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Langensee : Rollifahrer mit Zeitwert abgespeist

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Geld vom Hersteller nur ein Tropfen auf heißen Stein

Das Glück war zum Greifen nah, doch  halten konnte Daniel Busacker die Chance auf ein mobiles Leben nicht. 2007 kaufte sich der 26-Jährige  Mann einen  geländetauglichen Rollstuhl. Die Firma Otto Bock hatte ihn damals frisch auf den Markt gebracht.  Doch die Freude an  dem neuen Gefährt dauerte nur wenige Tage. Immer wieder war das Hybrid-Modell defekt.  An manchen Tagen brachte es Daniel Busacker, der seit einem Autounfall  vor neun Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, sogar in Gefahr. Es  ließ  sich nicht stoppen  oder fuhr plötzlich in eine andere Richtung (wir berichteten). Die Tage, an denen das Fahrzeug wirklich funktionierte ließen sich gefühlt an einer Hand abzählen, erklärt die Familie.

Doch alle Versuche, ein Ersatzmodell zu bekommen waren immer wieder gescheitert. Auch auf Anfragen der SVZ-Redaktion im Februar 2014 machte der Hersteller zunächst Versprechen, konnte diese aber nicht ganz einhalten: „Das Mobil wurde nicht repariert.  Sie wollten keine Garantie übernehmen“, sagt Daniel Busacker. Stattdessen machte man dem jungen Mann aus Langensee ein Angebot. „Otto Bock hat uns den Vorschlag gemacht, das Gerät einzubehalten und uns einen Teil des Kaufpreises zu erstatten“, erklärt   Torsten Jenderny, der Lebensgefährte von Daniels Mutter. Er hat Daniel bei allen Verhandlungen unterstützt. „Ich wusste ja auch nicht mehr, was ich ihm raten sollte. Für das Hybrid-Modell hat er damals rund 40000 Euro ausgegeben. Konnte es so gut wie nutzen und nun hat er 17500 Euro bekommen“, sagt er traurig. Denn auf den ersten Blick sei das nicht wenig Geld, aber für ein Modell, mit dem Daniel mobil sein kann, reiche es eben doch  nicht aus.

„Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt  Torsten Jenderny leise. Denn tief in seinem Herzen ist er unendlich dankbar für die Hilfe, die  seiner Familie bereits offeriert wurde. „Ein Sanitätshaus aus Schwerin hat uns Unterstützung angeboten sowie eine Quadfirma aus Parchim. Sie hatten auch vorgeschlagen, das Hybridmobil zu reparieren. Aber das ging aufgrund der Garantieleistung nicht“, erklärt er. 

Die Männer vom Parchimer Quad-Shop wollten zudem ein Fahrzeug auf die Bedürfnisse von Daniel umbauen. „Das geht aber so einfach auch nicht, denn in einem Quad hat Daniel nicht den nötigen Halt, so lieb das auch gemeint ist. Wir wissen das wirklich zu schätzen“, betont Torsten Jenderny.

Daniel  ist einfach wieder nur enttäuscht. „Es ist schön, wenn es Menschen gibt, die mir helfen möchten. Doch es ist auch traurig zu wissen, dass der Sommer vor der Tür steht und ich wieder nicht mobil bin, weil ich mir einfach von dem Geld kein neues Fahrzeug leisten kann. Denn das, was ich brauche, bekommt man nicht mit 17500 Euro“, sagt Daniel und atmet tief.

Es sei eben nur der Zeitwert, den er vom Hersteller bekommen hat. „Das macht man bei Autos ja auch so. Aber damit ist man dann auch gefahren, die haben nicht sieben Jahren gestanden und waren nur kaputt“, ärgert er sich.  Und ein wenig auch über sich. Denn Daniel selbst war es, der vor sechs Jahren in einem TV-Motormagazin für das Hybrid -Modell Werbung gemacht hat, das ihm letztendlich einen Großteil seiner Ersparnisse gekostet hat.

„Ich möchte diesen Sommer nicht nur im Haus verbringen“, sagt er und hofft, dass sich vielleicht doch noch ein passendes und vor allem bezahlbares Gerät für ihn finden lässt. Er würde gern wieder etwas von seiner Selbstständigkeit zurück haben.

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