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Kunst statt Wahlwerbung : Qualitz setzt mit Kunst ein Zeichen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Durch die öffentlich ausgehängten Werke der Ausstellung „Äußerungen“ gab es in Qualitz keinen Platz für Wahlplakate

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Die Landtagswahl ist zwar vorbei, doch an den meisten Laternen in der Region prangen immer noch die Wahlplakate. Nicht so in Qualitz. Hier standen in diesem Sommer statt politischer Slogans Kunstwerke von Kindern und Jugendlichen im Fokus des öffentlichen Raums. Grund dafür ist die Ausstellung „Äußerungen“ des Allerhand-Vereins.

Um den jungen Hobbykünstlern, die während verschiedener Kreativangebote Bilder und Skulpturen gefertigt haben, eine möglichst große Plattform zu geben, wurde das ganze Dorf als Ausstellungsfläche genutzt. So wurden Zäune mit bemalten Leinwänden behängt, der Garten des Allerhand-Vereins mit Skulpturen vollgestellt – und die Laternen mit Herzen, Wolken und anderen Papierfiguren bestückt.

Dass sich das mit dem Wahlkampf überschneidet, sei in der Planungsphase nicht Kalkül gewesen, sagt Barbara Wetzel vom Vereinsvorstand. Dennoch seien viele Einwohner froh gewesen, dass in ihrem Dorf keine NPD-Plakate hingen.

Bürgermeisterin Astrid Peters (SPD) ist begeistert von der Ausstellung. „Ich fand die Idee mit der öffentlichen Ausstellung von Anfang an toll. Ich finde es einfach gut, wenn Kinder und Jugendliche sich Gedanken machen und sich kreativ ausdrücken. Das ist auch eine Botschaft“, sagt sie. Fast alle Parteien hätten sich  daran gehalten, dass die bereits von den Kunstwerken besetzten Laternen nicht mit Plakaten behangen werden. „Es gab zwar einige wenige, aber das war wirklich die Ausnahme“, so Astrid Peters.

Sie hoffe generell, dass in Zukunft weniger plakatiert wird. Vor allem in Bützow seien die Aushänge teilweise so tief angebracht worden, dass Fußgänger und Radfahrer dadurch eingeschränkt wurden. „Dabei kann man auch mit weniger etwas erreichen.“ Die Idee des Allerhand-Vereins sei im Übrigen auch bei anderen Bürgermeistern auf Begeisterung gestoßen, sagt Astrid Peters.

In den kommenden Wochen geht die Ausstellung zu Ende. Dass es im nächsten Jahr, zur Bundestagswahl, wieder ein ähnliches Projekt gibt, schließt Barbara Wetzel nicht aus. Dabei hat sie nicht nur die positiven Rückmeldungen der Dorfbewohner im Blick, sondern auch das Bild, das überregional ausgestrahlt wird. „Der Wahlkampf ist im Sommer, wenn Urlauber zu uns kommen. In der Zeit erlauben wir der NPD die Dorfbilder zu pflastern, das erzeugt natürlich eine bestimmte Außenwirkung.“ Die öffentlichen Räume selbst zu gestalten, sei  unkompliziert „und könnte Schule machen“, so Wetzel.

Kommentar: Ein gutes Beispiel
„Heimat braucht Kinder – keine Homo-Ehe“, „Wir brauchen Sicherheit – keine Rapefugees“: Mit diesen und anderen Leitsprüchen pflasterte die NPD im Sommer die ganze Region zu. Viele Menschen fühlen sich davon belästigt. Da das selbstständige Abmontieren der Plakate als Straftat gilt, ist es aber gar nicht so einfach, der Dauerbeschallung durch fremdenfeindliche Hetze zu entgehen. Da ist die Idee des Allerhand-Vereins ein positives Beispiel für gewaltlosen Protest. Mit Kreativität gegen sinnfreie Ideologien – das klappt mitten in MV ganz wunderbar und findet hoffentlich nicht nur in unserer Region viele Nachahmer. Denn es ist an der Zeit, dass auch positive Nachrichten dieser Art endlich zu einer Selbstverständlichkeit werden.

 

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