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Gutshaus Hermannshagen : Sägen wie schon zu Caesars Zeiten

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Jugendliche der Jugendbauhütte Wismar und Lübeck lernen beim Seminar im Gutshaus Hermannshagen wie mit traditionellen Werkzeugen gearbeitet wird. Dieses Seminar ist auch eine Art der Berufsorientierung.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 09:35 Uhr

Hermannshagen | Anton Gugenheimer hat einen abenteuerlichen Arbeitsplatz. Er steht in mindestens zwei Metern Höhe auf zwei Latten, in deren Mitte eine große Holzbohle liegt. Gemeinsam mit Sebastian Mikkat betätigt er eine Klobsäge, um aus der Bohle gleichmäßige Bretter zu sägen. "Ich möchte mal Ingenieur werden und hier lerne ich die Grundlagen dafür", sagt der 18-Jährige.

Er ist einer von 44 Jugendlichen, die diese Woche beim Seminar eines Freiwilligenjahres der Denkmalpflege in Hermannshagen mitmachen, dessen Träger der Internationale Jugendgemeinschaftsdienst zusammen mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist. Jugendliche der Jugendbauhütte Wismar und Lübeck werden noch bis morgen auf dem Gelände des Gutshauses Hermannshagen Techniken von traditionellen Handwerken vermittelt - von Vereinsmitgliedern wie Mike Nagatis. "Wir arbeiten hier so wie schon vor mehr als einhundert Jahren gearbeitet wurde", sagt Anton und sägt an dem Holzbrett weiter.

Mit Säge wurde schon im alten Rom gearbeitet

Axel Schulz, Holzbildhauer aus Qualitz, betreut die Jugendlichen an diesem Standort. "Auf diese Art und Weise wurde schon im alten Rom gearbeitet", korrigiert Schulz und lässt die beiden weiter sägen. Axel Schulz ist nicht der einzige Anleiter auf dem Gutshaus-Areal. An jedem der verschiedenen "Handwerks-Standorte" gibt es einen Anleiter, der selbst in dem Handwerk arbeitet und der den jungen Erwachsenen Hinweise gibt, wie sie am besten mit den rustikalen Materialen und den traditionellen Werkzeugen umgehen sollen. Auch eine Schmiede und eine Art Gärtnerei gehören dazu.

Erik Timme, Tischler aus Schependorf, achtet an den Arbeitsböcken darauf, dass die klobigen Holzhälften richtig bearbeitet werden.

"Ich möchte mal Bauzeichner werden und hier bekomme ich ein besseres Verständnis für die praktische Herangehensweise", sagt Moritz Schwark.

Ähnlich sieht es auch Cleo Reihl aus Schwerin. Die 18-Jährige bearbeitet gerade ein schmales längliches Holzstück an einer Wipp-Drechselbank.

"Ich sehe es hier für mich als ein Vorpraktikum für mein Studium zur Bauingenieurin an", erzählt die Schwerinerin. Sie mache hier mit, um sich auch wirklich sicher zu sein, dass das Studium das richtige für sie ist. "Bis jetzt wurde ich in meiner Entscheidung bestätigt", sagt sie.

Gutshaus ist idealer Ort für solch ein Seminar

Wenn es so läuft, sind die Betreuer zufrieden. "Dieses Seminar soll für die jungen Erwachsenen auch eine Art Berufsorientierung sein", sagt Martin Bettermann von der Jugendbauhütte Wismar. Obwohl viele der jungen Erwachsenen schon wüssten, in welche Richtung es gehen soll, gibt es auch immer wieder Leute, die keinerlei Vorstellung davon haben, sagt Bettermann.

Für Ivalu Vesely, Leiterin der Jugendbauhütte Lübeck, ist das große Gelände des Gutshauses ideal für diese Angebote. "Es ist ein unglaublich spannendes und vielseitiges Projekt mit wirklich vielen Möglichkeiten, die es bei uns in dieser Form so nicht gibt", sagt Ivalu Vesely über den engagierten Verein. Auch die Jugendlichen sind sowohl von den Bedingungen als auch von den vielen Teilnehmern begeistert. "Es sind motivierte Leute hier und es ist meist eine lustige Stimmung", sagt Wiebke Maeß, die in Hermannshagen ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. "Wir wollen sowohl ein Ort der Begegnung als auch ein Ort der Bildung sein und beide Komponenten hier zusammen führen", sagt Christoph Schneider, Vorstandsmitglied im Verein Gutshaus Hermannshagen.

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