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Schwaan : Schlechtestes Storchenjahr aller Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Experte legt detaillierte Analyse für 2016 vor

von
erstellt am 18.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Während die Störche in ihren Winterquartieren in Ost- und Südafrika sind, liegt jetzt der Jahresbericht 2016 von Stefan Kroll vor. Der Storchenbeauftragte für den ehemaligen Landkreis Bad Doberan und die Hansestadt Rostock schildert darin sehr detailliert und mit vielen Tabellen unterlegt die Situation der Rotstrümpfe im Verbreitungsgebiet. Und die zeigt sich alles andere als positiv. „Das Storchenjahr 2016 im alten Landkreis Bad Doberan war das schlechteste aller Zeiten“, resümiert Stefan Kroll.

In Zahlen ausgedrückt: Es habe nur 46 Horstpaare gegeben, die gerade einmal 34 Jungstörche aufgezogen haben. Ein Jahr zuvor seien noch 67 Jungstörche flügge geworden und es hatte 51 Horstpaare gegeben. „Damit hat sich die Storchenpopulation bei uns in den letzten zwölf Jahren halbiert“, so der Storchenexperte. Im Jahr 2004 seien noch 154 Jungstörche gezählt worden.

Seit vielen Jahrzehnten verfolgen Naturschützer die Situation der Weißstörche in der Region. Sie beobachten, wann Adebar zurückkehrt, ob es Horstkämpfe gibt, ob gebrütet wird und auch, ob Tiere verletzt werden oder Junge aus dem Nest fallen. Für den Altkreis Bad Doberan sei da an erster Stelle Hans-Heinrich Zöllick zu nennen.

Der heute 92-Jährige betreut seit 35 Jahren die Störche im ehemaligen Landkreis Bad Doberan und in der Hansestadt Rostock. Zu den vielen weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern gehöre auch Dorothee Großmann in Schwaan. „Sie betreut seit Jahren die Störche am Tannenberg, sie dokumentiert, fertigt Fotos und hat sich vor zwei Jahren auch um einen verletzten Storch gekümmert“, sagt Kroll.

Dorothee Großmann und die vielen anderen Horstbetreuer versorgen Kroll mit Hinweisen, Meldungen und Beobachtungsergebnissen. Damit lassen sich viele Rückschlüsse ziehen, die in den Jahresberichten Berücksichtigung finden. Für 2016 wurde zum Beispiel eine späte Rückkehr der Störche beobachtet. Stefan Kroll sieht eine Ursache in der Dürre und dem damit verbundenen Nahrungsmangel in den Winterquartieren. Die späte Rückkehr habe dann zu „ungewöhnlich zahlreichen“ Horstkämpfen geführt. „Dadurch wurden etliche Gelege vernichtet“, so Kroll. Einige Spätheimkehrer hätten dann nicht mehr mit dem Brüten begonnen. Hinzu kam die große Trockenheit zwischen Anfang Mai und Mitte Juni. Dadurch habe Nahrung für die Jungstörche gefehlt.

Alljährlich werden Störche in der Region beringt. Auch dadurch lassen sich Rückschlüsse auf das Verhalten von Adebar ablesen. So kehrten 14 von 16 Ringträgern des Vorjahres zurück. Ein beringtes Männchen sei zum Beispiel seit 2014 in Schwaan heimisch. Ein beringtes Weibchen wurde von 2010 bis 2013 in Bröbberow beobachtet, zog ein Jahr später weiter nach Ziesendorf, um dann 2015 nach Bröbberow zurückzukehren. Im vergangenen Jahr ließ sich das Weibchen dann wieder in Ziesendorf nieder.

Genau registriert wird auch, wo sich Störche kurzzeitig niedergelassen haben, aber es zu keiner Paarbildung kam. Aufgrund dieser Beobachtungen stehen für das Storchenest in Kambs die Chancen gut, dass es dort zu einer Wiederansiedlung kommen könnte, so Stefan Kroll.

Eine Umsiedlung von einem E-Mast auf eine Nisthilfe habe im Vorjahr in Rukieten funktioniert. Auch wenn dort noch kein Bruterfolg zu verzeichnen war, nahmen die Störche ihr „neues Zuhause“ an.

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