zepelin : Rückkehr nach fünf Jahrzehnten

Sebastian Kuchenbäcker erläutert, wie die Kühe versorgt und gepflegt werden. Fotos: andreas münchow
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Sebastian Kuchenbäcker erläutert, wie die Kühe versorgt und gepflegt werden. Fotos: andreas münchow

SVZ-Sommertour führte gestern auf den Mühlenhof nach Zepelin / Zwei Frauen dabei, die hier einst gelernt haben

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05. August 2016, 21:00 Uhr

„Ja, den Stall kennen wir. Jeden Morgen waren wir in aller Frühe hier, um die Kühe zu melken. Damals, vor 50 Jahren.“ Gestern kehrten Marlies Hohmann und Karin Reipa an ihre einstige Arbeitsstätte zurück – als Teilnehmer der SVZ-Sommertour. Die führte am Vormittag auf den Mühlenhof von Benedikt Ley in Zepelin.

Weil der Chef kurzfristig verhindert war, begrüßte Sebastian Kuchenbäcker die wieder zahlreich erschienenen SVZ-Leser. Er ist im Betrieb für die Tierproduktion verantwortlich. „Wir haben auf dem Mühlenhof vier Ställe mit Platz für rund 600 Kühe“, erläuterte Sebastian Kuchenbäcker. Die Besucher erfuhren, dass ein Landwirt die Tiere als Kälber im Alter von etwa drei Monaten auf den Mühlenhof gibt, wo sie aufgezogen und besamt werden. Kurz vor der Kalbung bekommt der Landwirt seine Kuh wieder zurück. Sie ist dann rund 24 Monate auf dem Mühlenhof gewesen.

Neben dieser Aufzucht gehören zum Betrieb noch eine Schweinezucht und 700 Hektar für die Pflanzenproduktion.

Dass sich gestern Morgen Marlies Hohmann und Karin Reipa auf dem Mühlenhof trafen, war eher Zufall. Karin Reipa wohnt heute in Niendorf bei Rostock, Marlies Hohmann im Zepeliner Ortsteil Oettelin. Beide besuchten von 1964 bis 1968 die damalige EOS „Geschwister Scholl“ in Bützow und machten ihr Abitur mit Berufsausbildung. „Wir wollten beide Pädagogen werden und mussten, wie es damals üblich war, vor einem Studium in der Landwirtschaft lernen“, sagt Marlies Hohmann.

So kam es, dass sie in diesem Rahmen ihre praktische Ausbildung zur Rinderzüchterin in der damaligen LPG in Zepelin absolvierten. Karin Reipa als dann gelernte Rinderzüchterin studierte anschließend im Schweriner Schloss Kindergärtnerin. „Ich bin nun das erste Mal seit 1968 wieder hier. „Wir wohnten damals hier in einem LPG-Gebäude, standen jeden Morgen um 3 Uhr auf und mussten die Kühe melken, füttern und putzen“, erinnert sich Karin Reipa.

Marlies Hohmann, die nach ihrer Landwirtschaftsausbildung an der Pädagogischen Hochschule Güstrow studierte und Bio- und Chemielehrerin wurde, ergänzt: „Bis 7 Uhr war die Stallarbeit erledigt und dann ging es oft aufs Feld, wo wir Rüben gehackt haben. Nachmittags war dann wieder der Stall an der Reihe. Abends waren wir so müde, dass an Disco oder andere Freizeitvergnügungen nicht zu denken war. Um 3 Uhr ging es ja auch schon wieder raus. Aber eine schöne Zeit war es trotzdem.“

Karin Reipa: „Wenn ich heute sehe, wie die Tiere hier im Stall untergebracht sind, ist das ganz anders als damals. Die Kühe machen einen ruhigeren und ausgeglicheneren Eindruck als zu unserer Zeit. Eben der Fortschritt heute. Trotzdem haben wir gerne gearbeitet und auch Verantwortung übernommen, wenn zum Beispiel Melker im Urlaub waren.“

Sebastian Kuchenbäcker indes führt die Teilnehmer der SVZ-Sommertour nach Besichtigung der Ställe und der kleinen Schweinezucht zur nahe gelegenen Mühle. Hier erinnert eine kleine Ausstellung an den Erfinder des Luftschiffes, den Grafen Zeppelin. Dessen Vorfahren waren vor Jahrhunderten hier ansässig. Das Zeppelin-Denkmal im nahen Wald erinnert an den Flugpionier.

Die Tour endete schließlich im neben der Mühle gelegenen Mehrzweckgebäude, das für Feierlichkeiten genutzt wird. Zum Abschluss gab es spontanen Applaus für Sebastian Kuchenbäcker und seine interessante Führung durch den Betrieb.

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