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Feuerwehren im Raum Bützow klagen : Probleme beim Notruf?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Feuerwehren aus Göllin und Neuendorf berichten von Verständigungsschwierigkeiten. Bernitter Kameraden mussten Einsatzort suchen.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Retten, Löschen, Bergen, Schützen – das sind die zusammengefassten Hauptaufgaben der Feuerwehren. Jedoch scheint dies nicht immer problemlos zu funktionieren, wie während der Rechenschaftsberichte einiger Wehren im Amt Bützow-Land bekannt wurde. In Bernitt, Göllin und Neuendorf kam es zu Problemen bei der Alarmierung durch die Leistelle. Im Ernstfall kann dies Zeit kosten. Und damit auch Leben.

Im Oktober fand eine groß angelegte Übung in der Bernitter Schule statt (SVZ berichtete). Die Kameraden aus Bernitt, Bützow, Kurzen Trechow, Moisall und Göllin sollten dazu alarmiert werden. „Es war eine Planübung“, sagt Torsten Hohmann, Wehrführer aus Bernitt und verantwortlich für die damalige Übung. Das heißt, die Blauröcke wussten von dem Einsatz und warteten größtenteils an den Gerätehäusern. Aber irgendwann seien Nachfragen à la „Was ist nun?“ gekommen, erinnert sich Hohmann. Erst durch Nachhaken bei der Leitstelle seien Kurzen Trechow und Moisall nachalarmiert worden, die Gölliner warteten vergeblich in ihrem Gerätehaus. Hohmann habe seitens der Leitstelle aber die Information erhalten, dass die Alarmierungen erfolgten. „Ich kann nicht verstehen, wie das passieren kann“, sagt Reiner Koch, Wehrführer aus Göllin. Einige Kameraden hätten extra frei genommen, es sollten auch Atemschutzgeräteträger zum Einsatz kommen. „Und dann sitzt du da und wirst doch nicht alarmiert.“ Dies sei blamabel. Und an den Ernstfall mag Reiner Koch gar nicht denken. Zumindest aber weiß er, dass es an der Technik nicht liegen kann, da jeden ersten Sonnabend im Monat testweise die Sirene ausgelöst wird. „Es haut also hin mit der Leitstelle“, so Koch. Michael Wildermuth, stellvertretender Amtswehrleiter, sagte dazu: „Die Übung war detailliert geplant. Aber die Kameraden in der Leitstelle waren nicht in der Lage, zwei Knöpfe zu drücken. Das tut uns in der Seele weh. Wenn das im Einsatz passiert, haben wir ein Problem.“ Amtswehrführer Ralf Ackerhans relativiert: „Es war ein technisches Problem.“ Dies sei aber umgehend ausgewertet und behoben worden.

Michael Fengler, Sprecher des Landkreises, erklärte zum Fall Göllin auf Nachfrage: „Für einen bestimmten Bestandteil der Übung war keine Alarmadresse bei der Freiwilligen Feuerwehr Göllin hinterlegt.“

Einen weiteren Vorfall erlebten die Kameraden in Neuendorf. Für einen simulierten Verkehrsunfall sollten die Blauröcke, genau wie die aus Rühn und Steinhagen, alarmiert werden. Die Rühner rückten auch planmäßig aus, wunderten sich am Unfallort aber, allein da zu sein. Derweil ging in Steinhagen die Sirene nur einmal, statt dreimal, wie es einen Einsatz signalisiert. Die Leitstelle verschickte zudem Informationen per Funkempfänger – solche haben die Neuendorfer jedoch nicht. „Wir werden durch die Sirene alarmiert und erhalten Informationen per SMS“, sagt Wehrführer Roland Matzmohr. So kamen die Neuendorfer erst zirka 15 Minuten später zur Unfallstelle. „Es gab ein Missverständnis bei der Leitstelle“, so Matzmohr. Im Ernstfall sei dies natürlich schlecht. Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass dies im Ernstfall passiere, „da die Leitstelle dann sicher alle Knöpfe drückt“. Warum seitens der Leitstelle die Sirene allerdings nur einmal ausgelöst wurde, vermag er nicht zu sagen. Ralf Ackerhans nannte den Fehler ein „Kommunikationsproblem“. Er habe alles rechtzeitig beantragt und angemeldet, doch der Mitarbeiter der Leitstelle habe lediglich den Probealarm ausgelöst. „Das hat der Mitarbeiter falsch aufgefasst. Im Ernstfall wäre ich im Karree gesprungen.“ Ärgerlich sei es auch so gewesen, da viel Planung in die Übung gesteckt wurde.

Auf Nachfrage beim Landkreis fällt die Antwort schwammig aus. „Die Leitstelle löst die Sirene aus. Für die Funktionsfähigkeit der Sirene ist allerdings die Gemeinde zuständig“, so Fengler. Außerdem sei die SMS-Benachrichtigung kein offizielles Alarmierungsmittel. „Funkmeldeempfänger und die 258 Sirenen im Landkreis sind das Mittel der Wahl.“

Anders verhielt es sich bei einem Vorfall im Februar. „Baumhindernis auf der L11 Langen Trechow – A20 Höhe Bernitt stand auf dem Melder“, so Torsten Hohmann, Wehrführer aus Bernitt. „Aber wo in Bernitt abfahren, links oder rechts?“, erinnert sich Hohmann an die Gedanken von damals. Die Leitstelle konnte nämlich keine genaue Angabe über den Einsatzort machen. Tatsächlich war Einsatzort Richtung Bützow und nicht Richtung Autobahn. Die Kameraden erkannten aus der Ferne Blaulicht der Polizei und wussten damit, wo sie hinmüssen. Die Beamten hätten allerdings die Angaben nicht konkretisiert, kritisiert Hohmann. „Bei einem Verkehrsunfall kostet das wichtige Zeit.“

In diesem Fall trug die Leitstelle keine Schuld, da sie nur weitergeben kann, was ihr vermeldet wird. „Die Ortsangabe für den Einsatzort ist im ersten Schritt immer vom Melder des Notrufs abhängig. Der Disponent in der Leitstelle lokalisiert den Einsatzort mit Hilfe des Anrufenden und dessen Angaben auf einer Karte“, erklärt Pressesprecher Fengler dazu und fügt an: „Eine möglichst genaue und unmissverständliche Ortsangabe durch den Notrufer hilft der Leitstelle dabei, Rettungskräfte schnell und bedarfsgerecht zum Einsatzort zu beordern.“

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