Selow : Reife Ähren und noch grüne Halme

Er ist es gewohnt in der Erntezeit: Bis nach Mitternacht sitzt Heiko Dudda jetzt oft auf dem Mähdrescher.   Fotos: Evelyn Bubber-Menzel
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Er ist es gewohnt in der Erntezeit: Bis nach Mitternacht sitzt Heiko Dudda jetzt oft auf dem Mähdrescher. Fotos: Evelyn Bubber-Menzel

Agrar-Genossenschaft Selow hat Hälfte der Weizen- und Rapsernte eingefahren und ist mit Erträgen zufrieden / Doch Halme noch unreif

svz.de von
29. Juli 2014, 16:01 Uhr

Mit nackten Füßen stapft Axel Wichmann ein Stück ins Weizenfeld. „Ich geh’ auch barfuß übers Stoppelfeld. Das macht mir nichts aus. Schon als Kind bin ich im Sommer immer gerne barfuß gelaufen“, sagt der 53-Jährige, der seit 18 Jahren Vorsitzender der Agrar-Genossenschaft Selow e. G. ist.

Kraftvoll reibt er die abgepflückten Ähren zwischen seinen Handflächen, er pustet die Spreu heraus und ab geht’s mit den Körnern ins Feuchte-Meßgerät. „15,3 Prozent“ zeigt das Display an. „Da kann man anfangen mit dem Dreschen“, sagt Wichmann und greift zum Handy, um seinem Kollegen, dem Mähdrescherfahrer Heiko Dudda (46), Bescheid zu sagen, dass er auf dem Weizenschlag zwischen Selow und Bützow loslegen kann.

Etwa die Hälfte an Getreide und Raps hat die Mannschaft der Genossenschaft schon vom Halm. Damit ist der Vorsitzende ganz zufrieden. „Wir konnten erst Dienstag letzter Woche mit dem Mähen beginnen, vorher war das Getreide einfach noch nicht soweit“, sagt er. „Die Ähren sind reif, aber die Halme sind oft noch grün“, erklärt Wichmann. Als die Hitze kam, seien die Ähren sehr schnell gereift und die Halme seien nicht hinterher gekommen. Das mache sich auch beim Mähen bemerkbar. „Es mäht sich zäher“, sagt Heiko Dudda. Außer beim Weizen ist dies auch beim Raps so. „Wir mähen deshalb nur so tief wie nötig, so dass wir das Schotenpaket gerade noch mitkriegen und lassen lange Stoppeln stehen“. Für den Mähdrescher bedeutet dies etwas weniger Aufwand. „Dadurch kann man im Raps ein bisschen schneller fahren als sonst“, sagt Dudda.

Ab mittags, wenn die Feuchte aus den Körnern heraus ist, rollt er in diesen Tagen mit seinem „Lexius 600“ aufs Feld. Ab dann zieht er Stunde um Stunde mit dem Mähdrescher seine Bahn durch den Raps oder das Getreide. Manchmal bis morgens um 2 Uhr. Auch seine Kollegen schauen in der Erntezeit nicht auf die Uhr – gerackert wird solange wie möglich und wie nötig. „Wir sind ein super Team. Ein gutes Klima untereinander ist uns wichtig“, meint Axel Wichmann. Deshalb seien auch fast alle der 13 Beschäftigten in der Genossenschaft schon ewig hier, die Fluktuation sei fast null. Insgesamt sind in diesen Tagen 650 Hektar Getreide - davon 400 Hektar Weizen - und 250 Hektar Raps von Halm zu holen. Außerdem hat das Unternehmen 100 Hektar Kartoffeln und 60 Hektar Zuckerrüben angebaut. Doch deren Ernte steht ja erst im September/Oktober an.

„Jetzt müssen wir uns erstmal um das Getreide und den Raps kümmern“, so Wichmann. Mit den bisher erzielten Erträgen ist er zufrieden. „Eine Rekordernte wird es wohl nicht bei uns, aber wir liegen im guten Durchschnitt“. Was bei Raps 40 bis 45 Dezitonnen je Hektar bedeutet. Bei Weizen sei die Ernte diesmal mit durchschnittlich 80 Dezitonnen je Hektar recht gut, schätzt er ein. Die Agrar-Genossenschaft Selow liefert ihre Erträge größtenteils zum Händler in der Getreide AG Bützow. „Weltweit haben wir jetzt das dritte Mal hintereinander eine gute Ernte, das drückt die Preise“, so Axel Wichmann. Doch ernsthafte Sorgen bereitet ihm das nicht, sagt er. „Wir fahren ja mengenmäßig eine gute Ernte ein und haben ja auch Vorverträge mit den Abnehmern gemacht“, ist er gelassen.

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