Bützow : Sehnsucht nach Ruhe

Nur selten sind Wartezimmer von Ärzten in diesen Tagen  menschenleer.
Nur selten sind Wartezimmer von Ärzten in diesen Tagen menschenleer.

Im Wartezimmer einer Arztpraxis kreisen die Gedanken um viele Themen

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04. März 2019, 21:31 Uhr

Es ist kurz nach 8 Uhr. Es hilft alles nichts. Ich muss mich einreihen in die Schlange der Wartenden. Dabei ist der Ausdruck eigentlich fehl am Platze, in die Reihe der Sitzenden muss es korrekt heißen. Denn ich habe Glück, es ist noch ein Platz im Wartezimmer frei. Wieder ereilt mich eine Hitzewelle. Kurze Zeit später läuft es mir kalt den Rücken herunter. Die Grippe hat mich fest im Griff. Ich versuche, den aufkommenden Hustenreiz zu unterdrücken. Falsche Entscheidung. Die Hustenattacke kommt unweigerlich. Mein Griff geht in die Hosentasche zum sauberen Taschentuch. Ich muss ja die Bazillen nicht noch im Warteraum verteilen. Ich schließe die Augen, versuche ganz ruhig zu atmen. Wie machen das eigentlich die Ärzte? Ob die auch krank werden, bei so vielen Patienten, die ihnen jeden Tag unter die „Hände kommen“. Die impfen sich sicherlich. Hätte ich vielleicht auch mal versuchen sollen.

Meine Gedanken werden unterbrochen. Ein Mann muss unbedingt seine Nachbarn mit seinen Weisheiten beglücken. Und das in einer Lautstärke, die aus meiner Sicht in einem Wartezimmer eines Arztes unangebracht ist. Das geht minutenlang so. „Kann der nicht einfach die Klappe halten?“, denke ich, denn die nächste Hustenattacke kündigt sich an. Ich halte mein Taschentuch schon vorsichtshalber in der Hand. Vom Eingang kommt immer wieder ein kalter Windzug herüber. Die einen Patienten gehen, neue kommen. Ein Telefon klingelt. Die Zahl der Wartenden nimmt nicht ab. Ich öffne kurz die Augen, schaue auf die Uhr. Was, erst zehn Minuten vergangen? Es wird noch ein langer Vormittag. Ich schließe wieder die Augen, möchte einfach nur zur Ruhe kommen und später wieder auf die Couch. Doch da hat der „laute“ Mann schon wieder ein neues Thema beim Wickel ...

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