Bernitt : Rollenspiel für ein lebendiges Dorf

Die Teilnehmer des Rollenspiels „local life“ entwickelten ein fiktives Dorf – und lernten dabei viel, das sich auch auf Bernitt übertragen lässt.
Die Teilnehmer des Rollenspiels „local life“ entwickelten ein fiktives Dorf – und lernten dabei viel, das sich auch auf Bernitt übertragen lässt.

Entwicklung des fiktiven Dorfes Schönhausen gibt Bernittern Anregungen für die Gestaltung ihres Heimatortes

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21. November 2017, 05:00 Uhr

Disko, Frisör oder doch lieber eine Apotheke? Am Sonntag arbeiteten sieben Erwachsene und fünf Kinder im Gemeindezentrum in Bernitt an der Entwicklung des fiktiven Dorfes Schönhausen und nahmen dabei auch Anregungen für den eigenen, echten Dorfalltag in Bernitt mit.

Ziemlich schnell wurden im Rollenspiel „local Life“ die Zusammenhänge deutlich: Einkaufen im Dorfladen spült Steuereinnahmen in die Gemeindekasse, ganz anders als der Einkauf im Discounter „wAldi“.

In der fiktiven Gemeindeversammlung gibt es Interessenkonflikte: Die einen wollen lieber in Ökologie und Bäume investieren, einer will ein freies W-Lan, wieder jemand am liebsten eine Pizzeria. Alles auf einmal geht nicht. Aber jeder Laden, jede Infrastruktur bringt neue Einwohner - und mehr Geld für die Gemeinde.

Janko Lücke, der sich wie die meisten anderen Mitspieler im realen Leben für eine lebendigeres Bernitt einsetzt und den Bernitter Dorfladen mit gegründet hat, hatte es im Spiel als Verkäufer bei wAldi, wie im Spiel der Diskounter im Dorf hieß, nicht leicht. „Das macht ja gar keinen Spaß“, sagte er, „ich habe es total verinnerlicht, lokale Produkte und unseren Dorfladen anzupreisen. Und nun soll ich der Discounterchef sein?“ Da hatten die Kinder deutlich weniger Skrupel: Im Wettkampf um die Kunden im Dorf dachten sie sich Rabatt- und Sonderaktionen aus.

Vielleicht das wichtigste Fazit des Spiels: Wer ein lebendiges Dorf haben will, muss selbst aktiv werden. Sei es durch seinen Einkauf im Dorfladen. Oder aber durch die Mitarbeit in der Gemeinde, durch ehrenamtliches oder finanzielles Engagement. „Das wussten wir natürlich schon vorher“, sagt eine Mitspielerin. „Aber es ist trotzdem spannend, das noch mal so vorgeführt zu bekommen.“ Mittags gab es selbst gekochte Kürbissuppe, aus der Region, ist ja klar. Die Wurst dazu, kaufte der Dorfladen noch bis vor kurzem beim Schlachter im Nachbarort ein. „Aber das funktionierte oft nicht mit den Mengen, die wir brauchten“, sagt Andrea Boldt, die im Laden regelmäßig hinter der Theke steht. „Deshalb bestellen wir jetzt nicht mehr da.“ „Genau falsch, wie wir ja gerade im Spiel gelernt haben“, kritisierte eine der anderen Mitspielerinnen. Im Prinzip stimmten ihr alle zu. Nur ist das echte Leben eben nicht immer ein Rollenspiel.

In dem haben die Mitspieler einen guten Job gemacht. Bei der letzten Runde hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt, es gibt eine Schule, eine Bibliothek, eine Apotheke und einen Bäcker. Und auf Wunsch der Kinder: Freibad und Eisdiele. Aber auch im echten Leben sind die engagierten Bernitter ganz schön weit gekommen. Die Genossenschaft Bernitter Dorfladen ist 2015 aus einer Bürgerinitiative entstanden. Ihr Laden läuft seit einem Jahr, es gibt mittlerweile drei Mitarbeiterinnen und der Mittagstisch ist noch in den umliegenden Dörfern ein Geheimtipp und längst an seine Kapazitätsgrenzen gekommen. Wenn Lokalpolitiker ein Beispiel geben sollen, wie es gelingen kann, dass Dörfer sich selbst organisieren, demografischen Wandel und Abwanderung etwas entgegensetzen, heißt es mittlerweile oft: „In Bernitt gehts ja auch.“

Das Rollenspiel war eine von insgesamt 100 Veranstaltungen der landesweiten Veranstaltungsreihe weltwechsel, die vom Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern organisiert wird und stand wie die ganze Reihe in diesem Jahr unter dem Motto: Menschlichkeit. „Passt, finde ich“, sagt Ulrike Klatt, die das Rollenspiel organisiert hatte. „In einem lebenswerten Dorf zu wohnen, in dem man nicht nur schlafen kann, sondern sich auch begegnet und die wichtigsten Erledigungen machen kann, ist ein sehr menschliches Bedürfnis, finde ich.“

Ob es in Bernitt weitergeht mit der Dorfentwicklung? „Wir haben schon noch einige Ideen für die Entwicklung der Dorfmitte Bernitt. Ob daraus etwas wird, hängt aber auch davon ab, wie sich die anderen Bernitter einbringen. Wir betreiben den Laden ja überwiegend im Ehrenamt und sind damit erstmal gut ausgelastet. Aber wir würden uns natürlich sehr freuen.“

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