Schwaan : Nur Schwaan ein Storchenparadies

Erneut Bruterfolg in Schwaan: Wie im vergangenen Jahr konnten im Horst auf dem Tannenberg vier Jungtiere gezählt werden.
Erneut Bruterfolg in Schwaan: Wie im vergangenen Jahr konnten im Horst auf dem Tannenberg vier Jungtiere gezählt werden.

Auf dem Tannenberg wuchsen wieder vier Jungtiere heran, aber Negativtrend im Bereich des Altkreises Bad Doberan hält weiter an

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20. August 2016, 05:00 Uhr

Die Befürchtungen des Frühjahrs wurden wahr. „2016 ist das schlechteste Storchenjahr aller Zeiten im ehemaligen Landkreis Bad Doberan“, teilt Prof. Dr. Stefan Kroll mit, der die Entwicklung seit Jahren dokumentiert. Nur in Schwaan auf dem Tannenberg wuchsen vier junge Rotstrümpfe heran.

„Seit den ersten flächendeckenden Zählungen im Jahr 1901 hat es nie eine so geringe Anzahl an Horstpaaren gegeben“, erklärt Kroll. Und nie zuvor seien so wenige Jungstörche flügge geworden. Bei insgesamt 46 Horstpaaren wurden nur 34 Jungstörche gezählt, erklärt der Storchenexperte. Damit habe sich der Negativtrend der zurückliegenden Jahre fortgesetzt. Bereits im Vorjahr seien nur 67 Storchenjunge in 51 Horsten aufgezogen worden. „Damit hat sich die Population bei uns in den letzten zwölf Jahren halbiert. 2004 gab es noch 91 Horstpaare und 154 Nachkömmlinge“, blickt Kroll auf frühere Jahrgänge zurück.


Trockenheit ein Grund für fehlende Nahrung


Er benennt mehrere Ursachen für die Entwicklung. So kämpften die Störche, die in Ost- und Südafrika überwinterten, dort mit großen Probleme wie Dürre und Nahrungsmangel. Sie seien verspätet und mit schlechter Kondition in ihre hiesigen Brutgebiete zurückgekehrt. „Es kam dann zu ungewöhnlich zahlreichen Kämpfen an solchen Nestern, die schon durch fremde Störche besetzt waren. Dabei wurden etliche Gelege vernichtet“, schildert Stefan Kroll die Situation im Frühjahr. Andere Spätheimkehrer hätten gar nicht mehr mit der Brut begonnen. Hinzu kam die große Trockenheit im Mai und Juni. „Es fiel fast kein Regen“, zählt Kroll einen weiteren wichtigen Fakt auf. So habe Adebar nicht genug Nahrung für den Nachwuchs gefunden. „Ganze Bruten verhungerten in den Nestern, wie zum Beispiel in Satow, wo gleich vier tote Jungstörche aus dem Nest geholt wurden. Insgesamt blieben 61 Prozent der Paare ohne Bruterfolg. Auch das ist ein trauriger Negativrekord“, stellt der Tierschützer mit Blick auf die vergangenen Jahre fest.


Vierlinge und Drillinge bleiben die Ausnahme


Neben den vielen bedrückende Beobachtungen konnten die Naturfreunde aber auch einige schöne Momente festhalten. Auf dem Tannenberg in Schwaan wurden wieder vier Jungstörche flügge, wie bereits im zurückliegenden Jahr. Nur in Wendfeld bei Sanitz wären noch drei Störche großgezogen worden. Sonst habe es maximal nur ein Geschwisterpaare gegeben.

Zu den wenigen positiven Nachrichten des Jahres 2016 gehörten einige Neuansiedlungen. „In Sildemow bei Rostock brüteten zuletzt vor 40 Jahren Störche. Auch Mönchhagen hat nach langer Pause wieder klappernde Rotschnäbel“, berichtet Stefan Kroll. In Hohen Luckow habe ein Storchenpaar nach fünfjähriger Unterbrechung eine Nisthilfe angenommen, nachdem diese versetzt worden war. In Neu Rethwisch hingegen seien die beiden Jungtiere verhungert. Dort hatten sich vor 25 Jahren das letzte Mal Störche niedergelassen.

Viele andere Nester blieben leer, in denen zuvor noch gebrütet wurde, wie zum Beispiel in Rukieten. Die Tierschützer um Stefan Kroll machen aber weiter. Mit Unterstützung der Bauernverbände Bad Doberan und Bützow seien auch in diesem Jahr wieder 32 Jungtiere im Bereich des ehemaligen Landkreises Bad Doberan beringt worden, 15 weitere im Altkreis Bützow.

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