Prozess gegen Rechtsextreme : Rechtsextreme in Güstrow vor Gericht

Spuren des Überfalls auf den Jugendklub vergangenes Jahr
Spuren des Überfalls auf den Jugendklub vergangenes Jahr

Der Überfall auf den ehemaligen Phönix-Jugendklub vom vergangenen Jahr kommt vor das Amtsgericht Güstrow. Am 7. Dezember beginnt der Prozess. Die Angeklagten werden der rechtsextremen Szene zugeordnet.

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22. November 2010, 10:07 Uhr

güstrow | Der Überfall auf den ehemaligen Phönix-Jugendklub vom vergangenen Jahr kommt jetzt vor das Amtsgericht Güstrow. Am 7. Dezember beginnt der Prozess. Angeklagt sind vor dem Jugendschöffengericht ein Jugendlicher, vier Heranwachsende und ein Erwachsener, die aus Güstrow, Laage und Umgebung stammen. Sie werden der rechtsextremen Szene zugeordnet. Eine politische Motivation des Anschlags auf den Treff der offenen Jugendarbeit habe man jedoch entgegen erster Aussagen nicht ausmachen können, sagte Oberstaatsanwalt Peter Lückemann gestern.

In den Abendstunden des 16. April 2009 hatten Vermummte den damals noch am Domplatz ansässigen Jugendklub gestürmt. Die für die rechtsextreme Szene typisch Gekleideten hatten mit flüssigem Bitumen gefüllte Flaschen gegen die Eingangsfront und in den Besucherraum geworfen. Dort zerschlugen die zwischen 17 und 21 Jahre alten Angreifer Computer, stürzten Mobiliar um und griffen laut Zeugenaussagen Gäste u.a. mit so genannten Totschlägern an und traten mit Füßen um sich. Mehrere Gäste hatten zum Teil erhebliche Verletzungen davongetragen, mussten mit Platzwunden und mit Teer übergossen ins Krankenhaus.

Der Prozess findet wegen der hohen Zahl der Verfahrensbeteiligten in der neuen Sporthalle der Fachhochschule statt. Das Amtsgericht, das wegen der Sanierungsarbeiten provisorisch im Schwarzen Weg untergebracht ist, habe keine ausreichenden Räume, um dem erwarteten Zuschauerzuspruch gerecht zu werden, heißt es. In der Fachhochschule, an der u.a. Polizisten ausgebildet werden, ist auch von größerer Sicherheit die Rede.

Bereits heute beginnt am Amtsgericht Güstrow ein weiteres Strafverfahren gegen rechtsradikal Gesinnte. Die fünf Angeklagten, ebenfalls aus Güstrow und Umgebung, werden einer tätlichen Attacke gegen Polizeibeamte beschuldigt.

Der Vorfall hatte sich in der Nacht zum 18. April dieses Jahres in Güstrow ereignet, als die Beamten zu einer Schlägerei gerufen wurden. Nach der vorläufigen Festnahme eines Beteiligten ist es zu einem "heftigen Gerangel" gekommen, in deren Folge ein Polizist zu Boden stürzte. Ein 19-Jähriger habe darauf den am Boden liegenden Polizisten massiv in den Rücken getreten, ein 20-Jähriger habe versucht, ihn ins Gesicht zu treffen. Nur durch den Einsatz von Pfefferspray und Anwendung körperlicher Gewalt konnte der Angriff beendet werden, hieß es im Polizeibericht.

Die fünf Angeklagten waren im Alter von 16 bis 24 Jahren. Während des Angriffs habe mindestens einer der Angeklagten "Sieg Heil!" gerufen und den Arm zum so genannten Hitlergruß ausgestreckt. Neben des Widerstands gegen die Beamten sind die Beschuldigten deshalb der Verwendung verfassungsfeindlicher Zeichen angeklagt.

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