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Imker verliert die Hälfte seiner Völker : Mysteriöses Bienensterben in Zepelin

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Im letzten Herbst hat er über die Hälfte seiner Bienenvölker verloren - an einen unbekannten Feind. Und gerade das macht die Sache so mysteriös. Die gefürchtete Varroamilbe und Drohnenbrut seien nicht der Grund dafür.

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erstellt am 08.Jul.2013 | 06:34 Uhr

Zepelin | Imker Werner Grigull aus Zepelin macht sich Sorgen: Im letzten Herbst hat er über die Hälfte seiner Bienenvölker verloren - an einen unbekannten Feind. Und gerade das macht die Sache so mysteriös.

"Die Bienen fliegen aus und kommen nicht wieder zurück", sagt er. "Keiner weiß genau warum. Als wenn die einer weg gefangen hätte."

Die gefürchtete Varroamilbe sei nicht der Grund, auch die Drohnenbrut nicht. Das habe er alles untersucht, sagt Grigull. "Wir haben in den Völkern keine Milben gefunden." Manche Imker vermuten schon, dass auf den Feldern etwas Unverträgliches gespritzt werde. "Aber das schließe ich aus", so Werner Grigull, denn das Problem trat ja im Herbst auf, da werde nicht mehr gespritzt. Sonst hatte der Zepeliner Imker immer so an die 40 Bienenvölker, jetzt sei es etwa nur noch die Hälfte. Und der Rest der Völker sei ziemlich geschwächt, sagt er. Was sich auch in einer geringeren Honigproduktion widerspiegelt. Im Durchschnitt produziere ein Bienenvolk etwa einen Zentner Honig pro Jahr. "Ich hatte auch schon Spitzenvölker mit 120 Kilogramm pro Jahr", sagt Grigull. "Dieses Jahr aber sind es mindestens ein Drittel weniger Honig als sonst". Zum einen, weil die Völker geschwächt seien und zum anderen, weil es im Frühjahr so lange kalt war und die Bienenvölker es nicht geschafft haben, ihre Brut zu wärmen. Diese stirbt dann ab und wird aus den Waben ausgeräumt. "Diese Brut fehlte bei der Rapsblüte", so der Imker. Hinzu kam, dass in diesem Jahr durch das Wetter die Rapsblüte ebenso wie die Blüte der Obstbäume viel kürzer war als sonst.

Das Ergebnis ist, dass Werner Grigull manchmal kaum hinterher kommt, alle Wünsche nach Honig zu befriedigen. "Der Bedarf an hiesigem Honig ist von Jahr zu Jahr gestiegen", sagt er. Die Leute ernähren sich doch immer bewusster und hätten den Honig vom Imker vor Ort zu schätzen gelernt.

Auch im Bützower Imkerverein, dessen Vorsitzender Werner Grigull ist, sei das mysteriöse Bienensterben natürlich ein Thema, sagt er. Werner Grigull, der jahrzehntelange Erfahrung mit der Bienenzucht hat, hat seine eigene Erklärung dafür gefunden. "Ich vermute, dass die Bienen sterben, weil im Herbst die Pollenversorgung nicht mehr gegeben ist." Und das ziehe eine ganze Kette nach sich: Die Bienen brauchen die Pollen für die Aufzucht ihrer Brut.

Wenn sie nicht genug Pollen finden, gehen die Bienen auf Ersatzstoffe, sogar auf Sägespäne. "Aber da ist nicht genug Eiweiß drin. Die Bienen und ihre Brut sind deshalb nicht mehr so vital und stark. Sie verlieren dadurch beim Fliegen die Orientierung und kommen nicht mehr zurück."

Die Pollenversorgung sei ab Ende Juli so knapp, weil rundum auf den Feldern fast nur noch Mais angebaut werde, so Imker Grigull. Mais habe zwar auch Pollen. "Er ist aber ein Windbestäuber und hat nicht genug Eiweiß."

Doch wenn auch seine Bienen auf mysteriöse Art weniger geworden sind, ans Aufgeben denkt Werner Grigull noch lange nicht. Den Ausfall kompensiert er durch die Königinnenzucht. Und diese ist schon von Erfolg gekrönt. "Die Rennpferde für nächstes Jahr sind schon fertig", lacht der Imker.

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