Das soll sich nun ändern. Wenn die Baugerüste aus der Kirche verschwunden sind, soll die „Predella“ einen würdevollen Platz erhalten. „Sie ist so schön, dass sie es verdient, gesehen und in Szene gesetzt zu werden“, so Johanna Levetzow. Dafür werde nun ein Raumkonzept für die Stiftskirche erarbeitet. Auch eine Informationstafel zum wertvollen Stück ist angedacht.

Viel Arbeit ist in der Stiftskirche noch zu verrichten. Noch stehen auch die Baugerüste im Inneren. Diese sind übrigens das teuerste an den gesamten Bemalungsarbeiten. „Die Gerüste kosten fast dreimal so viel wie die Ausmalungen selbst“, so Hartmut Böhnke.

Die gute Nachricht lautet, dass die Stiftskirche nun endlich dicht ist. Mit den letzten Fenstern wurde die Hülle nun geschlossen. Die schlechte Nachricht ist, dass die Ausmalungsarbeiten noch nicht beendet sind. Denn die unteren Bereiche der Gemäuer, etwa drei Meter hoch, werden erst noch in Angriff genommen. Und die schlechte Nachricht in der schlechten Nachricht ist, dass das sehr aufwändig wird.

Denn laut Böhnke steckt insbesondere in den unteren Mauerbereichen viel Salz. Würde einfach Farbe aufgetragen werden, würde sie sich verfärben und bröckeln. „Wir müssen ein Farbsystem finden, das dem standhält“, so der Architekt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen