Bützow : Neuartiger Fahrstuhl für Bützows Plattenbauten

Neuartiger Fahrstuhl für Plattenbauten: Er wird ins Treppenhaus eingezogen und nicht in einen Anbau vor dem Haus.
Neuartiger Fahrstuhl für Plattenbauten: Er wird ins Treppenhaus eingezogen und nicht in einen Anbau vor dem Haus.

Die Bützower Wohnungsgesellschaft lässt ein prämiertes Konzept am Leninring verwirklichen

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21. März 2018, 05:00 Uhr

Eine neue Art von Fahrstuhl für Plattenbauten wird die Bützower Wohnungsgesellschaft im Gebäude Leninplatz 8 bis 10 in Bützow einbauen lassen. Die Lifte werden die Nummern sechs, sieben und acht dieser Art im Land Mecklenburg-Vorpommern sein. Die Sanierung des Blocks und die neuen Aufzüge werden etwa eine Million Euro kosten. Das Land stellt dafür Fördermittel bereit, wie Büwo-Geschäftsführerin Monika Gräning informiert.

Die Lifte werden dabei auf einer Treppenseite im Haus eingebaut und nicht, wie sonst, in einen Anbau vor dem Gebäude. Vorteil: Die Wohnungen auf allen Etagen sind vom Fahrstuhl aus ohne jede Treppenstufe zu erreichen.

Der neue Typ Fahrstuhl gewährleistet keine Barrierefreiheit, wie sie das Gesetz für Neubauten verlangt. Die Vorgaben für Barrierefreiheit gelten nicht bei älteren Häusern. Das ist laut Monika Gräning auch aus praktischen Gründen gar nicht nötig. Denn: Was hilft es, wenn der Fahrstuhl die vorgeschriebene Mindestbreite von 90 Zentimetern für Barrierefreiheit hat, die Türen in der Wohnung aber nicht ebenfalls so breit sind? Gräning spricht daher von einer „Barrierearmut“.

Die Büwo überlegte, ob Aufzüge eingezogen oder in einem Anbau angebaut werden sollten, nachdem Monika Gräning von dem neuen Konzept gehört hatte. Die Wohnungsgesellschaft hat sich für das um ein Drittel teurere Verfahren entschieden: Ein neues Treppenhaus wird vor die Eingänge gebaut, und anstelle einer bisherigen Treppenseite wird ein Fahrstuhl installiert. Die Mieter müssen dabei nicht für den Umbau ausziehen.

Das Fahrstuhl-Prinzip kann so beschrieben werden: Wer durch die Haustür geht, wird keine Treppe mehr auf der rechten Treppenhaus-Seite finden – weder in den Keller, noch von einem Stock in den jeweils darunter liegenden. Wer in den Fahrstuhl geht und in ihm hoch fährt, kann zuerst in der Hochparterre halten sowie auf allen anderen Stockwerken. Normalerweise halte ein Fahrstuhl auf dem Zwischengeschoss, ein paar Stufen blieben also noch bis zur Wohnung, erläutert Gräning.

Bei dem neuen Konzept aber halte der Aufzug auf der Wohnungsebene. So könnten Rollstuhlfahrer vorn in den Aufzug fahren und im so genannten Durchlader-Prinzip auf der hinteren Seite ohne Wenden weiter zur Wohnung.

Der Aufzug sei innen immer so breit, wie es der Platz zulasse, so Gräning. Er fahre auch in den Keller, der zu Fuß nur von der Hinterseite des Gebäudes aus erreichbar sei. Insgesamt hat der Fahrstuhl also sechs Haltepunkte: Keller, Hauseingang sowie die vier Wohnetagen

Hintergrund: Patent für diese Konstruktion

Thorsten Fichtler, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Fichtler in Krassow,  hat diesen neuen Fahrstuhl-Typ entwickelt. Er hält für die innenliegende Fahrstuhlanlage das Patent.  Außerdem erhielt das Konzept den VR-Innovationspreis 2015 und ein Jahr später den Bayrischen Staatspreis im Bereich Technik.

Mit dieser Lösung können ältere Menschen länger in ihren Wohnungen und damit in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, ohne Treppen steigen zu müssen. Auch jüngere Bewohner profitieren natürlich von dieser Neuerung. Zurzeit entsteht ein solcher Fahrstuhl im Ort Proseken, westlich von Wismar. In Bützow werden die Exemplare sechs bis acht gebaut.

Das Standard-Außenmaß für einen solchen Fahrstuhl beträgt bei den Plattenbauten 1,13 Meter. Die beiden Prototypen in Dorf Mecklenburg hatten eine Innenbreite von 80 Zentimetern und eine Tiefe von 1,45  Meter.

„Wir entwickeln zurzeit einen Fahrstuhl mit 90 Zentimetern Innenbreite“, sagte Marianne Reintrog für die Fichtler Unternehmensgruppe. Dann fördere die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Einbau dieses Lifts.

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