Dreetz : Obstbaumschnitt will gelernt sein

Der Obstgehölzpfleger Uwe Arnsberg zeigt Christian Neumann (l.) und Andreas Prestel, wie ein alter Obstbaum geschnitten wird und sorgt dafür, dass dieser etwa 80 Jahre alte Pommersche Krummstiel noch lange Früchte trägt.
Der Obstgehölzpfleger Uwe Arnsberg zeigt Christian Neumann (l.) und Andreas Prestel, wie ein alter Obstbaum geschnitten wird und sorgt dafür, dass dieser etwa 80 Jahre alte Pommersche Krummstiel noch lange Früchte trägt.

Für Statik und langes Leben: Experten zeigen, wie Gärtner ihre Pflanzen richtig stutzen.

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16. März 2020, 05:00 Uhr

„Wenn man Gartenbesitzer mit Obstbäumen ist, ist es doch gar nicht verkehrt, mal einem Gartenprofi beim Schneiden von Obstbäumen auf die Finger zu schauen.“ Christian Neumann aus dem Nachbarort Peetsch war neben Andreas Prestel aus Tarnow und Christoph Herbst aus Bützow einer der drei Interessierten, die den Obstbaumschnitt unmittelbar vor dem Ortseingang zu Dreetz gespannt verfolgten. Etwa 20 Bäume stehen hier auf der Wiese, um welche sich Diplombiologin und Botanikerin Anja Abdank, Diplomlandschaftsplaner Dirk Müller und Tochter Mareike Abdank, zertifizierte Obstgehölzpflegerin, mittels Pflegevertrag kümmern. Hier stehen Apfel-, Birn- und Kirschbäume aus der Siedlungszeit in den 30er-Jahren und Jungbäume, die bis 2009 gepflanzt wurden.

Während die Wiese jeden Mai und August mit der Sense gemäht wird, benötigen die Bäume den Pflegeschnitt eines oder mehrerer Fachleute. Neben Mareike Abdank und Dirk Müller zeichnet der aus Petersberg bei Schönberg stammende Obstgehölzpfleger Uwe Arnsberg für die Bäume bei Dreetz verantwortlich. „Seit Mitte der 90er-Jahre befasse ich mich mit dem Schneiden und Veredeln von Obstbäumen und dem Erhalt alter Obstsorten und seit 2002 arbeite ich als Obstbaumschneider und Baumpfleger mit Hilfe der Seilklettertechnik. Hier in Dreetz aber eher mit der Leiter. Dass daraus eine Leidenschaft geworden ist, liegt an den Erfahrungen mit den eigenen, selbstgepflanzten Obstbäumen und meiner Liebe zu leckeren Pflaumen.“ Sein Ziel beim Obstbaumschnitt: „Diese Bäume sollen langlebig sein, 80 bis 100 Jahre alt werden und auch solange Früchte tragen. Dazu benötigen sie ein stabiles Astgerüst.“ Im siebten Jahr ist der Fachmann jetzt dabei, die Dreetzer Obstbäume zu pflegen. „Nach dieser Zeit kann man an den Bäumen schon deutlich sehen, dass sie ein aufrechtes Grundgerüst entwickelt und dass alle nach dem letzten Schnitt wieder gut Trieb gemacht haben“, erklärt Uwe Arnsberg. „Jetzt kann man bei einigen schon langsam zulassen, dass sie im unteren Bereich Früchte tragen, weil das Gerüst stabil genug ist.“ Bei den erwachsenen Bäumen, also denen der 30er-Jahre, geht es dem Baumspezialisten darum, sie lange zu erhalten, sie nicht völlig vergreisen zu lassen, sie so zu schneiden, dass sie stabil bleiben. Hier kümmert er sich hauptsächlich um die Statik. Positiver Nebeneffekt: Sie verjüngen sich. „Es ist übrigens leichter, einen alten Baum am Leben zu erhalten, als einen jungen Baum so alt und groß werden zu lassen“, so die Erfahrung von Uwe Arnsberg.

Obstbaum des Jahres in MV ist übrigens der Pommersche Krummstiel. „Und er hat es verdient“, sagt Anja Abdank, „weil er eine uralte und heute seltene Mecklenburger Sorte ist.“

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