800 Jahre : Räuber zogen durch Wokrent

Durchschnitt das rote Band: Katrin Röhrs, Bürgermeisterin der Gemeinde Jürgenshagen.
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Durchschnitt das rote Band: Katrin Röhrs, Bürgermeisterin der Gemeinde Jürgenshagen.

Das Dorf feiert 800. Geburtstag und Michael Constien spricht übers Mittelalter.

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26. August 2019, 05:00 Uhr

Alle Dorfbewohner haben sich an diesem Sommer-Sonnabend an einem mit roter Schleife abgesperrten Platz versammelt. Das Band wird durchschnitten und kaum fällt es, stürmen auch schon Kinder auf diesen Platz – ihren neuen Spielplatz – um die Geräte in Beschlag zu nehmen.
Der kleine Ort Wokrent in der Gemeinde Jürgenshagen feierte sein 800-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde ein neuer Spielplatz eingeweiht.
An diesem Platz empfingen die neue Bürgermeisterin Katrin Röhrs und der ehemalige Bürgermeister und jetziger Gemeindevertreter Michael Constien die Einwohner als ersten Akt der Jubiläumsfeierlichkeiten. Michael Constien hatte sich mit der Ortsgeschichte beschäftigt und so wusste er, dass Wokrent 1219 erstmals urkundlich erwähnt wurde und damit das älteste Dorf in der acht Dörfer großen Gemeinde Jürgenshagen ist.

„Der Dreißigjährige Krieg hat hier fürchterlich gewütet“, so Constien weiter. „Am schlimmsten in Wokrent. Hier sind Pestzüge und räuberische Rotten durchgezogen. 1648 waren nur noch zwei Einwohner übriggeblieben. Heute zählen wir 69 Einwohner. Das Leben in Wokrent blüht wieder auf. Hier gegenüber entsteht gerade ein neues Eigenheim und zwei weitere sind in der Bauplanung“, freute sich der Gemeindevertreter.

„Mit den jungen Eigenheimbesitzern kommen auch Kinder ins Dorf und da ist der neue Spielplatz hier goldrichtig“, sagte Bürgermeisterin und durchschnitt das rote Band. Die Kinder stürzten sich auf die Schaukeln, auf die Wippe, auf die Wackelraupe und auf den Drehpilz.

Michael Constien hatte nicht nur den Erwachsenen des Dorfs mit zwei kleinen Spanferkeln ein Geburtstagsgeschenk mitgebracht. Den Kindern hatte er den Drehpilz geschenkt. Und den fanden der elfjährige Lukas und sein neunjähriger Bruder Niklas ganz toll. „Ich werde jetzt jeden Tag hierher gehen, wenn es nicht regnet, hier spielen und mich mit Freunden treffen“, so der der Ältere. Und Niklas findet, dass der gesamte Spielplatz „ganz schön gut“ aussehe.
Während die Kinder auf und an den Geräten tobten, überreichte der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Jürgenshagen, Dirk Berndt, der Bürgermeisterin einen Grafensteiner Apfelbaum. Der wurde gleich auf dem Spielplatz eingepflanzt. Michael Constien nahm die Gelegenheit wahr und überreichte Sybille Runge einen kleinen Blumenstrauß.

Die frühere Gemeindevertreterin war es, die auf die 800 Jahre Wokrent aufmerksam gemacht, das Fest mit Freunden organisiert hatte und sich damit dagegen wehrt, dass ihr Heimatdorf Wokrent zum „vergessenen Dorf“ geworden sei. „Ich wünsche mir so sehr, dass wir jetzt wieder mehr zusammenrücken. In den 90er-Jahren, 2005 und 2009 haben wir noch zusammen gefeiert. Danach wurde es so ruhig hier im Ort. Aber in Vorbereitung unserer 800-Jahrfeier haben sich alle beteiligt, so Sybille Runge. Sie hatten ihre Häuser und Vorgärten geschmückt. Damit nehmen sie an einem kleinen Wettbewerb teil: „Welcher Vorgarten ist am schönsten geschmückt?“

Die Prämierung fand am Abend statt. Aber Sybille Runge freute sich auch sehr, dass die Einwohner beim Zeltaufbau und -einräumen geholfen haben. Und Michael Constien verspricht ganz offiziell, dass Wokrent auch in der Gemeindevertretung wieder mehr in den Fokus gerückt werde.

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