Bützow : Oft blieben nur Schutt und Asche

Der Vorstand der Bützower Freiwilligen Feuerwahr im Jahre 1911. In der Mitte mit weißlockigem Bart Feuerwehrhauptmann Christoph Herbst.  Repro: Fritz Hoßmann (3)
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Der Vorstand der Bützower Freiwilligen Feuerwahr im Jahre 1911. In der Mitte mit weißlockigem Bart Feuerwehrhauptmann Christoph Herbst. Repro: Fritz Hoßmann (3)

Viele Brände im 19. Jahrhundert in Bützow / Sturmglocke und Nachtwächter riefen die Feuerwehr / Serie „Schuhkarton“, Teil 65

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28. Februar 2014, 17:49 Uhr

Rückblickend auf ihre Kinder- und Jugendzeit waren für Luise Goßrau, 1885 geborene Tochter des Kaufmanns Gustav Harm aus der Langen Straße, die immer wieder kehrenden Feuer unterhaltsame, spannende Ereignisse. Erst recht, wenn bei spektakulären Bränden von markanten Bauten der Kleinstadt nur Schutt und Asche übrig geblieben waren. So der Brand des großen Wohn- und Geschäftshauses von Kaufmann Reinnoldt an der Ecke Lange Straße/Gödenstraße (heute Kunsthaus), des sechsgeschossigen Speichers des Getreidehändlers Ahron am Markt (Hotel am Markt) oder der nebeneinander liegenden Häuser von Kaufmann Carl Rohde und Klempnermeister Louis Engel (Lange Straße 51 und 53 zwischen Markt Apotheke und Kaufmann Hollien). Spannend auch, wenn Vater Gustav angesichts des baulichen Zustands der Gebäude lange vor dem Brand taktvoll und diskret bereits die Bemerkung gemacht hatte: „Hier möss de leew Gott mal enen heet’n Rägen oewer gahn lat’n.“ Es war seine Art der Voraussage eines warmen Abrisses. Und merkwürdiger Weise brach das Feuer immer nachts aus.

Da dröhnte schaurig die Sturmglocke vom Rathaus durch die Nacht, ein Nachtwächter lief mit einem Nebelhorn durch die Straßen, das nur einen hässlichen Quäkton von sich gab. Ein anderer lief mit einer Feuerknarre, die durch Herumschwenken fürchterlich ächzte. Und dann noch das Rätätä des Hornisten der Feuerwehr. Nun waren auch die letzten Schläfer hellwach und hingen in geblümten Nachthemden und Nachtmützen aus allen Fenstern. „Füüer, Feuer“, schallte es von allen Seiten und aus allen Fenstern riefen sie: „Wo is datt Füüer?“ Der Nachtwächter mit dem quäkenden Nebelhorn antwortete mürrisch: „Dat weet ick nich! Mi hebb’ns seggt, ick süll blasen, un nu blas ick!“

Dann kamen auch schon von allen Seiten die Feuerwehrmänner angerannt, knöpften die Röcke zu und rückten die Helme zurecht. Die Ackerbürger preschten mit schweren Ackergäulen daher, die hinter sich die großen, auf Schlittenkufen stehenden Wasserkübel über das holprige Kopfsteinpflaster zogen. Wasser gab es nur aus der Warnow und von den an Straßenrändern stehenden Pumpen. Andere Gespanne sollten die Spritzen ziehen. Dann kam auch schon die Bürgerwehr mit den weißen Armbinden und den langen Abwehrlanzen zum Absperren des Brandplatzes. Und nach ihnen liefen neugierige Bützower, Jungen und Mädchen zum Spritzenhaus oder in Richtung Brandstätte, wenn sie schon weithin sichtbare Funken oder bereits in den Himmel schlagende Flammen irgendwo in der Stadt ausgemacht hatten. Da wurde versucht, Menschen, Vieh, Möbel, Betten, Waren zu retten. Und endlich kamen die ersten Spritzen. Da gab es noch die Konkurrenz zwischen der Städtischen und der Freiwilligen Feuerwehr. Welche Truppe zuerst am Geschehen war, bekam eine Prämie. Die Städtische hatte Pferde. Die wieselflinken Männer von der Freiwilligen liefen mit ihren Wagen von rechts nach links und von links nach rechts, damit nur ja nicht die Städtischen vorbei kamen. Und so war dann die Freiwillige die erste am Brandort. Und wo war ihr Schlauchwagen? Harre Gott, da hatten sie den Wagen im Spritzenhaus vergessen. Also begleitet von den deftigen Flüchen ihres Hauptmanns zurück zum Spritzenhaus und den Schlauchwagen geholt! Nun schnell die Schläuche aneinandergefügt. Harre Gott, harre Gott, wat wier dit nu wedder? Da passten die Verschlüsse nicht gleich zusammen, und wieder ergossen sich Flüche über die Feuerwehrleute. Endlich ertönte das Kommando „Waasserr marsch“

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserer Bützower Lokalausgabe der Schweriner Volkszeitung vom 1. März und im ePaper.
 

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