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Brandkatastrophe : Schloss Charlottenthal zerstört

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Großfeuer vernichtet Wahrzeichen des Dorfes / Inhaber und Gemeinde unter Schock

von
erstellt am 11.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Das Schloss Charlottenthal gibt es nicht mehr. Die Inhaber Eneida und Günther Wolgien, die hier ein bekanntes brasilianisches Restaurant betrieben, stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. In der Nacht zu Montag wurde das Wahrzeichen Charlottenthals ein Raub der Flammen. Wie bei einer Filmkulisse steht nur noch die Gebäudehülle. „Ein totaler Verlust. Man kann nur noch heulen“, kämpft Jörg Oppitz, der für den Heimatverein Charlottenthal in der Krakower Stadtvertretung sitzt, beim Anblick der Brandruine mit den Tränen. Und Krakows Wehrführer Remo Schmecht, der selbst oft zu Gast im Restaurant der Wolgiens war, kann nur noch feststellen: „Das Gebäude ist verloren.“ Eneida und Günther Wolgien selbst, die im Obergeschoss wohnten, konnten sich Montagnacht gegen 1.30 Uhr noch unverletzt aus dem brennendem Schloss retten. Doch beide stehen unter Schock.

Der Schock über diesen Totalverlust sitzt im ganzen Dorf tief. „Eine Katastrophe“, sagt Dirk Grösche, unmittelbarer Nachbar der Wolgiens. Grösche war elfeinhalb Jahre Bürgermeister Charlottenthals, bis zur Eingemeindung in Krakow am See. „Eneida Wolgien klingelte in der Nacht Sturm bei uns. Ich habe dann sofort Alarm geschlagen“, erzählt er. Als Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Charlottenthal versuchte auch Grösche das Wahrzeichen des Dorfes zu retten – doch es war bereits zu spät.

„Das Feuer breitete sich unheimlich schnell über das gesamte Dachgeschoss aus“, erklärt Einsatzleiter Remo Schmecht. Schon als er in der Nacht am Brandort eintraf, sah er gleich: „Hier ist nichts mehr zu machen. Es ging nur noch darum, die angrenzenden Gebäudeteile zu schützen.“ Das Innere des Schlosses bestand größtenteils aus Holz. „Holz und Dachpappe – das brennt wie Zunder“, so Schmecht. Als er die Ausmaße des Feuers erkannte, löste Schmecht sofort Alarmstufe „Feuer groß“ aus und forderte drei weitere Drehleitern an. „Ein Innenangriff war nicht mehr möglich, alles brannte lichterloh, die Decken stürzten ein.“ Insgesamt waren zwölf Feuerwehren mit 90 Kameraden bis in den Vormittag mit der Brandbekämpfung beschäftigt.

Laut Krakows Wehrführer Schmecht sei das Feuer im 1. Obergeschoss auf der rechten Seite des Schlosses ausgebrochen. Ob es sich um Brandstiftung handelt ist noch völlig unklar. Die Brandursachenermittler der Polizei kamen am Mittag nach Abschluss der Restlöscharbeiten zum Einsatz. „Noch ist die Ursache unbekannt“, so gestern Polizeisprecher Gert Frahm. Der Schaden wird derweil ungenau auf mehrere Hunderttausend Euro beziffert.


Auch Sarro-Gemälde Opfer der Flammen


Doch der ideelle und emotionale Schaden ist mindestens genau so groß. Bei dem Großbrand wurden auch Gemälde des berühmten brasilianischen Künstlers Adelio Sarro zerstört. Er ist ein Freund der Wolgiens und stellte einige seiner Bilder im Schloss aus. „Günther Wolgien lief immer wieder ins brennende Schloss, um die Bilder zu retten, bis wir ihn davon abhielten. Der Großteil der Bilder ist verloren“, sagt Jörg Oppitz. Wolgiens, Brasilianer mit deutschen Wurzeln, hatten ihr ganzes Herzblut in das Schloss und Restaurant gesteckt, es über die Jahre Stück für Stück saniert – in Eigenarbeit sowie mit Eigenmitteln und Spenden. Das Schloss wurde 1843 als neoklassizistisches Gutshaus im Stile der Tudorgotik errichtet. Nach der Wende stand es viele Jahre leer, bis es die Wolgiens 1998 von der Gemeinde kauften. 2005 eröffneten sie hier ihr brasilianisches Restaurant und erweiterten es ständig.

Eneida und Günther Wolgien standen gestern noch so unter Schock, dass sie zu einem Kommentar nicht in der Laage waren. In der Brandnacht kamen sie zuerst ins Krankenhaus und sind jetzt bei Bekannten in Rostock untergekommen. „Wolgiens sind hier im Dorf fest integriert . Es ist sehr harmonisch mit ihnen. Gemeinsam haben wir viele Feste organisiert“, schildert Jörg Oppitz. „Charlottenthal ist stolz darauf gewesen, was die Wolgiens hier geleistet haben.“ Und Dirk Grösche ergänzt: „Wir überlegen jetzt, wie Charlottenthal den Wolgiens helfen kann. Sie haben alles verloren.“  

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