Bernitt : Nonne und Mönch auf Kirchdach

Blick unters Dach der Bernitter Kirche: Über den riesigen Kuppelgewölben spannt sich die Dachkonstruktion, wie sie vor 800 Jahren gesetzt wurde.
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Blick unters Dach der Bernitter Kirche: Über den riesigen Kuppelgewölben spannt sich die Dachkonstruktion, wie sie vor 800 Jahren gesetzt wurde.

Sanierungsarbeiten am Kirchenschiff in Bernitt haben begonnen.

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15. Januar 2018, 21:00 Uhr

Mit Getöse rollt der Bauschutt durch das große Fallrohr, landet auf dem Anhänger, der am Fuße der Bernitter Kirche bereitsteht. Staubwolken steigen in den Himmel. Bis zum Jahresende soll das rund 800 Jahre alte Gotteshaus ein neues Dach bekommen. Rund 200 000 Euro werden investiert, sagt Christian Meyer, Pressesprecher vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg. Möglich wird das unter anderem durch zahlreiche Spenden und den Einsatz von Einwohnern des Dorfes. Die trafen sich jetzt zu einem zweiten großen Arbeitseinsatz.

„Ich bin selbst überrascht, wie viele gekommen sind“, sagt Steffen Daebeler vom Verein „Kirche belebt“. „Manche habe ich hier in der Kirche noch nie gesehen. Das ist toll.“ Über 20 Frauen und Männer sind mit Schaufeln und Eimern unterm Kirchendach in Aktion, um den „Dachboden“ rund um die riesigen Gewölbe freizuräumen. Dort legen seit Mitte des vergangenen Jahres die Zimmerleute Hand an. „Das Dach hängt an einigen Stellen mächtig durch“, erklärt Steffen Daebeler. Deshalb müsse die Dachkonstruktion saniert, müssen Sparren ausgetauscht werden. Vor allem Tischlermeister Stephan Linde kümmere sich darum. Aber auch sein Bruder Frank Linde greift mit zu, erzählt Daebeler.

Die gotische Kirche aus behauenen Granit- und Backsteinen stammt aus dem 13. Jahrhundert, erzählt Christian Meyer. Das Kirchenschiff wurde um 1280 gebaut. Der Kirchturm aber erst später, er sei im 15. Jahrhundert errichtet worden. Aus jener Zeit stamme auch der geschnitzte Flügelaltar. Die zwei Glocken seien schon 100 Jahre älter. Die wurden vor knapp zehn Jahren demontiert, restauriert und dann wieder eingebaut.

Nun soll das Dach des Kirchenschiffs in Schuss gebracht werden. Sind die Zimmermannsarbeiten vorangeschritten, soll im Frühjahr die Kirche eingerüstet und das Dach neu eingedeckt werden. „Dabei werden alle Ziegel aufgenommen und die, die noch gut sind, sollen wiederverwendet werden“, erklärt Christian Meyer. Das Dach der Kirche besteht aus Biberschwänzen, aus Nonnen und Mönchen, wie die beiden unterschiedlichen Ziegelarten auch genannt werden, sagt Daebeler.

Die Sanierung des Kirchendachs steht finanziell auf mehrere Beinen. Bereits vor mehr als drei Jahren konnte sich der Verein „Kirche belebt“ über eine 100 000-Euro-Spende von Windanlagenbauer Heinz Meemken von der Firma MBBF freuen. Das Geld ist zum Teil bereits gut angelegt. Es wurde unter anderem für die Sanierung der Orgel in Moisall verwendet, ein Teil für Sanitäranlagen auf dem Pfarrhof, auf dem jedes Jahr im Sommer ein großes Kindercamp stattfindet. Nun kommt auch die Kirche Bernitt in den Genuss dieser Zuwendung. Die weitere Finanzierung wird durch Patronatsmittel sowie von der Kiba-Stiftung (Kirchliches Bauen) mit 20 000 Euro, von der Stiftung „Kirchliches Bauen Mecklenburg“ mit 16 600 Euro und von der Marlis-Kressner-Stiftung Hamburg mit 10 000 Euro getragen.

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