Puppenträume auf der Tenne

Ihr Puppenparadies: Erika Lerche (l.) zeigt ihren Kreativfreundinnen ihre Puppenwelt und hat dazu viel zu erzählen.  Fotos: Kerstin Erz
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Ihr Puppenparadies: Erika Lerche (l.) zeigt ihren Kreativfreundinnen ihre Puppenwelt und hat dazu viel zu erzählen. Fotos: Kerstin Erz

Kreativfrauen aus Eickelhof besuchten ihre Mitstreiterin Erika Lerche, die ein besonderes Hobby hat

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02. August 2019, 05:00 Uhr

Es ist Nacht. Auf der kleinen Tenne ist in der Dunkelheit Geflüster zu hören. Es werden Geschichten aus längst vergangener Zeit erzählt. Alle hören zu. In der einen Ecke gibt es sogar einen kleinen Streit zu hören. Worüber? Wer hat das schönste Kleid an und wer die schönste Frisur?

Die Fantasie kann schon mit einem durchgehen, wenn man die riesige Puppensammlung von Erika Lerche erblickt. Die Kreativfrauen aus Eickhof haben sie sich angeschaut. Schließlich ist Erika Lerche eine von ihnen. Mit Fahrgemeinschaften reisten sie nach Mühlenhof bei Techentin, wo ihre Mitstreiterin wohnt.

Dabei stammt die 73-Jährige ursprünglich aus Nettetal an der niederländischen Grenze. Sie war einst die Nachbarin der Skulpturistin Eva Güthoff, die vor vielen Jahren nach Eickhof zog. „In den Anfangsjahren, wenn Eva nach Mecklenburg reisen wollte, brachte sie mir immer ihren Vogel. Und eines Tages sagte sie: ,Mecklenburg wäre auch was für Euch!’ Also haben auch wir mit einem Wohnmobil die Gegend erkundet und sind hier in Mühlenhof bei Techentin hängen geblieben. Danach bin ich eine Kreativfrau geworden, auch wenn ich nicht jeden Dienstag in Eickhof dabei sein kann“, erzählt Erika Lerche.

Nun trafen sich die Frauen nicht in Eickhof, sondern Erika Lerche hatte ihre Freundinnen anlässlich ihrer goldenen Hochzeit mit Ehemann Hubert zum Kaffee eingeladen. Und die Eickhofer schwärmten mit 16 Frauen aus. In der Stube wurde es zwar eng – es regnete in strömen – aber gemütlich. Und wenn man Erika Lerche schon besucht, muss man sich unbedingt ihre „kleine“ Puppensammlung auf der Tenne anschauen. Für viele war es der erste Besuch – und sie waren überwältigt: mehr als 2000 Puppen.

„Mein Vater war Puppendoktor und ich durfte ihm erst über die Schulter schauen und später mithelfen“, erzählte die Puppensammlerin. „Ich selbst hatte nur eine einzige Puppe, eine Nixe-Puppe. Die besitze ich heute noch. Als Kind wünschte ich mir dann eine Neger-Babypuppe. Ich bekam aber eine schlanke, hellbraune Inderpuppe. Damals war ich sehr darüber enttäuscht, denn sie war ganz und gar nicht knuddelig.“ Irgendwann später hatte Erika Lerche ihre Puppen einer Sozialarbeiterin gegeben für Kinder sozialschwacher Familien. Mit der Auflage: „Wenn damit nicht mehr gespielt wird, bekomme ich sie zurück.“ Sie bekam sie alle zurück, nur die Inderpuppe nicht. Heute bedauert sie das sehr und sie würde sie sich wiederkaufen, wenn sie sie sehen würde…

Aber diese Rückgabe war für die Puppenliebhaberin der Beginn ihrer Sammlung. Viele Jahre hat sie selbst Puppen gefertigt. Dabei sind zum Beispiel Kaiser Franz Josef als Baby herausgekommen oder die niederländische Königin Juliana als Kind oder auch Queen Elisabeth als junge Frau. Auch sie sind in Erikas Museum zu entdecken. Noch heute repariert sie auch Puppen – und so manche Kreativfrau hat ihr Lieblingsstück in Erika Lerches Obhut gelegt.

Erika Lerches Puppensammlung ist eine Reise durch die Zeit: Stoffpuppen, Pappmaché-Puppen, Zelluloid-Puppen, Porzellan-Puppen, Schildkröt-Puppen, die ausdrucksstarken Heubach-Charakter-Puppen oder die italienischen Kirmespuppen, die einst mit weitem Spitzenkleid auf einem Zierkissen im Bett saßen. Auch die heutigen Puppen wie Barbie, Mäcki, Baby Born, ja sogar Teddys fehlen nicht in dieser Sammlung. Von alt bis jung, von hübsch bis hässlich, von groß bis klein: mehr als 2000 Stück.

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