Obermeistertag MV : Reizthema Ausbildung auf Agenda

Zum einen beklagt das Handwerk den fehlenden Ausbildungsnachwuchs, zu anderen wollen einige Betriebe aber auch nicht mehr ausbilden.
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Zum einen beklagt das Handwerk den fehlenden Ausbildungsnachwuchs, zu anderen wollen einige Betriebe aber auch nicht mehr ausbilden.

Heute 16. Obermeistertag des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern im Güstrower Bürgerhaus

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04. November 2014, 21:30 Uhr

Das Handwerk aus Mecklenburg-Vorpommern trifft sich heute wieder in Güstrow. Dabei steht beim landesweiten 16. Obermeistertag im Bürgerhaus eine Frage im Mittelpunkt, die den Betrieben auf den Nägeln brennt: Wo und wie finden die Betriebe zukünftig ausreichend Auszubildende und Fachkräfte und können diese langfristig an sich binden? Mit kurzen Fachvorträgen und Gesprächsrunden wollen die Spitzen der Handwerksorganisation von 13 bis 15.30 Uhr darüber diskutieren und beraten, wie die Zukunft des Handwerks im Land durch eine erfolgreiche Lehrlings- und Mitarbeitergewinnung gesichert werden kann.

„Alle Branchen sind gefordert, sich um Azubis zu bemühen“, sagte Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. Die Frage nach geeignetem Nachwuchs beschäftige das Handwerk momentan wie keine andere, sagte Hummelsheim. Zu Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September habe die Handwerkskammer Schwerin in der Lehrstellenbörse über 200 freie Ausbildungsplätze gehabt. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es in MV sogar rund 400 freie Plätze – etwa ein Drittel aller unbesetzten Ausbildungsstellen im Land entfallen somit auf das Handwerk. „Wir können seit einigen Jahren nicht mehr den betrieblichen Bedarf an Ausbildungsplätzen decken“, sagte Hummelsheim. Zentrales Problem sei der demografische Wandel im Bundesland. Infolge zu weniger Azubis und Fachkräfte blieben Aufträge in den Betrieben liegen. Dabei sei die Konjunktur sehr zufriedenstellend, die Auftragslage gut. Um das Problem in den Griff zu bekommen, müssten die Betriebe frühzeitig auf Schulabgänger zugehen und auf sich aufmerksam machen, rät Hummelsheim.

Die Klage über zu wenige Azubis und Fachkräfte ist nicht neu. „Das Thema Ausbildung im Handwerk ist eine emotionale Angelegenheit“, sagt Martin Biemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Güstrow. Ihm bereitet ein anderer Trend wesentlich mehr Sorgen: „Viele Handwerker haben schlechte Erfahrungen mit jungen Leuten gemacht, weil ein großer Teil von ihnen nicht ausbildungsreif ist. Deshalb wenden sich Betriebe von der Ausbildung ab, sagen: ,Ich möchte nicht mehr ausbilden’“, sagt er. Der Kosten-Nutzen-Aufwand bei der Ausbildung sei manchen Betrieben mittlerweile zu hoch. Zudem warnt er vor einer Hysterie beim Fachkräftemangel. Biemann sieht keinen Mangel, eher einen Bedarf. „Sicher sind manche Stellen für eine gewisse Zeit unbesetzt, können aber meistens mittelfristig wieder besetzt werden“, sagt er.

In Bezug auf die Berufsschulen würden die ausbildenden Handwerker zudem beklagen, dass oft Unterricht ausfalle. „Das ist ein Ärgernis für die Betriebe“, unterstreicht Biemann. Auch gebe es sehr weite Wege für die Berufsschüler. So müssten die Gebäudereiniger z.B. immer nach Greifswald fahren. Biemann geht davon aus, dass sich beim morgigen Referat von Bildungsminister Matthias Brodkorb auf dem Obermeistertag in Güstrow „einiges entzünden wird“.

In MV gibt es rund 20 200 Handwerksbetriebe mit rund 101 000 Mitarbeitern und mehr als 4900 Lehrlingen. Sie erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund neun Milliarden Euro. Dem Handwerk werden etwa zehn Prozent der Bruttowertschöpfung zugerechnet.
 

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