Kreisverwaltung : Schwerer Abschied nach 24 Jahren

Rainer Boldt begann am 1. Februar 1992 beim Kreis Bützow, war im Landkreis Güstrow 1. Stellvertreter des Landrates und später im Landkreis Rostock 2. Stellvertreter.
Rainer Boldt begann am 1. Februar 1992 beim Kreis Bützow, war im Landkreis Güstrow 1. Stellvertreter des Landrates und später im Landkreis Rostock 2. Stellvertreter.

Nach 24 Jahren endet am 31. Januar die Amtszeit von Dezernent Rainer Boldt

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28. Januar 2016, 08:00 Uhr

Generationswechsel in der Kreisverwaltung. Nach Lutz da Cunha geht nun auch Dezernent Dr. Rainer Boldt (SPD) in den Ruhestand. Am 31. Januar endet seine Amtszeit als Wahlbeamter. Genau 24 Jahre arbeitete er in den Verwaltungen des Kreises Bützow, des Landkreises Güstrow und des Landkreises Rostock. Auf die Frage, ob ihm ab Montag etwas fehlen wird, antwortet der 63-Jährige spontan: „Mit Sicherheit. Es fällt mir schwer hier loszulassen.“ Begonnen hatte er als Umweltamtsleiter in Bützow. Fast alle Bereiche der Verwaltung waren über die Jahre in seinem Verantwortungsbereich, ausgenommen nur die Kommunalaufsicht und die Bauaufsichtsbehörde. SVZ-Redakteurin Regina Mai sprach mit dem scheidenden 2. Stellvertreter des Landrates.
Herr Boldt, lassen Sie es ruhig ausklingen?
Boldt: Der Kalender ist noch gut gefüllt. Ich mache Dienst bis zum letzten Tag, auch wenn ich natürlich schon dabei bin Akten zu archivieren.
Was ist noch dringend zu erledigen?
Ich habe noch drei Richtlinien auf dem Tisch. Einmal geht es um die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes, dann um Änderungen bei den angemessenen Kosten der Unterkunft und Heizung für Sozialleistungsempfänger und um eine Bestattungsrichtlinie, die überarbeitet wird. Sind Angehörige finanziell überfordert, unterstützt der Landkreis unter bestimmten Bedingungen. Diese Richtlinien möchte ich meiner Nachfolgerin nicht als erstes auf dem Tisch zumuten.
Wie war ihr Start vor 24 Jahren?
Ich bin von der Ausbildung her Lehrer und war elf Jahre an der Pädagogischen Hochschule Güstrow wissenschaftlicher Mitarbeiter. Viele Kollegen sind damals zur Uni Rostock gegangen. Der Kreis Bützow suchte einen Umweltamtsleiter. Ich habe in Bützow gewohnt und mich beworben. Sicher hatte ich mal andere Vorstellungen von meiner beruflichen Zukunft. Im Nachhinein betrachtet, habe ich richtig entschieden.
Fast ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit. Gab es da nicht doch Überlegungen etwas anderes zu machen?
Vor der Wahl 1994 stand ich als Umweltminister im Schattenkabinett von Harald Ringstorff. Am Ende wurde es eine schwarz-rote Koalition. Meine Partei, die SPD, konnte ergo nicht alle Ministerposten besetzen. Aber es war eine intensive Zeit. Die Kontakte von damals waren über viele Jahre hilfreich. Ansonsten ist es so, dass ich als Wahlbeamter nach sieben Jahren auch hätte nicht wieder gewählt werden müssen. Einen Plan B für den Fall hatte ich allerdings nie.
Welche Erfolge in der Entwicklung des Landkreises schreiben Sie sich auf Ihre Fahne?
Ich denke wir haben im Bereich der Schulen viel erreicht. Das Berufsschulzentrum in Güstrow, das Brinckmangymnasium mit der Domschule, die Gehörlosenschule, die Anne-Frank-Schule usw. sind saniert und gut ausgestattet. Wichtig waren auch die Entscheidungen zur Finanzierung der Feuerwehren im Kreis. In den 1990er-Jahren war die Abfallwirtschaft ein Spitzenthema, das wir dann in Güstrow gut geregelt hatten. Auch bei der Abwasserentsorgung und im Naturschutz haben wir viel erreicht. Ich denke da zum Beispiel an unsere drei Naturparke. Ja, und heute hat der Landkreis Rostock einen soliden Haushalt und eine niedrige Kreisumlage. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft.
Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Amtszeit, in der Sie zuletzt auch für die Unterbringung von Flüchtlingen Sorge trugen?
Zuletzt habe ich etwa 70 bis 80 Prozent meiner Arbeitszeit für die Flüchtlingsproblematik aufgewendet. Im November haben wir den Fachdienst Integration und Unterbringung von Flüchtlingen ins Leben gerufen und so die Situation einigermaßen beruhigt. Es ist eine große Herausforderung und ich kann nur hoffen, dass es gelingt, diese Menschen in die Gemeinschaft zu integrieren, aber es schwingt noch viel Unsicherheit mit – auch bei mir persönlich.

Eine noch größere Herausforderung für mich als Sozialdezernent war die Umsetzung der Hartz-IV-Reform 2004. Das ganze System der sozialen Sicherung wurde umgestrickt und das war politisch hochgradig umstritten. Daten aus verschiedenen Systemen mussten zusammengeführt werden. Immer wieder gab es Änderungen, die sich aus den Verhandlungen eines Vermittlungsausschusses Bundestag/Bundesrat ergaben. Niemand wusste wie viele Personen Anspruch auf diese Leistungen haben, weil ja das private Vermögen mit herangezogen wurde. Erst im Oktober/November wurde klar, dass wir über das Jobcenter Leistungsträger für 20 000 Menschen sind. Erst war man von rund 11 000 ausgegangen. Es musste sichergestellt werden, dass Anfang Januar die Leute ihr Geld bekommen. Sonst hätten sie vor dem Kreishaus gestanden – nicht mit Blumen. In dem Jahr hatte ich nur zehn Tage Urlaub.
An freier Zeit dürfte es künftig nicht mangeln. Was fangen Sie damit an?
Ich hatte bisher nicht wirklich Muße und Lust darüber nachzudenken. Erst einmal hat meine Frau – Lehrerin – Ferien, die wir mit den Enkelkindern verbringen wollen. Ich bin ehrenamtlich im Naturschutzbund und im Förderverein der Stiftskirche Bützow und natürlich Mitglied der SPD. Viele haben schon gefragt, ob ich im Ruhestand nicht dieses oder jenes machen könnte. Mal sehen. Nur Seniorenbeirat kommt für mich noch nicht infrage. Ich werde mehr Zeit fürs Fotografieren und Radtouren haben.

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