Aufklärung zu Flüchtlingen in MV : Pro Kopf gibt es eine Decke, pro Zelt einen Topf

Die Schüler Chris Burmeister (v.l.) und Moritz Wittenburg informierten sich über die Situation von Flüchtlingen.
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Die Schüler Chris Burmeister (v.l.) und Moritz Wittenburg informierten sich über die Situation von Flüchtlingen.

Landesflüchtlingsrat startet in Bützow Aufklärungstour durch Mecklenburg-Vorpommern.

svz.de von
21. April 2015, 17:56 Uhr

Ein Zelt, so groß, dass es sich zwei Camper darin gemütlich machen könnten. Allerdings müssen hier  acht Flüchtlinge  auf engstem Raum auskommen. Und das nicht für einen Wochenendausflug, sondern über Monate.   Unter welchen Bedingungen Flüchtlinge mitunter leben, konnten Interessierte gestern auf dem Bützower Marktplatz hautnah erleben.

Unter dem Eindruck der Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer  begann der Landesflüchtlingsrat seine Flüchtlingszelttour durch MV.  Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Flüchtlingsrates, gab unter dem Motto „Aufklären und aktiv werden statt hetzen!“ Einblick in das Leben  in Zeltlagern. Eines der  Zelte  der Vereinten Nationen  war auf dem Marktplatz aufgebaut:   Pro Kopf gibt es eine Decke, einen Blechteller, einen Löffel, eine Blechtasse und einen Topf pro Zelt. „Da weiß man, wie gut es uns geht. Ein Zelt ist ja kein richtiges Zuhause“, sagte Sabine Prescher aus Bützow als sie in dem Zelt steht. Keine zwei Wochen sei diese Unterkunft auszuhalten. Die Realität sieht anders aus, teilweise  leben die Flüchtlinge über Jahre in Zelten.

„Wenn man hier ein Jahr  verbringen muss, wird man schon durch die Umstände krank“, weiß Ulrike Seemann-Katz. Sie beantwortete Fragen, diskutierte und informierte. Rund 120 Flüchtlinge leben in der 7500-Einwohner-Stadt, Sie beantwortete Fragen, diskutierte und informierte. Rund 120 Flüchtlinge leben in der 7500-Einwohner-Stadt. „Ein Grund, weshalb wir das hier machen ist, damit ein Bild im Kopf entsteht“, erklärt die Vorsitzende. Denn auch in dem Zelt ist es nur schwer vorstellbar, wie Flüchtlinge täglich um ihr Leben kämpfen.

„Ich glaube, das große Problem ist die Menge der Menschen, die hier drin wohnen“, sagte Schüler Chris Burmeister vom Geschwister-Scholl-Gymnasium im Gespräch mit der Vorsitzenden. Moritz Wittenburg von der Käthe-Kollwitz-Schule pflichtete ihm bei: „Ich finde es ja schon jetzt ziemlich eng und auf längere Zeit mit vielen Menschen ist das ziemlich krass.“

Erklärtes Ziel der Aktion ist neben der Aufklärung, das von weltweit 56 Millionen Flüchtlingen in Zukunft deutlich mehr eine Chance auf ein besseres Leben bekommen. Aktuell verbleiben 80 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern und nur ein winziger Teil komme nach Europa. „Die Europäische Union muss da  was tun. Es kann nicht sein, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken“, forderte Seemann-Katz mit Blick auf das Flüchtlingsunglück bei Lampedusa vor wenigen Tagen.

Flüchtlinge, die es nach MV schaffen, haben hier einen Anspruch auf sechs Quadratmeter, ein Bett, einen Stuhl sowie einen eigenen oder einen Teil von einem Schrank und einem Tisch. Nicht viel, aber „das ist schon viel besser als das hier“, sagt Seemann-Katz im Zelt. „Deshalb machen mehr und mehr Menschen sich auf den Weg.“Weitere Stationen sind z.B. Güstrow (24. April), Stralsund (27. April), Torgelow (29. April) und Sanitz (30. April).

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