SChwaan/Bützow : Schleuse in Rostock bewegt Region

Die Mühlendammschleuse in Rostock verbindet Unter- und Oberwarnow miteinander. Seit 2011 ist sie außer Betrieb. Jetzt soll sie zurückgebaut werden. Doch es regt sich Widerstand in Rostock, aber auch in Gemeinden entlang der Warnow.
Die Mühlendammschleuse in Rostock verbindet Unter- und Oberwarnow miteinander. Seit 2011 ist sie außer Betrieb. Jetzt soll sie zurückgebaut werden. Doch es regt sich Widerstand in Rostock, aber auch in Gemeinden entlang der Warnow.

Bützower Hartmut Böhnke Gründungsmitglied des Vereins Mühlendammschleuse / Ziel: Historischen Bauwerk wieder aktivieren

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03. November 2015, 10:00 Uhr

Sanfter Wassertourismus von Bützow über Schwaan bis nach Rostock. Diese Vision hatte seit Mitte der 1990er-Jahre Schwaans ehemaliger Bürgermeister Peter Faix ganz oben auf seinem Plan. „Ich möchte das Schiff noch fahren sehen“, hatte Faix einmal gesagt. Seit nunmehr drei Jahren gibt es einen Teilerfolg. Zwischen Bützow und Schwaan fährt in den Sommermonaten ein Ausflugsschiff. Doch die Vision von Faix, dass Touristen auf der Warnow bis nach Rostock zur Ostsee schippern, könnte vor den Toren der Hansestadt enden. Wenn nämlich, wie geplant, die Mühlendammschleuse abgerissen wird. Dagegen regt sich seit Monaten Widerstand. Nicht nur in Rostock, sondern auch entlang der Warnow. Jetzt gründete sich der Verein Mühlendammschleuse. Und auf der Stadtvertretersitzung am kommenden Montag in Bützow kommt das Thema ebenfalls auf die Tagesordnung.


Bützow könnte sich wiederholen


Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch der Bützower Hartmut Böhnke. Der Architekt wohnt „An der Schleuse 1“ in Bützow. „Alles, was die Rostocker jetzt mit der Mühlendammschleuse erleben, haben wir 2004 in Bützow erlebt“, sagt Böhnke. Im Zuge des Straßenneubaus wurde die Schleuse am Bützower Hafen abgerissen. Sie war zwar in den 1970er-Jahren bereits verrohrt, dennoch als Baudenkmal erhalten worden. Doch vor elf Jahren kam das endgültige Aus. Als Ersatz für die Schleuse gibt es seitdem ein Wehr mit einer Slipanlage. Kanutouristen müssen aus dem Wasser und ihre Boote umsetzen. Das gleiche Schicksal „droht nun der Mühlendammschleuse in Rostock“, so Böhnke. Damit wäre eine durchgängige Befahrbarkeit der Warnow nicht mehr gegeben.

1887 errichtet, sicherte die Schleuse eine nahtlose Verbindung zwischen Unter- und Oberwarnow. Sie ist „eng mit der Entwicklung der Stadt Rostock und den an die Warnow angrenzenden Gemeinden verbunden“, heißt es zum Beispiel in einer Erklärung der Gemeinde Papendorf, die sich ebenfalls für den Erhalt der Mühlendammschleuse stark macht. Diese durchgängige Befahrbarkeit war insbesondere in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Frachtschiffe fuhren bis in den Bützower Hafen. Später kam die touristische Nutzung der Warnow mit der Schifffahrt von Rostock, über Schwaan bis Bützow hinzu.

Und gerade auf diese touristische Nutzung der Warnow setzt man in den Gemeinden entlang des „blauen Bandes“ in den zurückliegenden Jahren wieder verstärkt.

„Wir als Warnow-Anlieger leben mit den Möglichkeiten, die der Fluss uns bietet. Der Fluss verbindet uns mit der Stadt Rostock und allen bis dahin liegenden Gemeinden“, sagt der Bützower Böhnke. „Das Ziel sind Rostock und die Ostsee.“


Verein will mit Petition Rettung erzwingen


Nachdem der Schleusenbetrieb 2011 aufgrund technischer Mängel eingestellt wurde, hatte der Bund Mittel für die Sanierung in Aussicht gestellt. Berlin wollte 50 Prozent der geschätzten Kosten von vier bis fünf Millionen Euro übernehmen. Doch das Land schlug dieses Angebot nach einem Arbeitsgespräch mit der Rostocker Stadtverwaltung im Juni dieses Jahres aus.

Daraufhin startete der Rostocker Detlef Krause eine Online-Petition zum Erhalt der Mühlendammschleuse, gründete mit anderen in der vergangenen Woche den Verein „Mühlendammschleuse“. Die Petition wurde mittlerweile von mehr als 8500 Menschen unterschrieben. Auch die Mehrheit der Bürgerschaft Rostock hat sich dieser Petition angeschlossen, ebenso die Gemeinde Papendorf.

Für die Bützower Stadtvertretersitzung am kommenden Montag in Bützow hat die CDU-Fraktion nun ebenfalls einen Beschluss vorbereitet, mit dem Ziel, dass sich auch Bützow zum Erhalt

der Mühlendammschleuse bekennt. Bürgermeister Christian Grüschow solle beauftragt werden, entsprechende Gespräche unter anderem mit Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und entsprechenden Ministerien in Schwerin zu führen.

Für ihn und die anderen Gesellschafter der Warnowtourismus GmbH seien der sanfte Tourismus auf der Warnow bis zum Mühlendamm und der Erhalt der Schleuse zwei unterschiedliche Paar Schuhe, sagte Christian Grüschow gestern auf Nachfrage der SVZ. „Wir haben mit der Schifffahrt zwischen Bützow und Schwaan den ersten Schritt gemacht und wollen mit einer Machbarkeitsstudie den zweiten“, so Bützows Bürgermeister. Ziel sei die Schifffahrt bis zum Mühlendamm. Alles andere wäre nicht Ziel der GmbH, würde andere Voraussetzungen erfordern, „da wir uns dann in den Bereich der Binnenschifffahrt begeben“. Das würden die anderen Gesellschafter auch so sehen.

Hartmut Böhnke sieht das anders. Die jetzt beginnende Schifffahrt auf der Warnow sei ein „möglicher Beginn einer umfassenden touristischen Nutzung der Warnow auf einem möglichst langen Flussabschnitt.“ Deshalb möchte er auch andere Menschen in der Bützower Region für das Thema sensibilisieren und aktivieren. „Wir wollen bis Jahresende mindestens 10 000 Unterschriften unter die Petition.“

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