Schwaan : Schwaaner züchten seit 100 Jahren

52 Tiere zählt Reinhold Schröder zu seinem Bestand. Als Vereinsmitglied des M33 Schwaan züchtet er Rote Neuseeländer (von links) und Lohkaninchen.
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52 Tiere zählt Reinhold Schröder zu seinem Bestand. Als Vereinsmitglied des M33 Schwaan züchtet er Rote Neuseeländer (von links) und Lohkaninchen.

Rassekaninchenzuchtverein M33 Schwaan feiert Jubiläumsjahr / Politische Lage der Vergangenheit bestimmte das Vereinsleben

svz.de von
15. August 2016, 09:00 Uhr

Freunde der Langohren haben Grund zum Feiern: Seit 1916 besteht der Rassekaninchenzuchtverein M33 Schwaan. Die Mitglieder widmen das komplette Jahr ihrem Jubiläum. Nach der internen Feier möchten die Zuchtfreunde nun auch mit der Öffentlichkeit ihr Bestehen angehen. Am Sonnabend können Besucher des Brückenfestes in der Warnowstadt ihre Fragen am Vereinsstand loswerden und die Zuchttiere bestaunen.

„Der Name M33 Schwaan leitet sich von unserer Anmeldung im Zentralverband Mecklenburg für Kaninchenzuchtvereine ab. Wir sind der 33. Verein, der dort Mitglied wurde“, erzählt Reinhold Schröder, stellvertretender Vorsitzende des Vereins. Der Startschuss des M33 fällt mitten in den Ersten Weltkrieg. „Die Schwaaner hungerten. Doch sie wollten kein Kaninchenfleisch essen. Postoberassistent Brockmann wollte das ändern“, berichtet Schröder. Mit insgesamt 18 Mitgliedern verfolgte der Gründer den Plan, Kaninchenfleisch als eine Köstlichkeit bekannt zu machen. Die Idee ging auf: „Am 19. November 1916 wurde in Schwaan ein Kaninchenbratenessen veranstaltet. Zahlreiche Schwaaner Herren ließen sich den Braten schmecken. Seitdem war Kaninchen eine Delikatesse im Ort“, sagt Schröder. Von da an galt es, Kaninchen zu züchten, um die Bevölkerung satt zu bekommen. Um viel Fleisch zur Verfügung zu stellen, wurden vor allem große Rassen gezüchtet wie etwa Deutsche Riesengrau oder Blaue Wiener.


Erste Rasseschau mit 175 Tieren


Die politischen Verhältnisse sollten auch in den nächsten Jahren das Bestehen des Vereins beeinflussen. Die Wirren des Ersten Weltkrieges gemeistert kam die Zucht zu Zeiten der Nationalsozialisten zum Erliegen. „Nach 1945 ist im Verein alles neu entstanden. Doch es war schwer für die Züchter, da kaum gutes Zuchtmaterial vorhanden war“, erzählt der Schwaaner. Mit den 1950er-Jahren bekam der M33 wieder Aufschwung. Für diese Jahre sei erstmals dokumentiert, dass die Mitglieder eine Rassekaninchenschau in Schwaan mit 175 Tieren veranstalteten, so Schröder.

Waren die Vereine zu DDR-Zeiten zunächst dazu angehalten, mit möglichst viel Fleisch aufwarten zu können, änderte sich das Verständnis für die Zucht in den 1980er-Jahren. Nun hieß es, neben der Quantität nicht die Qualität zu vergessen, so der stellvertretende Vorsitzende. Wie in so vielen Bereichen bedeutete die Wiedervereinigung auch für den Zuchtverein, sich neu zu orientieren. Doch auch diese Herausforderung meisterten die Mitglieder.

Aktuell gäbe es 21 Mitstreiter mit mehr als 600 Tieren – aber es dürfen noch mehr werden, sagt Schröder. „Vor allem Jugendliche sind uns willkommen, wobei wir bei Eintritt auf die Unterstützung der Eltern hoffen.“


Jugendliche sind im Verein willkommen


Zwar können sich Mädchen und Jungen schnell für die Tiere begeistern, doch in der Regel flache diese Hochstimmung irgendwann ab. „Die Kinder haben mit der Schule viel zu tun oder ziehen wegen der Ausbildung weg. Doch die Tiere müssen ja weiter gepflegt werden“, erklärt Schröder. Aus diesem Grund wünscht sich der Schwaaner, dass die Familie in solchen Fällen einspringe. „Wir Mitglieder machen das genauso. Wenn mal einer im Urlaub ist, kümmern sich Familien- oder Vereinsmitglieder um die Tiere des anderen.“ Wer sich dem M33 anschließen möchte, für den sollte vor allem die Liebe zu den Tieren im Mittelpunkt stehen.

Schröder selbst betreibt seit 1960 seine Kaninchenzucht. „Ich bin mit den Tieren aufgewachsen. Ich hatte mal drei verschiedene Rassen, nun habe ich mich aber auf die Roten Neuseeländer und Lohkaninchen beschränkt.“ Ein Züchter müsse bei seiner Arbeit stets auf die Merkmale einer Rasse achten. Bei den Neuseeländern sei zum Beispiel wichtig, dass die Ohren eng anliegen, der Körperbau durchgehend eine gleiche Breite hat und die Krallen die Farbe Schwarz aufweisen. Tiere mit Fehlern würden wie in den Anfangsjahren des Vereins geschlachtet. Doch vorrangig gelte es, die Kaninchen auf Ausstellungen zu präsentieren. „Der beste Lohn eines Züchters ist, eine hohe Bewertung für seine Tiere zu bekommen“, sagt Schröder.

Der Schwaaner hält insgesamt 52 Tiere auf seinem Grundstück. Die Ställe baute er selbst. „Drum herum hängen überall Spinnenweben. Das sieht nicht schön aus, aber das muss so sein. Spinnen halten die Mücken ab, die wiederum Krankheiten auf die Kaninchen übertragen“, erklärt Schröder. Und kranke Tiere kann er zurzeit nicht gebrauchen. Mit seinen Zuchtkaninchen möchte er beim Brückenfest den Pokal des Bürgermeisters für die beste Zuchtsammlung mit nach Hause nehmen. Drei große Kelche stehen bei dem Schwaaner schon in der Garage. „Ich habe zwischendurch mal ausgesetzt, um den anderen Mitgliedern auch eine Chance zu lassen“, sagt er und lacht.

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