Bützow : Politische Kunstwerke

Für die Ausstellung im Kunsthaus stellt Johanna Brockmann zahlreiche Werke aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes zur Verfügung.
Für die Ausstellung im Kunsthaus stellt Johanna Brockmann zahlreiche Werke aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes zur Verfügung.

Neue Ausstellung im Kunsthaus zeigt Bilder von Fritz Brockmann

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20. September 2017, 09:00 Uhr

Politisches Denken prägte den Künstler Fritz Brockmann sein Leben lang. Der Kommunismus, dem er erst uneingeschränkt positiv und nach einer dramatischen persönlichen Erfahrung kritisch gegenüberstand, spielte in seinem Leben eine ebenso zentrale Rolle wie seine Kunst. So sind viele seiner Werke ein Spiegelbild für seine politische Einstellung. Einen Überblick über das Schaffen des vor vier Jahren verstorbenen Künstlers bietet die Ausstellung „Fritz Brockmann – Arbeiten aus dem Nachlass“, die am Sonnabend im Kunsthaus Bützow eröffnet wird.

„Ich hatte mir vorgenommen, anlässlich des 80. Geburtstages meines Mannes letztmalig eine Ausstellung zu machen“, sagt Johanna Brockmann. Etwa 60 Werke sind bei der Konzeption zusammengekommen. Die meisten der Bilder stammen aus dem Nachlass des Künstlers, einige sind private oder öffentliche Leihgaben.

Das inhaltliche und stilistische Spektrum der Ausstellung ist breit. Während in einem Raum viele abstrakte Werke dominieren, sind viele andere deutlich politisch motiviert. So zum Beispiel das Bild „Wo der Zweifel aufhört, beginnt die Dummheit“. „Es war mir wichtig, dass besonders diese politische Komponente gezeigt wird, da ihn das eben besonders auszeichnete“, sagt Johanna Brockmann. Aber auch Zeichnungen, Landschaftsmalereien und Unterrichtsanleitungen sind in der Ausstellung zu finden.

Dass er so viele Techniken beherrschte, sei seinem Studium zum Kunsterzieher zu verdanken, sagt Johanna Brockmann. Sein Wissen gab der gebürtige Schwaaner lange als Kunstlehrer am Gymnasium in Bützow weiter. Dort ereignete sich schließlich auch der Vorfall, der seinen politischen Idealismus zerstörte: Nachdem bei einem Schüler ein Brief gefunden wurde, in dem dieser Bürger der damaligen Sowjetunion verunglimpfte, wurde Fritz Brockmann zum Opfer des DDR-Systems. Der Brief rief nach einer Anzeige des Direktors die Staatssicherheit auf den Plan. Am Ende musste der parteilose Fritz Brockmann, der die Klasse des Briefschreibers leitete, aus dem Schuldienst ausscheiden. Er sei seiner Aufgabe, die Klasse politisch-ideologisch zu formen, nicht nachgekommen, hieß es damals. „Das war eine herbe Niederlage, von der er sich nie erholt hat“, sagt Johanna Brockmann.

Der Kunst widmete sich Fritz Brockmann verstärkt, nachdem er mit 55 Jahren Invalidenrentner wurde. „Sie wurde dann schnell zum Zentrum seines Lebens“, erzählt Johanna Brockmann. Sie selbst habe ihn dabei unterstützt und viel mit ihm darüber diskutiert.

Wegen der Episode am Bützower Gymnasium habe sie lange überlegt, wo die Ausstellung zu seinem Geburtstag stattfinden solle, sagt Johanna Brockmann. „Denn Bützow war für ihn danach ein rotes Tuch.“ Dennoch sei das Kunsthaus für sie am Ende die richtige Wahl gewesen. „Das rundet seinen Lebenskreis ab. Zumindest ist das mein Empfinden“, so Johanna Brockmann.

Kunsthausleiter Karl-Werner Zießnitz ist davon ebenso überzeugt: „Als ich 1970 nach Bützow kam, hatte Fritz Brockmann einen Malzirkel für Erwachsene geleitet. Das betrachte ich bis heute als Keimzelle der Bützower Malschule, die begrifflich so zwar noch nie benannt worden ist, aus der aber bis heute sehr viel Kunst hervorgebracht wird.“ Fritz Brockmann habe den Grundstein dafür gelegt und sei deshalb eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt.

Vernissage: Die Ausstellung „Fritz Brockmann – Arbeiten aus dem Nachlass“ wird am Sonnabend um 15 Uhr im Kunsthaus Bützow eröffnet.

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