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20 Fragen : „Nörgeln löst keine Probleme“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Im SVZ-Interview verrät Siegfried Rau aus Witzin, warum er Kanzlerin Angela Merkel bewundert und was er sich für die Zukunft vornimmt

Als Pastor ist Siegfried Rau für die Kirchengemeinden Tarnow und Witzin zuständig. Außerdem engagiert sich der 63-Jährige ehrenamtlich in der Notfallseelsorge. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt Siegfried Rau in Witzin. SVZ-RedakteurinChristina Milbrandt stellte ihm die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Da wo sich meine Frau mit mir wohlfühlt. Und die Kirche in Boitin. Es ist ein wunderbarer Gebetsort.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Ich denke, ein Bürgermeister ist nicht dazu da, das zu ändern, was gerade für ihn wichtig ist. Die Probleme in der Gesellschaft haben zuerst nichts mit äußeren Defiziten, sondern mit inneren Haltungen zu tun. Ich würde mit den Gemeindevertretern darüber reden, wie wir in unserem Ort ein gutes menschliches und tragfähiges Wir-Gefühl schaffen können, so dass möglichst viele Menschen, die im Boot sitzen, auch miteinander rudern. Wenn das geschieht, kommt das Boot auch in die richtige Richtung in Fahrt und das muss nicht unbedingt nach meinem Willen gehen.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Das ist sehr schwer zu formulieren. Ich bin immer unterwegs.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als ich Kind war, wurden die Herbstferien noch Kartoffelferien genannt, das heißt, wir haben in den Ferien jeden Tag bei der Kartoffelernte auf der LPG geholfen. Damals mussten die Kartoffeln noch mit der Hand in Körbe gesammelt werden. Für einen Korb gab es zehn Pfennig.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Das weiß ich nicht mehr.
Was würden Sie gerne können?
Ich würde gern arabisch sprechen können, damit ich mich mit den Flüchtlingen aus Syrien gut unterhalten kann.
Was stört Sie an anderen?
Die Gleichgültigkeit. Es gibt so viele Fragen und Probleme, die wir beantworten und meistern müssen. Aber viele Menschen leben so, als wenn es sie gar nichts anginge. Wenn unsere Kanzlerin sagt: „Wir werden es schaffen“, dann meint sie doch uns als ganze Gesellschaft. Durch abwartendes Zuschauen und ängstliches Nörgeln wird aber kein Problem gelöst. Aber ich hoffe, dass die vielen ehrenamtlichen und freiwilligen Helfer, es miteinander schaffen werden, damit der Name Deutschland nicht nur durch Fußballspieler in der Welt einen guten Klang bekommt.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Im Sommer stand in der Zeitung, Mecklenburg und Deutschland verlieren immer mehr an Bevölkerung. Nun erleben wir einen nie gekannten Zuzug von Menschen, die gern mit uns in unserem Land leben und arbeiten wollen. Ist das nicht zum Lachen, dass all unsere Hochrechnungen zum Lachen sind.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich hatte einer Frau versprochen, dass ich sie gleich nach dem Urlaub besuchen werde. Dann kam aber so viel dazwischen und als ich sie endlich besuchen wollte, war sie zwei Stunden vorher gestorben. Das tut weh.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Das Wort „Held“ mag ich nicht. Ich freue mich aber, dass es heute einen Papst Franziskus gibt. Wenn wir solche Päpste vor 500 Jahren gehabt hätten, dann wäre die Kirche durch die Reformation Martin Luthers erneuert und nicht gespalten worden. Ich bin stolz auf unsere Kanzlerin, die uns ins Herz schreibt, dass die Barmherzigkeit alternativlos ist in unserer deutschen Gesellschaft.
Welches Buch lesen Sie gerade?
„Die Hütte“ von William Paul Young. Ein Roman, in dem der christliche Glaube in seinem Wesen wunderbar vorgestellt wird. In diesem Roman habe ich den Gott, an den ich seit meinem 18. Lebensjahr glaube, ganz neu entdeckt.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Die Anstalt. Eine Kabarettsendung, die eigentlich um 20.15 Uhr gesendet werden müsste.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Fußball und Karneval sind nicht meine Welt. Ich mache lieber mit Kindern am 11.11. einen Laternenumzug zum Martinstag und erzähle den Kindern von St. Martin, einem der Väter des christlichen Abendlandes.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Helmut Schmidt – obwohl ich ein leidenschaftlicher Nichtrauer bin.
Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Ich kann nicht kochen. Bevorzuge aber die deutsche Küche und bin offen für jede Abwechslung.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus dem Oratorium Elias. Immer wenn wir diese Musik hören, liegen meine Frau und ich uns in den Armen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Meine Frau hat mir vorgestern einen neuen Anzug gekauft (denn ich gehe nicht gern einkaufen) und hat mich mit leuchtenden Augen angesehen, als er mir auf Anhieb passte.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich möchte zum 70. Jahrestag Israels 2018 nach Jerusalem fahren und dann mit den Israelis und Palästinensern ein großes Friedensfest feiern.
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?
Ich werde viel lesen. Werde weiter als Notfallseelsorger arbeiten. Wenn ich irgendwann einen Bienenschwarm einfangen kann, werde ich vielleicht auch wieder selber Honig schleudern. Ich möchte mit meinen Enkelkindern die Welt neu sehen lernen und ihnen davon erzählen, was in meinem Herzen ist.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Zwei alte Männer aus Tarnow. Dietrich Damken (78) oder Heinrich Mauck (80) Sie sind Rentner, die mit beiden Beinen, freundlich, hilfsbereit und bescheiden mitten im Leben stehen.

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