baumgarten : Schlechteste Ernte seit 30 Jahren

Da die Sonne sich in den vergangenen Tagen stetig mit Regen abwechselte, kann Martin Vorbeck noch nicht den Weizen ernten. Der Landwirt hofft, dass das Wetter stabiler wird, damit das Getreide schnell trocknet.
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Da die Sonne sich in den vergangenen Tagen stetig mit Regen abwechselte, kann Martin Vorbeck noch nicht den Weizen ernten. Der Landwirt hofft, dass das Wetter stabiler wird, damit das Getreide schnell trocknet.

Landwirte in der Region verzeichnen durchschnittliche Einbußen von 25 Prozent. Schuld daran sind das Wetter und viele andere Faktoren

Düstere Aussichten für die hiesigen Landwirte: Die Ernte ist in vollem Gange und schon jetzt zeichnet sich ein Negativrekord ab. „In unserem Betrieb ist es jetzt schon die schlechteste Ernte seit 30 Jahren“, sagt Manfred Bissa, der gemeinsam mit Günter Wegner die Agrarhöfe Göllin/Laase Gbr in Baumgarten betreibt und als Vorsitzender des Bauernverbandes aktiv ist. Allein beim Raps gebe es in diesem Jahr Ertragseinbuße zwischen 30 und 50 Prozent, sagt Bissa. Schlecht läuft es diesbezüglich auch beim Landwirtschaftsbetrieb von Martin Vorbeck. Er sagt: „Ich mache das jetzt seit 1993, das ist bisher das schlechteste Ergebnis.“

Die Gründe für den schlechten Ernteverlauf sind vielfältig. Ein wesentlicher ist das Wetter, das sich schon Anfang des Jahres negativ auf die Bestände auswirkte. Im Januar seien es die kahlen Fröste gewesen, im späten Frühjahr dann die extreme Trockenheit, sagt Martin Vorbeck. „Man hat Ende Mai, Anfang Juni beobachten können, dass die Rapsblüten regelrecht verwelkt sind“, so der Landwirt. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Faktoren, die die Ernte der Bauern und damit letztlich ihre Gewinne beeinflussen. So gibt es in Sachen Pflanzenschutz seit einigen Jahren strengere Auflagen. „Wir dürfen kein Beizmittel mehr verwenden. Das ist ein Problem, weil so natürlich noch Schädlinge hinzukommen“, erklärt Martin Vorbeck. Zudem sei der wirtschaftliche Druck enorm. Vorbeck: „Die schlechten Preise verschärfen das Ganze noch.“

Neben dem Raps sind die Einbußen auch bei der Gerste zu verzeichnen, berichtet der Landwirt, der insgesamt 383 Hektar Acker und Grünland bewirtschaftet. „Die Gerste sah Ende Mai noch gut aus. Als sie reif war, konnten wir wegen des Regens nicht dreschen.“ Als das Wetter mitspielte, gab es ein neues Problem: Durch den Regen sind die Halme der Gerste abgeknickt, der Mähdrescher bekomme sie in diesem Zustand dann nicht mehr zu halten und sie landen auf der Erde – und sind damit verloren. „Das war ganz extrem“, so Martin Vorbeck.

Ein Großteil der Ernte ist jetzt zwar schon eingefahren, für die Landwirte gibt es aber noch viel zu tun. Durch das Regenwetter in den vergangenen Tagen waren Martin Vorbeck genauso wie Manfred Bissa die Hände gebunden. „Bei durchgängig gutem Wetter wären wir schon längst fertig, aber jetzt müssen wir erstmal abwarten bis das Getreide trocken genug ist“, sagt Manfred Bissa.

Auch Martin Vorbeck übt sich in Geduld. Als nächstes ist bei ihm der Weizen an der Reihe. „An sich ist er fertig, aber er muss eben trocken sein. Eine Woche Sonne wäre schon gut, denn wenn es zu viel regnet, sinkt die Qualität am Ende rapide.“ Er rechne Ende dieser Woche damit, dass es losgehen kann.

Das beschriebene Szenario durchleben gerade fast alle regionalen Betriebe. „Im Durchschnitt liegen die Ertragseinbußen beim Getreide bei 25 Prozent“, sagt Manfred Bissa. Doch wie können die Betriebe diesen Misserfolg wieder ausgleichen? „Wenn es nicht reicht, bleibt vielen am Ende nur der Gang zur Bank“, sagt Vorbeck. Diesen Rückhalt bräuchten die Betriebe, um „so eine Krise überhaupt durchzustehen“.

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