Zahl der Brutpaare geschrumpft : Naturfreunde besorgt: weniger Störche

Landwirt  Christoph  Roscher  war sowohl im Juni 2011 als auch 2012 beim Beringen dabei. Er sorgt dafür, dass die Fachleute sicher mit der Hebebühne zu den Storchennestern gelangen. Nadine Schuldt
Landwirt Christoph Roscher war sowohl im Juni 2011 als auch 2012 beim Beringen dabei. Er sorgt dafür, dass die Fachleute sicher mit der Hebebühne zu den Storchennestern gelangen. Nadine Schuldt

Eine Besorgnis erregende Entwicklung registrieren Naturfreunde: Zum sechsten Mal in Folge ist die Anzahl der Weißstorchpaare im alten Landkreis Bad Doberan gesunken. 2012 konnte Stefan Kroll nur noch 50 Brutpaare zählen.

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27. September 2012, 07:02 Uhr

Schwaan | Eine Besorgnis erregende Entwicklung registrieren Naturfreunde: Zum sechsten Mal in Folge ist die Anzahl der Weißstorchpaare im alten Landkreis Bad Doberan gesunken. 2012 konnte der seit sechs Jahren für den Kreis zuständige Weißstorchbetreuer Stefan Kroll nur noch 50 Brutpaare zählen. "2011 waren es noch 54 und 2003 sogar noch 94", macht er auf einen neuen Tiefststand aufmerksam.

Auch für den Bereich Schwaan ist der Trend alarmierend: Im Bereich des Amtes ist die Entwicklung besonders negativ verlaufen. "Wurden hier 2009 noch neun Storchenpaare zur Brutzeit registriert, waren es in diesem Jahr nur noch ganze drei", sagt Stefan Kroll. Dementsprechend wuchsen lediglich im Nest am Schwaaner Tannenberg drei sowie in Benitz zwei Jungstörche heran. Auf dem traditionsreichen Nest in der John-Brinkman-Straße verendeten leider die mindestens drei geschlüpften Jungstörche Ende Mai, berichtet Kroll weiter. Die genaue Ursache ließ sich nicht feststellen, am wahrscheinlichsten ist eine Krankheit der Küken. Besonders traurig: Auch im Vorjahr starb der gesamte Storchennachwuchs dieses Nestes, damals war anhaltender Starkregen im Juli verantwortlich. Zuvor waren auf dem ehemaligen Pflegeheim fast 30 Jahre lang in jedem Sommer Jungstörche groß geworden.

In Bröbberow wurde gar nicht gebrütet, dort traf nur die beringte Störchin des Vorjahres ein, ihr Partner blieb aus. In Hof Tatschow und dem mächtigen Horst in Zeez hielten sich in diesem Jahr nur ganz kurz Störche zur Brutzeit auf und verschwanden dann wieder. Und auch auf den seit 2010 verwaisten Nestern in Klein Grenz, Rukieten, Göldenitz und Kambs blieb es 2012 weitgehend ruhig - Storchenpaare etablierten sich dort nicht.

Generell war es nicht Adebars optimale Saison. Viele Störche trafen in diesem Jahr später ein als üblich, berichtet Experte Kroll. So waren bis zum 5. April erst sehr wenige Nester besetzt. Schlechtes Wetter auf den Zugwegen in Afrika und Osteuropa waren der Grund. Und auch nur 36 der 50 Brutpaare hatten Nachwuchs. Die zogen zwar insgesamt 73 Jungstörche groß - 2011 waren es 72 - doch das ist zu wenig, um den Bestand halten zu können. Erforderlich wären durchschnittlich zwei ausfliegende Jungstörche pro Paar, also insgesamt 100 gewesen. Elfmal wurden drei Jungstörche flügge, siebzehnmal waren es zwei und sechsmal zogen die Storchenpaare "Einzelkinder" groß. Vierfachen Nachwuchs gab es dieses Jahr an keinem Nest und 14 Paare blieben gänzlich ohne Bruterfolg. Diese Verteilung deutet auf ein sehr mäßiges Nahrungsangebot hin. Eine Ursache liegt weiterhin im ständig voranschreitenden Verlust an Nahrungsflächen, erklärt der Experte.

Hinzu kam an Negativfaktoren in diesem Sommer aber auch die anhaltend trockene Witterungsphase in der zweiten Mai- und der ersten Junihälfte. Hier fehlte es vor allem an zugänglichen Regenwürmern, der Hauptnahrung für die noch ganz kleinen Storchenküken. Die anhaltenden und intensiven Regenfälle am 24. und 25. Juni forderten dagegen besonders unter den spät geschlüpften Küken, die zu dieser Zeit noch kein ausreichend schützendes Gefieder besaßen, erhebliche Verluste.

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