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Bützower Zeitung

24. Oktober 2017 | 13:42 Uhr

Bützow : Rückhalt aus Gemeinden fehlt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Lokales Bündnis für Familie engagiert sich in Bützow für Flüchtlinge. Bürgermeister umliegender Orte lehnen finanzielle Unterstützung ab

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Der Buschfunk in und um Bützow befeuerte am Dienstag die Jahrestagung des Lokalen Bündnisses für Familie. Denn schnell kam die Runde auf die Akzeptanz des Bündnisses und die Flüchtlingssituation im Amt Bützow-Land. Bernitts Bürgermeisterin Birgit Czarschka nutzte die Diskussionsrunde, um mit einigen Gerüchten aufzuräumen. Denn viel Hörensagen mache die Runde. Auch in der Schule werde erzählt, sagte Schulleiterin Gudrun Radziwolek ganz offen. Sie wollte in der Runde wissen, ob es inzwischen ein deutliches Signal gebe, dass das Bündnis auch in den umliegenden Gemeinden – aus denen ebenfalls Schüler stammen – gewollt ist.


Mit Gerüchten aufgeräumt


„Derzeit gibt es noch nicht einen Flüchtling in Moisall“, nannte Bürgermeisterin Birgit Czarschka Fakten und räumte direkt mit weiteren Gerüchten auf, die ihr selbst zu Ohren kamen. „Der Landkreis mietet 20 Wohnungen an.“ Insgesamt gebe es derzeit in Moisall 24 leerstehende Wohneinheiten. „Wir wissen definitiv nicht wann diese Menschen kommen“, so die Bürgermeisterin. Ohnehin stünden aktuell nur drei bezugsfertige Wohnungen zur Verfügung.

Erste Vorgespräche, wie Flüchtlinge hier untergebracht werden könnten, habe es bereits gegeben, so die Bürgermeisterin weiter. So rechne man mit 60 bis maximal 70 Asylbewerbern – für mehr sind die Wohnungen nicht groß genug.

Eine Wohnung ist für den Sozialarbeiter vorgesehen, der die Flüchtlinge betreuen wird. Wohnraum ist zudem für Deutschunterricht angedacht.


Finanzielle Unterstützung nicht zu rechtfertigen


Die Asylpolitik Deutschlands sei ein sehr ambivalentes Thema, kommentierte Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos). Dennoch wünsche er sich in Bützow ein stärkeres Bekenntnis für die Willkommenspolitik, aber auch das Lokale Bündnis. Nur wenige Stadtvertreter hätten bei Gegenveranstaltungen der Asylgegner Flagge gezeigt. „Das vermisse ich in Bützow“, so Grüschow deutlich.

Der Rückhalt aus den Amtsgemeinden für das Bündnis – das aktiv Flüchtlinge betreut – ist gering. Die Mehrzahl der Bürgermeister lehne eine finanzielle Beteiligung ab, weil sie die Aktivitäten der Organisation in Bützow gebündelt und keinen Mehrwert für ihre Gemeinden sehen.

„Als wir das Lokale Bündnis gegründet haben, wussten wir, dass es eine finanzielle Unterstützung aus den Gemeinden nicht gibt“, rief Bernitts Bürgermeisterin Birgit Czarschka in Erinnerung. Auch sie sieht das Bündnis vor allem in Bützow angesiedelt. Zudem könne sie vor den Bürgern nicht rechtfertigen, dass es in Bernitt noch immer keinen Spielplatz gibt, aber dennoch Geld für ein Projekt in Bützow ausgegeben werde.

Darüber hinaus erwarte die Gemeinde ohnehin eine schwierige Situation zu, wenn in Moisall Flüchtlinge aufgenommen werden. „Der Landkreis finanziert die Wohnungen“, sagt Czarschka. Für Vor-Ort-Projekte komme die Gemeinde auf. „Ich denke, dass es wichtig ist, dass an den Orten, wo Flüchtlinge in dieser Größenordnung unterkommen, das bürgerliche Ehrenamt aus der Bevölkerung heraus kommt“, so Czarschka weiter. Das Zusammenleben könne nur vor Ort gelernt und praktiziert und nicht durch das Bündnis von Bützow aus gelenkt werden.

Das Amt stehe vor einer großen Herausforderung, fügte Bürgermeister Christian Grüschow an. „Für mich steht nicht im Vordergrund, ob wir das Problem lösen können – das können wir sicherlich nicht – aber wir werden es bestmöglich angehen.“

 

 

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