zur Navigation springen

Havarie in Wiendorf : Rätsel um Gewerbegrundstück

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Kreis genehmigt Bau einer Zuchtanlage für Flusskrebse. Gemeinde Wiendorf wusste nichts davon. Havarie bringt Vorhaben ans Licht

von
erstellt am 24.Aug.2016 | 21:00 Uhr

Große Aufregung in Neu Wiendorf: Anscheinend soll hier eine Aufzuchtanlage für Flusskrebs entstehen. Das Erschreckende dabei: In der Gemeinde war niemand über das Bauvorhaben informiert. Erst eine Havarie, bei der zwei Bagger im Torf versanken, brachte Licht in die Sache. Genehmigt worden waren die Pläne des Investors vom Landkreis. Vor Ort ahnte jedoch niemand, was auf dem erst kürzlich verkauften Grundstück entstehen soll.

„Wir sind alle sprachlos“, sagt Wiendorfs Bürgermeister Frank Heidelk (EB). Es sei ja nicht nur das private Grundstück betroffen, sondern auch Zufahrtswege der Gemeinde und verpachtete Ackerflächen sind in Mitleidenschaft gezogen. „Insbesondere jetzt durch die Bergungsarbeiten“, macht Heidelk seiner Verärgerung Luft. Alles sei aufgewühlt. „Da bekommen wir doch kein Geld mehr von den Landwirten.“

Schon seit längerer Zeit sorgt das Grundstück für Gesprächsstoff. Die Gemeinde habe nur erfahren, dass die Fläche verkauft wurde. „Als dort angefangen wurde, zu graben, gab es Fragen von Einwohner. Sie hatten die Arbeiten vom Zug aus beobachtet. Die Bahnstrecke führt unmittelbar am Grundstück vorbei“, erzählt der Bürgermeister. Daraufhin habe er recherchiert und erfahren, dass dort angeblich eine Flusskrebsaufzuchtanlage entstehen soll. Doch auch in der Schwaaner Amtsverwaltung wusste keiner etwas, wie Verwaltungschef Mathias Schauer bestätigt.

Gemeindevertreterin Anke Schwarz, die in unmittelbarer Nähe wohnt, berichtet von Flächen, die ausgehoben worden seien, wie kleine Teiche. „Das Gebiet ist sehr feucht, deshalb gibt es viele Vorfluter. Die wurden teilweise mit dem Erdaushub zugeschüttet“, hat Schwarz beobachtet.

Nun kam es zu dieser Havarie. Zwei Bagger versanken in dem torfreichen Gelände. Für Schwarz kam das nicht überraschend. Dass die schweren Maschinen da nicht so ohne Weiteres rauffahren können, hätte doch klar sein müssen, sagt sie. „Wir können das alles nicht nachvollziehen. Was bedeutet das für die Umwelt?“, fragt die Wiendorferin.

Durch das Einsinken der Bagger ins Erdreich seien keine Gefahren für die Umwelt entstanden, versucht das Landratsamt in Güstrow zu beruhigen. „Betriebsstoffe sind aus den Maschinen nicht ausgetreten. Für die Bergung sind entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden“, erklärt Kreissprecher Michael Fengler.

Hätte aber überhaupt gebaut werden dürfen? Der Landkreis sagt ja. Der Vorhabenträger hätte im Juni einen Antrag gestellt, sagt Fengler. Anfang August sei diesem entsprochen worden, verbunden mit einer Naturschutzgenehmigung. Der Kreis gehe trotz dieses Ereignisses davon aus, dass das Vorhaben wie genehmigt umgesetzt wird. Die Behörde werde die „Realisierung kontrollieren“. Dennoch bleibt die Havarie nicht ganz ohne Folgen für den Investor. „Es läuft ein Ordnungswidrigkeitenverfahren“, sagt Michael Fengler.

In Wiendorf bleibt Wut zurück. „Warum genehmigt der Kreis ein solches Vorhaben, ohne uns zu fragen? Wenn wir etwas machen, müssen wir jedes Mal Anträge stellen. Hier wird über Grundstücke der Gemeinde gefahren und wir wissen nichts davon. Das kann ich nicht verstehen. Das ist einfach enttäuschend“, sagt Bürgermeister Frank Heidelk.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen