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Bützow/Schwaan : Schlachter wäre dann Endstation

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Pferdehalter in unserer Region sind entschieden gegen eine Pferdesteuer und sehen darin viele Gefahren

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 16:49 Uhr

Die Pferdehalter in unserer Region sind aufgeschreckt. Nachdem eine Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg ernsthaft über die Einführung einer Pferdesteuer nachdenkt, um die Kasse aufzufüllen, sehen auch hiesige Pferdehalter im Geiste schon neue finanzielle Belastungen auf sich zukommen. Denn der Steuerzahlerbund M-V hält diese Steuer nach der Kommunalverfassung für rechtlich möglich (siehe SVZ vom 28. Oktober).

Pferdezucht schon jetzt auf Sparflamme

„Wenn das wirklich so kommen würde, wäre es schlimm für die Pferdehalter“, meint der Bützower Pferdezüchter Thomas Kramer, der selbst zehn Pferde hat. Die Pferdezucht in unserem Land laufe sowieso schon auf Sparflamme, weil jeder in dieser Zeit sein Geld festhalten müsse, sagt er. „Keiner kauft sich mehr ein Pferd. Man hat als Züchter nur noch Unkosten und keine Gewinne mehr“, so seine Erfahrung.

Wenn die Steuer tatsächlich Pflicht würde, „dann werden viele ihre Pferde schlachten lassen“, ist er überzeugt. Und das passe überhaupt nicht zu Mecklenburg-Vorpommern, was ja auch ein „Pferdeland“ sein möchte. Nicht zuletzt für den Tourismus.

„Da hängt ja auch ein großer Wirtschaftszweig dran. Die Einführung einer Pferdesteuer würde auch Arbeitsplätze kosten“, ist Thomas Kramer überzeugt. Es reiche, wenn er für seine beiden Hunde Steuern zahlen muss, meint er. Da müsse man nicht noch eins draufsetzen.

So eine Steuer könnte eine Gefahr für die ganze Pferdezucht in unserem Land werden, ist Hartmut Ross, Pferdebetreuer, -trainer und -ausbilder auf dem Reiterhof Passin, überzeugt. Er selbst hat zwei Pferde im Stall, auf dem Reiterhof kümmert er sich ausschließlich um Pensionspferde.

„Die Leute, die Pferdesport betreiben, haben schon genug Ausgaben“, findet er. Sie müssen die Pensionen für ihre Tiere bezahlen, außerdem für den Schmied, der regelmäßig zur Hufpflege kommen müsse, für den Tierarzt, der hin und wieder gebraucht werde, und vieles anderes mehr. „Wenn da dann noch Steuern für die Pferde drauf kämen, wär’ dies schon heftig“, sagt er. Auch er findet, dass man es mit der Hundesteuer gut sein lassen sollte, die auch er regelmäßig für seinen Schäferhund bezahlt.

Bisher plant dies noch keine Gemeinde

Pensionsbetreuung für Pferde und Reitunterricht bietet Ute Burmeister vom Reiterhof Burmeister in Schwaan an. „Wenn so eine Steuer kommen würde, würden sich viele überlegen, ob sie weiter ein Pferd halten würden“, ist sie überzeugt. Auch auf den Reitsport würde sich so etwas auswirken, meint sie. „Man müsste ja die Steuern umlegen auf die Reitstunden.“

„So eine Pferdesteuer wäre der reine Wahnsinn“, ist Nadine Gronik von der Norddeutschen Tierhilfe in Klein Sien entsetzt. Zusammen mit ihren Helfern bietet sie über 100 Tieren in Not ein zuhause, darunter zwölf Pferden. „Wenn so eine Pferdesteuer käme, würden wir ja aus allen Nähten platzen. Denn ganz viele würden dann ihre Pferde abgeben“, ist ihr erster Gedanke.

Ihr Tierhof selbst lebt zum großen Teil von Spenden und wäre überhaupt nicht dazu in der Lage, auch noch Steuern für Pferde zu bezahlen, sagt sie. Doch sie denkt auch an die vielen Reitvereine und Pferdezüchter. „So eine Steuer wäre eine Katastrophe“, findet sie.

Christian Grüschow, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Bützow-Land, aber gibt erstmal Entwarnung. „Über die Einführung so einer Steuer muss ja jede Gemeinde für sich allein entscheiden“, erläutert er. „Und bisher gab es im Amtsbereich Bützow-Land noch keine Begehrlichkeiten in dieser Hinsicht“, sagt er.

 

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