Bützow: Marodes Haus stürzt weiter ein : Nächtliches Erdbeben - jetzt reichts

Ein Anblick wie in Nachkriegszeiten:  Klaus Krüger reichts. Denn gerade erst stürzten wieder Mauerteile vom maroden Nachbarhaus herab. Evelyn bubber-Menzel
Ein Anblick wie in Nachkriegszeiten: Klaus Krüger reichts. Denn gerade erst stürzten wieder Mauerteile vom maroden Nachbarhaus herab. Evelyn bubber-Menzel

Als Klaus Krüger und seine Frau Gudrun gerade im Bett lagen, da ging draußen ein "Erdbeben" los: Auf ihrem Nachbargrundstück Pfaffenstraße 4 brach das schon seit Jahren baufällige, alte Haus weiter in sich zusammen.

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08. November 2010, 10:23 Uhr

Bützow | Was Klaus Krüger schon seit langem befürchtet hatte, trat in der letzten Woche ein. Steine flogen umher und es rumste, als würde sich die Erde auftun, erzählt Krüger. "Wir haben genau an der Seite unser Schlafzimmerfenster. Unser ganzes Haus hat gebebt. Es waren ja immerhin ein paar Tonnen Mauerwerk, die da nebenan runter kamen. Zum Glück ist es nicht in unsere Richtung, sondern zur anderen Seite gekippt", sagt der Bezirks-Schornsteinfegermeister. Sofort waren die Krügers auf den Beinen, um sich das beängstigende "Erdbeben" nebenan mit der Taschenlampe genauer anzusehen. "Es staubte und unser ganzer Garten lag voller Steinsplitter. Auch das Dach von unserm Holzüberstand wurde beschädigt", sagt er. Und er mag gar nicht daran denken, was hätte passieren können, wenn der Einsturz am Tage passiert wäre und jemand im Garten gewesen wäre, dem dann die Steinteile um die Ohren geflogen wären. Klaus Krüger jedenfalls reicht der unwürdige Zustand seines maroden Nachbarhauses, den er schon seit Jahren ertragen muss, schon lange. Und dies nicht nur, weil er von seinem eigenen, kleinen Garten aus auf eine Ruine schauen muss, die aussieht, als wäre der Krieg gerade vorbei. Krüger fürchtet, dass ihm das marode Mauerwerk mal komplett auf sein Gehöft kippen könnte. Mit aller Kraft kämpft er deshalb seit 2004 um den Abriss dieses Schandflecks mitten in Bützow. Er mobilisierte Stadtverwaltung und Landkreis. Letzterer ist für das Gebäude zuständig, weil sich kein Eigentümer mehr dafür findet. Hin und wieder sei auch mal jemand zum Gucken gekommen, passiert aber sei nichts. 2009 sei ihm vom Bauamt des Landkreises gesagt worden, es sei kein Geld da. "2010 sollte nun endlich was losgehen. Angeblich hatte das Bauamt des Landkreises sogar schon Angebote von Abrissfirmen eingeholt. Doch dann ging das Verklapse wieder los, dass kein Eigentümer da sei und so. Und passiert ist wieder nichts - außer dem nächtlichen Mauerrutsch", ärgert sich Klaus Krüger.

Dennoch ist auf Behördenseite nun etwas in Bewegung gekommen. Das Problem sei bisher gewesen, dass kein Eigentümer für das Grundstück greifbar war, von dem sich der Landkreis seine Ausgaben für Abriss oder Sicherung zurückholen könnte. Nun aber sei ein gesetzlicher Vertreter berufen worden, der die Aufgaben eines Eigentümers wahrnimmt, so dass der Landkreis seine Kosten jetzt ins Grundbuch mit eintragen lassen könne", sagt Bürgermeister Sebastian Constien. Jetzt sei auch eine Zwangsversteigerung möglich.

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