zur Navigation springen

Radikaler Kahlschlag im Naturschutzgebiet : Naturschutz oder Naturfrevel?

vom

Im "Tieplitzer Eichgraben" im Naturschutzgebiet "Lenzer See/Upahler See" zwischen Groß Upahl und Tieplitz zeigen Fotos das, was "Anwälte der Natur" anklagen. Wir gingen dem anonymen Hinweis nach und fanden Erstaunliches.

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 06:04 Uhr

Tieplitz | Im "Tieplitzer Eichgraben" im Naturschutzgebiet "Lenzer See/Upahler See" zwischen Groß Upahl und Tieplitz zeigen Fotos das, was "Anwälte der Natur" anklagen. SVZ ging dem Schreiben, obwohl es anonym in unserer Redaktion einging, trotzdem nach. Kritisiert werden eine "drastische Wasserlaufregulierung- und vertiefung mit schwerem Baggergerät, Abholzung und Verstümmelung von Bäumen und Sträuchern, Abtransport des Holzes in erheblichem Umfang, Beseitigung und Einplanierung jeglichen Bewuchses im ausgedehnten Uferbereich, einschließlich der Nass- und Feuchtbiotopflächen (Brutplatz von Kranichen)". Als "gesetzwidrigen und kriminellen Eingriff in ein Naturschutzgebiet" fassen die Kritiker dieses Vorgehen auf, zumal - darauf weisen sie besonders hin - an der Straße ein amtliches Schild dieses Gebiet als "Naturschutzgebiet" ausweist.

Aufbegehren von mehreren Landwirten in Region

SVZ erkundigte sich beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Rostock (Stalu) nach den Hintergründen. Mitarbeiterin Iris Kossow bestätigte gegenüber unsere Zeitung, dass alle Arbeiten im Einvernehmen laut Naturschutzgebietsverordnung zwischen dem Staatlichen Amt und dem Wasser- und Bodenverband "Nebel" erledigt wurden. Gegen Gesetze sei somit nicht verstoßen worden. Hintergrund der Aktion war ein Aufbegehren von mehreren Landwirten in der Region. Demnach sei das Problem der seit 2004 über einen halben Meter gestiegene Wasserspiegel des Lenzer Sees. Das bestätigt Kossow. Dadurch habe sich ein Rückstau in den Drainagen entwickelt. Durch den würden alle Senken voll- und überlaufen. Die Landwirte hätten daraufhin alleine Durchlässe geöffnet bzw. den Verband gebeten, den Ablauf des Lenzer Sees zu fluten. Der sei jedoch, so Kossow, über Jahrzehnte zugewachsen.

Der Wasser- und Bodenverband habe daraufhin, dass bestätigt Geschäftsführer Edgar Held, eine Firma beauftragt, den Ablauf frei zu räumen. Auch wenn es "radikal" aussehe, räumt Kossow ein, sei die Firma aus Sicht der Behörde richtig vorgegangen. "Es ist so gearbeitet worden, dass wir dort jetzt zehn Jahre nicht mehr eingreifen müssen", betont Iris Kossow. Die Weiden mussten so gekröpft werden, erklärt sie Einzelheiten, weil sie drohten auseinander zu brechen. Dabei sei viel Holz angefallen, sagt sie gegenüber SVZ.

Die Stalu-Mitarbeiterin fasst zusammen: "Es war keine Grundräumung, sondern es wurden die Abflussverhältnisse wieder hergestellt. Durch die Witterung - Frost und Tauwetter - wurden die Uferränder aber in Mitleidenschaft gezogen. An einer Stelle wurde mit dem Bagger eine dicke Erle beschädigt. Eine Gefahr für den Baum besteht aber nicht. Iris Kossow bestätigt außerdem, dass eine Tieplitzer Landwirtin eine Genehmigung vom Stalu erhalten habe, in dem Naturschutzgebiet "Lenzer See/Upahler See" 40 Weiden zu köpfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen