Wirtschaft vs. Naturschutz : Rotmilan stutzt Windpark Tarnow

Der Rotmilan ist in der Nähe von Tarnow gesichtet worden. Um ihn zu schützen, mussten die Pläne von einem neuen Windpark östlich von Tarnow verändert werden.

Der Rotmilan ist in der Nähe von Tarnow gesichtet worden. Um ihn zu schützen, mussten die Pläne von einem neuen Windpark östlich von Tarnow verändert werden.

Naturschutz widersprach: Geplantes Zielabweichungsgebiet für regenerative Energie fällt kleiner aus als vorgesehen

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16. Januar 2018, 05:00 Uhr

„Zielabweichungsverfahren müssen bei Windenergieanlagen die Ausnahme bleiben.“ Das erklärte die Energieexpertin der Links-Fraktion des Landtages Mignon Schwenke erst kürzlich im Gespräch mit SVZ. Anlass war die immer wieder aufflammende Diskussion über die Pläne von Investoren, außerhalb von ausgewiesenen Eignungsräumen Windräder aufzubauen. Auch die Einwohner von Bröbberow und Benitz wehren sich gegen solche Pläne in der Nähe ihrer Dörfer (SVZ berichtete).

Mignon Schwenke verwies unter anderem auf ein erfolgreiches Zielabweichungsverfahren für einen neuen Windpark in Bützow. „Wo soll dieser entstehen?“, fragt SVZ-Leserin Astrid Schmidtke aus Neuendorf. Sie hätte davon bisher noch nichts gehört.

Es handelt sich um den Windpark Tarnow Ost, wie die Bützower Zeitung auf Nachfrage bei der Links-Fraktion erfuhr. Die Pläne zum Bau dieses Windparks gibt es schon seit langem. Das Besondere: Hier sind Gemeinden des Amtes mit die treibende Kraft, wollen beim Ausbau der erneuerbaren Energien ein Stück vom Kuchen abhaben. Deshalb haben Bützow, Tarnow und Dreetz vor mehr als vier Jahren eine Bürgergenossenschaft gegründet. Doch es ist ruhig geworden um diese Pläne.

Aber die Gemeinden stehen nach wie vor Gewehr bei Fuß, sagt Gunter Brietzke, Bürgermeister der Gemeinde Dreetz. Das Zielabweichungsverfahren ist mittlerweile positiv beschieden worden. Jedoch mussten die Pläne stark verändert werden. Geplant waren zunächst neun Windräder östlich von Tarnow mit einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotorendurchmesser von 115 Metern. Jede Anlage soll im Jahr rund 3,2 Megawatt Strom erzeugen.

„Es werden nun nur noch vier Anlagen sein. Der Naturschutz hat den Plänen zum Schutz des Rotmilans widersprochen“, erklärt Gunter Brietzke. Bei der geplanten Fläche handelte es sich um viel Wiesenland. Nun sollen die Anlagen vor allem im Bereich der Ackerflächen errichtet werden. Die entsprechenden Antragsunterlagen liegen beim Regionalen Planungsverband Mittleres Mecklenburg vor. „Wir warten darauf, dass sie endlich bearbeitet werden“, sagt der Bürgermeister.

Bei dem Projekt sitzen der Energieversorger Wemag, die Projektantengemeinschaft sowie die Landgesellschaft mit im Boot. Weitere 20 Prozent halten die drei Gemeinden Bützow, Tarnow und Dreetz gemeinsam. Die letzten 20 Prozent sind der Bürgergenossenschaft vorbehalten. „Die besteht derzeit noch aus den fünf Gründungsmitgliedern. Sie sind sozusagen die Platzhalter“, erklärt Gunter Brietzke. Wenn es tatsächlich mit dem Bau vorangeht, soll die Mitgliederwerbung aktiviert werden. Dann können Einwohner der drei Gemeinden und wirklich nur diese Anteile zu je 500 Euro erwerben.

Die Gemeinden sind beim Start vor vier Jahren davon ausgegangen, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Doch mit Änderungen des Erneuerbaren Energiegesetzes wird das nicht mehr so einfach sein. Bis Ende 2016 stand genau fest, wie viel Cent je Kilowattstunde zu erzielen sind. Doch mittlerweile erfolgt der Verkauf der erzeugten Energie über ein Ausschreibungsverfahren. Es müsse der Preis individuell verhandelt werden, erklärt Gunter Brietzke. „Mit dem Windpark haben wir dennoch die Chance, ein kleines bisschen Geld zu verdienen“, sagt der Dreetzer Bürgermeister.

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