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Vereine in der Region : Nachsitzen für Hundebesitzer

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Im Schwaaner Hundeverein werden Hunde ausgebildet, aber auch Herrchen und Frauchen zum richtigen Umgang „erzogen“

von
erstellt am 25.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Der Verlockung eines leckeren Stücks Torte zu widerstehen, das vor einem steht, ist schwer. So in etwa muss es wohl einem Hund gehen, der sein Leckerli erst anrühren darf, wenn sein Halter es erlaubt. Dass der Vierbeiner nicht ungehalten über das Leckerchen herfällt ist eine Sache der Erziehung und Disziplin, die Hund und Mensch unter anderem beim Schwaaner Hundeverein erlernen können. Hier werden seit vielen Jahren Tiere – aber eben auch ihre Halter – ausgebildet.

„Den Verein gibt es seit 1997“, berichtet Petra Spillmann, zweite Vorsitzende. Zunächst war der Verein im Gewerbegebiet angesiedelt, inzwischen befindet sich das Vereinsgelände am Abzweig nach Letschow. Insgesamt 79 Mitglieder zählt der Verein. „Damit sind wir der größte in Mecklenburg Vorpommern“, verrät Spillmann.

Neue Vereinsmitglieder sind jederzeit willkommen und können sich den verschiedenen Gruppen anschließen.

Dabei legen die Hundenarren aber keinen besonderen Wert auf reinrassige Tiere. Im Vordergrund stehe der Spaß und die Freude im Umgang mit dem eigenen Vierbeiner. Die meiste Arbeit seien aber die Zweibeiner. Denn bei der Ausbildung würden die Hunde 30 Prozent, der Mensch die übrigen 70 Prozent ausmachen. „Man kann, was der Hund mitbringt, nicht ändern“, so die Ausbilderin. Die größten Probleme seien aber schlechte Erziehung und fehlende Leinenführigkeit. „Viele trauen sich die Erziehung nicht zu“, weiß Spillmann inzwischen aus jahrelanger Erfahrung. „Meistens reagiert der Mensch verkehrt“, fügt sie an. Nicht selten kämen die Hundebesitzer deshalb erst, wenn sie Sorgen mit ihrem Vierbeiner haben.


Mit dem Vierbeiner durch die Pupertät


Wer einen Hund hat oder sich einen anschaffen möchte, kann mit ihm in den verschiedenen Gruppen trainieren. So gibt es für die ganz Kleinen das Welpenspiel. Die kleinen Hunde dürfen hier zwar in einer Tobehecke nach Herzenslust spielen, lernen aber auch die Leinenführung kennen. Darüber hinaus kommen sie mit anderen Hunden zusammen und lernen Sozialverhalten, aber auch wichtige Elemente, wie in verschiedenen Situationen nicht zu erschrecken.

„In der Junghundeausbildung wird das fortgeführt“, so die zweite Vorsitzende. Sind die Hunde ein halbes Jahr alt, verlassen sie die Welpenrunde. Die Jungtiere befinden sich dann in der „Hundepupertät“. Die Vierbeiner stärken in dieser Gruppe die Bindung zu ihrem Halter und lernen erst Kommandos. Lernen müssen aber vor allem Herrchen und Frauchen, wie sie ihren Hund richtig führen. Anspruchsvoll wird es beim Agility-Training. Hier müssen die Hunde Hindernisse, Hürden oder Tunnel überwinden. Die Herausforderung besteht oft darin, dass die Hunde nicht wild durch den Parcours sausen, sondern beispielsweise „mindestens eine Kralle auf die Markierung am Balken legen“, erklärt Spillmann. Das ist für den Mensch ganz leicht, für die Hunde tatsächlich aber ganzschön schwer, weiß Spillmann.

Eine weitere Gruppe widmet sich der Fährtenausbildung. „Das ist schon ziemlich anstrengend“, so Spillmann. Denn es braucht viel Geduld und Zeit, auch wenn schon Welpen ihre Leckerlis auf kurze Distanzen mit der Nase aufspüren können. Das Kontrastprogramm zur Fährtensuche, wo vor allem mit dem Belohnungsprinzip gearbeitet wird, ist Rally Obedience. Diese Hundsportart kommt aus den USA, hat aber auch in Schwaan viele Freunde gefunden. „Das ist die hohe Schule des Grundgehorsams“, erklärt Spillmann. Trotz anspruchsvollen Aufgaben „wird nur friedlich mit dem Hund umgegangen“, betont Spillmann.


Ausbildung für Mensch und Hund


Petra Spillmann betreut jeden Sonnabend zudem drei Gruppen in der Komplexausbildung für Mensch und Hund. „Wir vereinen eigentlich alles“, fasst sie zusammen. Denn hier geht es um Bindung, Spiel, Disziplin und vieles mehr. Einen Anspruch auf bedingungslosen Grundgehorsam wie bei Obedience habe sie dabei jedoch nicht. „Wir fahren auch zu Auftritten“, berichtet die zweite Vorsitzende und zeigt mit einer Gruppe, was Hund und Halter inzwischen gelernt haben. Sie selbst bildetet sich ständig weiter, um ihren „Schülern“ eine gute Ausbildung zu bieten. „Ich habe selbst Tierpsychologie studiert“, erklärt sie. Darüber hinaus verfüge sie über den nötigen Sachkundenachweis, der alle drei Jahre erneuert wird. „Und ich fahre auch zu Seminaren.“

Zu Gast sind die Gruppen in Tier- oder Pflegeheimen, gehören aber auch beim Brücken- sowie dem Heringsfest in Schwaan fest zum Programm. Darauf bereiten sich die einzelnen Gruppen gezielt vor. Während die Hundehalter natürlich wollen, dass alles glatt geht, bleibt Petra Spillmann gelassen, wenn ein Vierbeiner mal aus der Reihe tanzt und sagt: „Das wollen die Leute am liebsten sehen.“

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