Eickhof : Pächterin:Ich kann so nicht arbeiten

Pächterin Brit Abeln weiß nicht mehr weiter. Bei der Gemeinde werden ihre Sorgen stets belächelt.
Pächterin Brit Abeln weiß nicht mehr weiter. Bei der Gemeinde werden ihre Sorgen stets belächelt.

Gemeinde legt sich mit Brit Abeln auch vor Gericht an und zieht allerdings den Kürzeren. Sie will nun das Handtuch werfen, darf es aber nicht.

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20. Februar 2014, 16:05 Uhr

Es ist wohl einer der landschaftlich schönsten Plätze der Gemeinde Warnow: das Naturdorf Eickhof. 2006 wurde die Touristenstation an die Pächterin Grit Abeln übergeben. Alles schien auf einen guten Weg gebracht zu sein. Das dachte sich auch die neue Pächterin. Doch dann rollten ihr die Gemeindevertreter, wie sie selbst sagt, immer wieder dicke Steine in den Weg. „Seit Jahren kämpfe ich mit den Gemeindevertretern  um eine Verständigung sowie ein akzeptables Miteinander auf Augenhöhe. Und dabei geht es immer nur um den Betrieb des Naturdorfes“, betont sie. In dem mit der Gemeinde geschlossenen Pachtvertrag war es erklärter Wille der Kommune, dass das Naturdorf privatwirtschaftlich betrieben wird. Im realen Leben sah es jedoch anders aus: „Mitglieder der Gemeindevertretung, die sich vorher in dem Verein Naturdorf Eickhof engagiert hatten, wollten an ihrem – seinerzeit mit ABM-Kräften gestützten – Projekt festhalten. Sie hatten Schwierigkeiten, mich als Unternehmer und Arbeitgeber zu sehen, dachten eher ich sei auch eine ABM-Kraft“, erzählt sie. Die Gemeinde wollte stets mitbestimmen, wie sie das Unternehmen zu führen hatte. „Das ist sicherlich ein Wunsch, den viele verspüren. Der lässt sich in unserem täglichen Leben nur nicht realisieren“, fügt sie hinzu. Öffentliche Fördermittel gab es nicht mehr, ein Unternehmenskonzept musste her und das hatte Brit Abeln mit ihrem damaligen Partner auch erstellt und umgesetzt.

Selbst bei voller Auslastung ist es nicht wirtschaftlich

Vor über drei Jahren  kam es aufgrund von Entwässerungsarbeiten am Verwaltungsgebäude, die damals durch ABM-Kräfte durchgeführt wurden, zu einer Unterspülung des Hauses. „Ich konnte die Fenster nicht mehr schließen, im Mauerwerk waren fingerdicke Risse. Die Gemeinde gab uns die Schuld“, erinnert sich Brit Abeln an den ersten großen Krach. Denn die Kommune verklagte sie auf unterlassene Pflegemaßnahmen. Die Gemeinde verlor vor Gericht. Doch die Abgeordneten beschlossen, den Rechtsweg weiterzuverfolgen. Vor Gericht wurde ein Vergleich erwirkt. Der allerdings wieder zu Gunsten der Pächterin ausfiel. „Es kostete der Gemeinde erneut Geld und zudem wurde festgestellt, dass sie den Verpflichtungen aus dem Pachtvertrag nicht nachgekommen ist“, erklärt Brit Abeln. Die Gemeinde musste folglich die Verwaltungsbaracke sanieren.

Aber auch heute, drei Jahre später, sind die Fronten immer noch verhärtet. Die Pächterin hat in den vergangenen Jahren das Betriebskonzept überarbeitet. Mit ganz viel Arbeit und Engagement hat sie es geschafft, eine maximale Auslastung in den Sommermonaten zu erreichen. „Doch das hat auch gezeigt, dass die Anlage hier baulich an ihre Grenzen kommt. Die alte LPG-Abwasserentsorgung funktioniert bei voller Belegung nicht mehr. Die ganze Energieversorgung ist weder auf Nachhaltigkeit noch auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt. Die Nebenkosten sind somit extrem hoch. Dazu kommt der Pachtzins. Und selbst wenn alle Betten belegt sind, ist es nicht wirtschaftlich“, bringt sie ihr Problem auf den Punk. Seit mehr als zwölf Monaten versucht Brit Abeln, mit den Gemeindevertretern ins Gespräch zu kommen. Sie hat unzählige Briefe geschrieben. Vergebens. „Sie teilten mir mit, dass es ihnen egal ist!“ Und sie erhöhten die Pachtzinsforderungen.

Brit Abeln ist ratlos. Sie glaubt, die Gemeinde wolle das Naturdorf wieder selbst betreiben und reichte nun eine Kündigung des Pachtvertrages ein. Der läuft laut altem Vertrag allerdings bis 2020. Und sollte  die Gemeinde der Kündigung zustimmen, so müsste sie allerdings das private Kapital, das Grit Abeln eingebracht hat, wieder auszahlen. „Und das wollen sie auch nicht“, sagt sie und hebt die Hände fragend nach oben. Denn, was die Gemeinde mit diesem Verhalten bezweckt, kann sie sich nicht erklären. „Ich  frage mich immer wieder, warum man meine Angebote für ein persönliches Gespräch nicht angenommen hat. Angeboten habe ich es nun wirklich oft genug. Ich mag auch nicht länger zusehen, wie Steuergelder für unnötige Gerichtskosten ausgegeben werden. Ich schalte jetzt die Kommunalaufsicht ein“, erklärte sie gestern. Auch die untere Wasserbehörde habe sie bereits informiert, denn die Gemeinde habe  ihr Problem mit der Abwasserentsorgung  nur belächelt.  „Ich will hier nicht mehr gegen Gesetze verstoßen, weil die Gemeinde mich nicht ernst nimmt!“

Bürgermeister Siegfried Hoffmann wollte sich nicht recht zu diesem Problem äußern: „Was soll ich dazu sagen? Am besten sage gar nichts. Wir warten erst einmal ab“, meinte er gestern auf Nachfrage der Redaktion. Von einem Gesprächsbedarf wisse er nichts. „Das hätte sie mal sagen müssen. Wir wissen das ja nicht!“

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