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Bützow : Nach frenetischem Jubel bald die Gestellungsbefehle in den Händen

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Historische Serie „Schuhkarton“, Teil 76 / Diesmal: Wie Amtshauptmann Friedrich Fensch und andere Bützower den Ausbruch des 1. Weltkrieges erlebten

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 17:10 Uhr

Amtshauptmann Friedrich Fensch schaute am Sonnabend, dem 1. August 1914, vom Erker seiner Prachtvilla in Gedanken versunken durch das offene Fenster hinaus auf die Schloßstraße zum Aalfang hin. Eine brütende Hitze und eine ungeheuerliche Spannung lagen über der Stadt.

Als sich der grübelnde Verwaltungsleiter der Bützow umgebenden Gemeinden eine Zigarre anzünden wollte, fuhr in der größten Tageshitze die Einspänner-Kutsche mit dem Bürgermeister Friedrich Paschen vor.

„Kommen Sie mit“, rief der Bürgermeister dem Amtshauptmann zu, als der behäbige Schimmel mit dem Jagdwagen vor dem Erker anhielt. „Ich kann’s nicht mehr aushalten, ich fahre noch etwas ins Revier.“

Ohne viel zu erwidern nahm Friedrich Fensch seine Büchse aus dem Schrank und setzte sich neben den Bürgermeister. Ein enges Band der Freundschaft hatten sie und ihre Familien in Laufe der Jahre geknüpft. Friedrich Fensch kannte den Bürgermeister aus dem Effeff. In dem massigen, ungelenk wirkenden Mann steckten sowohl Schalk und Heiterkeit als auch eine Trübsal ausstrahlende Wortkargheit.

Schweigend fuhren sie über das holprige Pflaster in Richtung Bahnhof.

Während die Abonnenten der Bützower Zeitung des Verlegers Carl Buhr seit dem Attentat von Sarajevo die sich eskalierenden Ereignisse in Europa noch verfolgten, hatten der Amtshauptmann und der Bürgermeister längst durch geheime Depeschen des Großherzogs Friedrich Franz IV. die Order erhalten, die Mobilmachung nach Dienstvorschrift vorzubereiten. Streng vertraulich hatten sie mit den Dorfschulzen beziehungsweise Stadtsekretär Otto Moldt vertraulich einen Maßnahmenplan aufgestellt, der im Falle einer allgemeinen Mobilmachung sofort in Aktion treten könnte. Am Freitagnachmittag waren für zwei Stunden alle privaten Telegrame auf dem kaiserlichen Postamt liegen geblieben und mit Sonderdepesche des Staatstelegraphen aus Berlin wurde der Kriegszustand über das Reichsgebiet verhängt.

 

„…Wir wollen alle Mann für Mann unsere Pflicht tun in deutscher Treue und Kraft. Macht den ausziehenden Verteidigern unserer Scholle das Herz nicht schwer! Betet für sie und für den Sieg der deutschen Waffen, aber dankt auch dem Herren, dass er unser Volk zu dem großen Examen einberufen hat! Gott segne Kaiser und Reich!“, rief Friedrich Fensch den Versammelten zu.

Während mehrheitlich die Männer frenetisch jubelnd in ihre Stammkneipen oder ins Schützenhaus zogen, eilten Amtshauptmann und Bürgermeister in ihre Amtsstuben und setzten die Mobilmachung in Gang. Am nächsten Mittag hatten alle Reservisten, die zur Fahne eilen mussten, ihre Gestellungsbefehle in den Händen.

Wie es dann abends auf dem Marktplatz aussah und was noch alles passierte, lesen Sie in der Bützower Lokalausgabe der Schweriner Volkszeitung vom 2. August und im ePaper.


 

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