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Bützower Zeitung

23. Oktober 2017 | 00:44 Uhr

Bützow : Schwaaner Mutter sauer auf die Bahn

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Einziger Ausweg ist verboten / Jetzt droht Anzeige

von
erstellt am 19.Jun.2014 | 16:35 Uhr

Es war ein Montag, den Mareen Henning am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Denn die beiden Kinder  waren krank, mussten zum Arzt und dann noch der Ärger  mit der Bahn. „Ich musste mit Massimiliana und Magnus zum Arzt, beide hatten Fieber. Unser Kinderarzt ist aber nicht in Schwaan, sondern in Bützow“, erzählt die junge Mutter. Bislang war das auch nie ein Problem. „Ich bin mit dem Bus hingefahren. Zurück wollte ich das auch wieder, doch der Busfahrer meinte, dass für einen Kinderwagen kein Platz sei“, erzählt Mareen Henning. Und deshalb hat sie sich für die Bahn entschieden, denn die zwei- und eineinhalbjährigen Kinder waren  quengelig und auch sie wollte nach Hause – die Uhr war mittlerweile halb zwölf. „Doch auf dem Bahnhof war mir dann das Problem schnell klar. Ich komme mit dem Zwillingswagen nicht die Treppen hinunter“, erklärt sie.

Denn bepackt habe der knapp 50 Kilo. Das schaffe sie nicht einmal, wenn sie nicht schwanger wäre, ergänzt sie. Und so suchte sie nach einem Ausweg, um auf das Gleis zwei, auf der anderen Seite der Schienen zu kommen, denn über die Treppen durch die Unterführung war es ja nicht möglich. „Am Ende des Bahnsteigs gibt es einen Übergang. Ich weiß, dass man dort allein nicht einfach lang darf. Aber was sollte ich denn machen? Noch ein paar Stunden auf dem Bahnhof verbringen, bis sich jemand erbarmt und mir den Kinderwagen auf die andere Seite trägt?“, sagt sie wütend.

Denn Hilfe wurde der Schwangeren von anderen Bahnreisenden nicht angeboten. Ganz im Gegenteil: „Ich wurde dann von einem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma gestoppt und er erklärte mir, dass ich einen schweren Eingriff in den Bahnverkehr gemacht hätte“, erzählt sie immer noch sichtlich empört. Denn Mareen Hennings sei nicht blindlings über die Bahnschienen gegangen. „Ich habe mich mehrfach versichert, dass kein Zug kommt. „Doch das wollte der Sicherheitsmann nicht hören.“ Nun droht der Schwaanerin eine Anzeige. Ihre Personalien wurden aufgenommen und an die Bundespolizei weitergeleitet.

Hilfe 24 Stunden

vorher anmelden„Ich bin wirklich sauer, denn ich hatte doch gar keine andere Wahl. Ich kann den mobilen Bahnservice anrufen. Gut und schön. Aber ich wusste doch nicht 24 Stunden vorher, dass ich mit diesem Zug fahren muss“, sagt sie wütend. Welche Strafe sie nun bekommt, weiß sie nicht. „Das konnte der Mann mir auch nicht sagen. Er konnte mir ja auch nicht mit dem Kinderwagen helfen. Das ist doch ein Unding!“

Die Bahn erklärt dazu wie schon in vergleichbaren Fällen vorher: „Es ist richtig, dass die Bahnsteige im Bahnhof Bützow nur über den Tunnel und die Treppenanlage zu erreichen sind. Wenn eine Mobilitätshilfe gewünscht wird, muss dies 24 Stunden vorher angezeigt werden. Dann hilft ein Bahn-Mitarbeiter beim Übergang.“ Eine kurzfristige Anmeldung sei aus logistischen Gründen nicht möglich.

Das eigenständige und damit „unbefugte“ Überqueren der Gleise sei lebensgefährlich, „da die Züge mit voller Geschwindigkeit durchfahren. Langfristig ist ein barrierefreier Ausbau des Bahnhofs Bützow vorgesehen. Es gibt jedoch noch keine konkreten Planungen.

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