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Menschenwürdiges Leben bis zum Tod : Palliativnetz: Altkreis Güstrow außen vor

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Im November startete im Landkreis Rostock ein Team für die häusliche Versorgung schwerkranker Patienten. Dabei ist der Altkreis Güstrow jedoch außen vor. Die sogenannte Palliativversorgung ist dort nicht gewährleistet.

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erstellt am 14.Dez.2012 | 07:13 Uhr

Bützow/Schwaan | Bereits seit 2007 haben schwerstkranke Patienten einen Rechtsanspruch auf eine "Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung" , um ihnen zu Hause ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod zu ermöglichen. Anfang November startete nun auch im Landkreis Rostock ein Team für die häusliche Versorgung schwerkranker Patienten. Dabei ist der Altkreis Güstrow jedoch außen vor. Die Verbesserung der Lebensqualität und Selbstbestimmung Schwerkranker ist in und um Güstrow nicht gewährleistet. "Im Raum Güstrow haben wir noch keinen Palliativmediziner", sagt Dr. Sven Hellwig, Oberarzt am Rostocker Südstadtklinikum und Leiter der dortigen Palliativstation. Er versucht gerade ein Palliativ-Netzwerk mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern im Landkreis aufzubauen.

Zu diesem Netzwerk sollen nicht nur Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten gehören, sondern auch Ernährungsberater, ambulante Hospizdienste und Apotheken. Über Hausärzte und Krankenhäuser kann dann bei Bedarf der Kontakt zu diesem Netzwerk hergestellt werden. Doch für den Altkreis Güstrow ist das alles noch Zukunftsmusik. Das Versorgungsgebiet des Palliativnetzes im Landkreis Rostock ist bisher auf den Bereich Bad Doberan, Kühlungsborn, Rerik, Kröpelin, Neubuckow, Schwaan und Satow beschränkt - also den Altkreis Bad Doberan. Für die Palliativmedizin sei eine gesonderte Ausbildung notwendig, so Hellwig. Einige Ärzte in Güstrow seien noch in der Ausbildung. "Derzeit können wir hier im Bedarfsfall nur beratend tätig sein", so der Oberarzt. Mittelfristig aber solle diese Palliativversorgung auch in Güstrow angeboten werden.

Der 44-jährige Hellwig weiß, dass schwerkranke Patienten gern die Möglichkeit in Anspruch nehmen, bis zu ihrem Tod zu Hause gepflegt zu werden. "Wir versorgen im Moment acht Patienten. Das ist mehr, als ich gedacht hatte", sagt er. Es zielt alles darauf ab, Symptome wie Luftnot, Angst, Unruhe oder Erbrechen zu lindern. Neben Patienten mit Tumor-Erkrankungen kann dieses Angebot der ambulanten Palliativversorgung auch Patienten mit Herz-, Lungen- oder Nervenerkrankungen betreffen.

Diese ambulante Paliativversorgung in dünnbesiedelten flächenländern zu gewährleisten sei natürlich schwierig, sagt Thomas Blum, Geschäftsführer der Warnow-Klinik in Bützow. Dort übergab das Land in dieser Woche gerade Fördermittel zum Ausbau der seit zwei Jahren bestehenden Palliativstation (SVZ berichtete). Zwei Ärzte der Klinik seien entsprechend ausgebildet. Eine Ärztin absolviere gerade eine Weiterbildung, um ab kommendem Jahr Berufskollegen in der Paliativmedizin ausbilden zu können. Die fehlende ambulante Versorgung müsse durch ein enges Netzwerk zwischen den Einrichtungen und den Hausärzten aufgefangen werden. "Das muss Hand in Hand gehen. Das funktioniert bei uns sehr gut", sagt Thomas Blum.

Auch Sven Hellwig legt Wert darauf, dass sein Angebot zusätzlich zu dem Angebot der Hausärzte greifen soll. "Wir können beratend zur Seite stehen, erweitern die Kompetenz, lindern Schmerzen, ersetzen aber nicht den Hausarzt", betont er. Zuerst wird von dem Palliativnetz ein individuelles Behandlungskonzept erstellt. Schmerztherapie, Notfallplan oder auch eine Notfall- und Kriseninterventionsbereitschaft gehören ebenfalls dazu. Für Hellwig ist eine psychosoziale Begleitung der Angehörigen fast ebenso wichtig. "Tod ist immer noch ein Tabu-Thema", so der Mediziner. Manche Familie bräuchte im Umgang damit Hilfe und Unterstützung.

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