Bützow : Schüler drucken auf altmodisch

Bernd Schlawer präsentiert die von Josefin Joland selbstgedruckte Seite mit einem Psalm.  Fotos: Tore Degenkolbe
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Bernd Schlawer präsentiert die von Josefin Joland selbstgedruckte Seite mit einem Psalm. Fotos: Tore Degenkolbe

Schüler lernen, wie der Buchdruck früher war – und probieren es selbst aus

svz.de von
04. Mai 2017, 12:00 Uhr

Wie wurde eigentlich vor der Zeit von Smartphones, Computern und E-Paper gelesen? Die Grundschule am Schlossplatz in Bützow widmet sich dieser Frage mit einem Projekt zum Thema Buchdruck. Dafür hat Religionslehrerin Kerstin Ballhöfer am gestrigen Schultag Bernd Schlawer mit seiner mittelalterlichen Buchdruckpresse – ein 18 Jahre alter Nachbau einer Gutenbergpresse – an die Schule geladen. Vor sechs verschiedenen Klassen hält er, in der Verkleidung eines mittelalterlichen Buchdruckers, einen Vortrag.

„Die Erklärungen und Vorführungen zum Buchdruck sollen den Kindern ein Verständnis für den Aufwand vermitteln, den die Leute damals hatten, wenn sie lesen wollten. Aber sie sollen auch ihr eigenes Interesse an dem gedruckten Buch fördern“, sagt Schulleiterin Silke Beuster. Außerdem ist das Projekt fächerübergreifend. Es bezieht sowohl den Deutsch-, Religions-, und Ersatzunterricht mit ein. „Hier geht es nicht nur um Religion und den Bibeldruck, sondern auch um Allgemeinbildung“, sagt Silke Beuster. Auch Kerstin Ballhöfer ist überzeugt: „Die Vorführung ist für alle Schüler interessant. Sie verbindet Religion und Geschichte mit Stoff zum Anfassen und Mitmachen.“

Bei dem eine Schulstunde umfassenden Vortrag geht es vornehmlich um die Entstehung des Buchdrucks. Schlawer zeigt den Kindern verschiedene Sorten Papier und stellt Fragen, wer denn zum Beispiel die Bücher in den Klöstern immer abgeschrieben habe und in welcher Schrift die ersten Bibel gedruckt wurden. „Die Bützower Schüler sind wirklich aufgeweckt. Sie wussten bereits sehr viel zum Thema Buchdruck und seiner Entstehung“, sagt Schlawer. Als das Thema dann auf Martin Luther und die Bibel fällt, wird es sogar etwas philosophisch. „Gibt es Gott?“, fragen die Kinder.

Nach den Erklärungen und Fragen dürfen die Schüler dann selbst Hand an die Buchpresse legen. Zusammen mit Schlawer bedrucken sie ein Blatt mit einem Psalm. „Das dürfen sie dann als Erinnerung an den Tag behalten“, sagt Schlawer. Daneben stöbern die Schüler in der großen Sammlung, die Schlawer mitgebracht hat. Federkiele, altes Papyrus, Bücher in Blindenschrift und Bibeln in verschiedenster Übersetzung werden von den Kindern bestaunt. Auch das riesige Replikat einer Lutherbibel löst Begeisterung bei den Kindern aus – das Buch wird nämlich mit zwei Spangen zusammengehalten, die durch einen kräftigen Schlag auf den Buchdecken gelöst werden.

„Der Unterricht ist richtig gut“, resümiert Nele Paulin Witteck aus der 2a. „Besonders gut gefallen hat mir, dass wir selbst drucken durften. Und die Erklärungen zu Luther und der Bibel waren schön.“

Schlawer selbst kennt diese Art des Unterrichtes und weiß, was bei den Kindern ankommt. „Ich bin seit 26 Jahren unterwegs. Und ich bin immer wieder begeistert, wenn die Kinder ihre Fragen stellen und sich an den Vorführungen beteiligen“, so Schlawer. Der ehemalige Architekt stammt aus Eschede nahe Celle in Niedersachsen, besucht für die kostenlosen Vorführungen seiner Gutenbergpresse aber regelmäßig Schulen in Deutschland.

Für den Vortrag hat sich Religionslehrerin Kerstin Ballhöfer aus zwei Gründen entschieden. „Einerseits hatten wir gerade den Tag des Buches und andererseits ist dieses Jahr das Lutherjahr – 500 Jahre Luther. Das konnten wir hier gut miteinander verbinden.“ Solche Projekte findet sie generell gut. „Da lernen die Kinder gerne.“

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